Immobilienmarkt: Sorge vor starken Preiseinbrüchen

Anne Mareile Walter Sachwerte

Die Entwicklung bei Kaufpreisen und Mieten klafft zunehmend auseinander. Ökonomen fürchten dadurch starke Preiseinbrüche, geben aktuell aber Entwarnung: In Deutschland bleibe der Immobilienmarkt vergleichsweise stabil.

DIW-Institut Bild: Bim

Im laufenden Jahr stiegen die Kaufpreise stärker als die Mieten. Eine platzende Immobilienblase prognostizieren Ökonomen für Deutschland aber nicht. Bild: Bim

Steigende Bauzinsen, Energiekrise und Inflation haben in den vergangenen Monaten dafür gesorgt, dass die Immobilienpreise nach Jahren des steten Wachstums erstmals sanken. Inmitten dieser Nachrichtenlage mutet die Erkenntnis einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) überraschend an: Demnach stiegen in diesem Jahr die Preise für Eigenheime und Eigentumswohnungen um durchschnittlich elf Prozent. Parallel erhöhten sich die Mieten in demselben Zeitraum allerdings nur um vier Prozent. Für die DIW-Studienautoren ist das ein Grund zur Sorge, denn dadurch steige das Risiko von starken Preiskorrekturen am Immobilienmarkt.

Hoher Anteil an Krediten mit langfristiger Zinsbindung

Studienautor Konstantin Kholodilin erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Preiseinbrüche von bis zu zehn Prozent bei Eigentumswohnungen und Eigenheimen sind durchaus möglich.“ Trotzdem stehe man in Deutschland nicht vor dem Platzen einer Immobilienblase. Zwar sei es aus Sicht des DIW durchaus bedenklich, dass die Entwicklung bei den Kaufpreisen und Mieten derart auseinanderklafft. Denn: Immobilienkäufe würden durch Mieteinnahmen – oder im Falle einer Eigennutzung durch eingesparte Mietzahlungen – refinanziert und daher sei es wichtig, dass sich die Immobilienpreise „langfristig im Einklang mit den Mieten entwickeln“.

Aktuell geben die Ökonomen aber Entwarnung. Der Anteil der Kredite mit einer längerfristigen Zinsbindung sei hierzulande nach wie vor relativ hoch. Eine „um sich greifende Verschuldung der privaten Haushalte“ können sie daher nicht ausmachen und prognostizieren: Der Immobilienmarkt in Deutschland werde vergleichsweise stabil bleiben.

Die im Laufe des Jahres gestiegenen Immobilienpreise gingen vielerorts auf eine hohe Nachfrage bei gleichzeitig geringem Angebot zurück. So wachse in etlichen Großstädten die Bevölkerung – gleichzeitig entstehen wegen ungünstiger Finanzierungsbedingungen, enorm gestiegener Baukosten sowie personeller Engpässe aber zu wenig neue Wohnungen. Insgesamt 97 Städte nahmen die Ökonomen für die Studie unter die Lupe.

Die DIW-Experten fordern nun von der Politik, günstigen Wohnraum in Ballungsgebieten bereitzustellen. Mit „beschleunigten Verfahren und höheren öffentlichen Bauinvestitionen“ solle der Neubautätigkeit Schwung verliehen werden, so Studienautor Malte Rieth.  

Eine Immobilie so teuer wie 28 Jahresmieten

Die Berechnungen des DIW basieren auf Daten des Immobilienverbandes IVD für die Jahre 1996 bis 2022. Demnach verdoppelten sich die Preise für Einfamilien- und Reihenhäuser im vergangenen Jahrzehnt in etwa, Eigentumswohnungen wurden im selben Zeitraum um rund die Hälfte teurer, Baugrundstücke um etwa ein Drittel. Zwar stiegen auch die Mieten mit durchschnittlich 56 Prozent – damit aber deutlich weniger stark als die Preise für Wohneigentum. In Großstädten kostete eine Immobilie zuletzt so viel wie 28 Jahresmieten. Das ist ein Höchststand seit Mitte der 1990er Jahre.