Grüne Anleihen: Die Rendite sprießt (endlich)

Hannah Petersohn Investmentfonds

Immer noch bemängeln manche Anlage-Experten, Green Bonds wären im Vergleich zu herkömmlichen Anleihen weniger ertragreich. Eine aktuelle Untersuchung kommt nun zu einem anderen Schluss. Das macht sie auch für die Versicherungsbranche attraktiv.

Grüne Anleihen: Die Rendite sprießt (endlich) Bild: mikkel william

Galten Green Bonds lange Zeit zwar gesellschaftlich als erstrebenswert, waren sie doch als weniger ertragreich verschrien. Das ändert sich nun. Bild: mikkel william

Der Run auf grüne Anlagen hält weiter an. Das Gesamtvolumen sogenannter verantwortlicher Geldanlagen ist im vergangenen Jahr auf 2,2 Billionen Euro angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 300 Milliarden mehr. Mit der Nachfrage steigt auch das Angebot: Waren zu Beginn des vergangenen Jahres etwa 1.400 nachhaltige Fonds auf dem Markt, hat sich die Anzahl bis Frühjahr 2022 auf 4.100 nahezu verdreifacht.

Manche Experten bemängeln allerdings, dass grüne Anleihen im Vergleich zu konventionellen Bonds in puncto Rendite hinterherhinken. Das ändere sich nun, glaubt man einer aktuellen Untersuchung des Gesamtverbands der Versicherer (GDV). Demnach liegen die Renditeeinbußen aus Investorensicht, die in der Anfangszeit zwischen 2012 bis 2014 noch bei bis zu einhundert Basispunkten lagen, mittlerweile nur noch im einstelligen Bereich.

Renditenachteile gehen gegen Null

Dieser Renditeunterschied, auch Greenium – ein Kofferwort aus Green und Premium – genannt, gehe besonders bei öffentlichen Emittenten, also Unternehmen oder staatlichen Institutionen, die Wertpapiere auf den Markt bringen und an der Börse handeln, nahezu gegen null. „Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass Investitionen in grüne Anleihen nicht mit erheblichen systematischen Renditenachteilen für Investoren einhergehen. In der Vergangenheit bestehende Greenia gehen mit fortschreitender Reife des Marktes zurück“, so die Studienautoren.

Dazu komme, dass Investoren, die auf Green Bonds setzen, eher dazu tendieren, ihre Anleihen länger zu halten. Sie befolgen also die goldene Regel des Kapitalmarkts und sitzen damit Kursschwankungen aus – was grüne Anleihen wiederum stabiler mache.

Green Bonds: attraktive Assets für Versicherer

Außerdem habe sich auch gezeigt, dass sich der Renditeunterschied zwischen grünen und konventionellen Anlagen vergrößert, je strenger die Nachhaltigkeitskriterien der jeweiligen Anleihen beziehungsweise Emittenten sind. Während das Greenium bei nicht-zertifizierten grünen Anleihen beziehungsweise bei Anleihen von zweifelhaften Emittenten so gut wie nicht vorhanden sei, ist es bei Anleihen von Emittenten, die strengere Nachhaltigkeitskriterien verfolgen, tendenziell größer.

Generell gehen Experten davon aus, dass der Markt für Green Bonds auch in Zukunft stark wachsen wird. Vor dem Hintergrund der steigenden Rendite werden grüne Anleihen auch für Versicherer zunehmend attraktiv, so der GDV. Schließlich habe die Branche rund 1,8 Billionen Euro an den Märkten investiert und lege jedes Jahr 300 Milliarden Euro neu an.

„Die Studie zeigt, dass Green Bonds attraktive Assets für Versicherer sind und sich auch für Emittenten mit glaubhaften Nachhaltigkeitsstandards rechnen. Damit sich der bisher noch begrenzte Markt für grüne Anleihen jetzt schneller entwickelt, brauchen wir einen marktweit akzeptierten EU Green Bond Standard“, so Jörg Asmussen, GDV-Hauptgeschäftsführer. Dennoch: Grüne Anleihen seien trotz des starken Zuwachses im Vergleich zum Gesamtanleihenmarkt weiterhin ein Nischenprodukt. Der Anteil grüner Anleihen am globalen Kapitalmarkt liegt laut "Green Bond Monitor" der Deutschen Bundesbank bei nur 0,9 Prozent.