Kaldemorgen-Manager im Interview: „Anleger sollten über einen Einstieg nachdenken“

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Jan F. Wagner

Ende September wurde Christoph Schmidt zum Co-Lead Manager des DWS-Flaggschiffsfonds „Concept Kaldemorgen“ berufen. Mit procontra sprach er über das herausfordernde Marktumfeld, den Trend zu nachhaltigen Investments und den Marktaussichten für 2023.

DWS-Finanzexperte Christoph Schmidt Bild: DWS

Ist seit September einer der Manager des "Concept Kaldemorgen": DWS-Finanzexperte Christoph Schmidt Bild: DWS

procontra: Herr Schmidt, Sie und der DWS-Grande Klaus Kaldemorgen sind inzwischen Co-Lead Manager von seinem Mischfonds „Concept Kaldemorgen“. Wie hat sich der Fonds in diesem äußerst schwierigen Marktumfeld geschlagen?  

Christoph Schmidt: Für die ersten neun Monate 2022 sind wir 4,6 Prozent im Minus. Angesichts der Tatsache, dass die Aktien- und die Anleiheindizes seit Januar zweistellige Verluste gemacht haben, und mit Blick auf den Wettbewerb sind wir mit der Performance nicht ganz unzufrieden. Wir sind sogar über neun Prozentpunkte besser als unsere Peergroup. Das diesjährige Marktumfeld ist ein riesiges Dilemma für alle Mischfonds, weil die Anleiheindizes genauso stark unter Druck stehen wie die Aktienmarktindizes. Diese Assetklasse fällt also als sicherer Hafen für die Investoren aus.  

procontra: Verspricht aber nicht die Total-Return-Strategie des Fonds eine positive Rendite unabhängig von der Marktentwicklung?  

Schmidt: Nein. Unser Ziel ist es, mit einer Kombination aus Flexibilität und einem sehr disziplinierten Risikomanagement langfristig attraktive Renditen zu erzielen. Und da haben wir geliefert: Seit Auflegung des Fonds im Jahr 2011 hat der Concept Kaldemorgen eine Rendite von knapp 4 Prozent per annum erreicht. Unser Produkt eignet sich für den konservativen Anleger, der sagt: Ich sehe zwar das langfristige Potenzial an den Kapitalmärkten, aber die Schwankungen sollten sich möglichst nur im einstelligen Bereich bewegen. Für aktienaffinere Anleger gibt es den „Dynamic Opportunities” (Volumen: 3,2 Milliarden €; Anm. d. Red.), den ich schon länger eigenständig manage.  

procontra: Was waren die Gründe für die Outperformance gegenüber dem breiten Markt?  

Schmidt: Wir haben schon im letzten Jahr erkannt, dass die Inflation stark anzieht und dies wiederum zu höheren Zinsen führen wird. Daraufhin haben wir auf steigende Zinsen und fallende Anleihekurse gesetzt. Im Ergebnis heißt das, dass wir aus den Anleihekomponenten des Fonds einen Performancebeitrag von rund 1 Prozent erzielt haben. Wir haben auch einen positiven Beitrag von unseren Goldinvestments, die derzeit etwa 8 Prozent des Portfolios ausmachen. Herbe Verluste im Aktienbereich konnten wir vermeiden, da wir seit Beginn des Krieges in der Ukraine im Portfolio defensiv aufgestellt waren. Wir sind tendenziell rausgegangen aus den Wachstumsthemen wie Technologie und stärker rein in die defensiven Themen wie Telekommunikation und Pharma. Außerdem war die starke Aufwertung des Dollars gegenüber dem Euro ein Faktor.  

procontra: Haben Ihnen die Anleger trotz des Minus die Treue gehalten?  

Schmidt: Absolut. Im letzten Quartalsbericht steht, dass der Multi-Asset-Bereich, also vor allem der Concept Kaldemorgen, Zuflüsse in Höhe von 600 Millionen Euro verbuchte. Gerade in diesem schwierigen Jahr konnten wir uns von der Konkurrenz abheben und zeigen, dass sich aktives Management lohnt, sowohl im Vergleich zu einem passiven oder auch zu einem benchmarkorientierten Ansatz.  

procontra: Wird das aber auch in der Öffentlichkeit verstanden? Gerade junge und digital affine Menschen hören ständig im Internet, dass aktive Fonds zu teuer und leistungsschwach sind. Sie sollten lieber mit kostengünstigen ETFs sparen…  

Schmidt: Das Sparen mit ETF ist zweifelsohne ein Trend und für viele ein sehr guter Zugang, beispielsweise zum Aktienmarkt. Geht es aber um Multi-Asset-Lösungen, haben die turbulenten Marktphasen der letzten Monate gezeigt, welche Risiken starre, passive Strategien mit sich bringen können. Aktive Manager konnten dagegen die Vorteile ihrer Flexibilität ausspielen. Denn: Plötzlich hatten Anleger mit der Inflation und den steigenden Zinsen einen gewaltigen Gegenwind. Aktive Manager mussten schauen, wie sie das Zinsänderungsrisiko in den Griff bekommen und welche Instrumente dafür zur Verfügung stehen. Das wäre für Privatanleger mit einer passiven Lösung über ETF gar nicht möglich gewesen.  

procontra: Aber nochmals gefragt: Wäre die neue Generation von Anlegern offen für diese Argumente?

Schmidt: Durchaus. In der Pandemie waren Aktien ein Hype. Man konnte mit der Smartphone-App ganz bequem handeln. Viele verfolgten eine Art Alltagsökonomie nach dem Motto: Ich habe selbst ein Netflix-Abonnement, deshalb kann die Aktie nicht so schlecht sein. Aber ich denke, diese Zeit ist vorbei. Viele wollen sich nicht mehr so intensiv mit der Börse beschäftigen, auch weil sie gemerkt haben, dass sie am Ende nicht so erfolgreich waren. Sie haben erkannt, dass man da mehr Arbeit reinstecken muss als gedacht. Ich kenne einige, die sagen: Ich überlasse es lieber einem Fondsmanager, dessen Job es ist, sich mit dem Kapitalmarkt auseinanderzusetzen und lasse mich in meiner jeweiligen Risikokomfortzone abholen. Mein Rat lautet: Wenn man sich für einen Mischfonds entscheidet, sollte es einer sein, der wirklich volle Flexibilität bei der Asset-Allokation hat und der sich nicht relativ eng an einer Benchmark orientiert.

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