Beitragserhöhungen: Die PKV kämpft gegen ihr Teuer-Image

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Langfristig steigen die Beiträge in der GKV stärker als in der PKV – mit dieser Punchline versucht die private Krankenversicherung seit Jahren ihr Image zu verbessern. Doch Vermittler sollten diese Aussage nicht pauschal übernehmen, kommentiert procontra-Redakteur Florian Burghardt.

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Die GKV-Beiträge steigen langfristig stärker als die PKV-Beiträge – kann man das pauschal so kommunizieren wie der PKV-Verband es tut? procontra-Redakteur Florian Burghardt rät Vermittlern hier zur Vorsicht. Bild: procontra

Die Beitragssprünge der privaten Krankenversicherer machen immer wieder Schlagzeilen. So beispielsweise Marktführer Debeka, der zu Beginn 2021 die Beiträge für seine damals 2,4 Millionen Vollversicherten im Schnitt um 17,6 Prozent anhob. Für viele Menschen bedeutete das eine Mehrbelastung von über 100 Euro im Monat.  

Solche Beitragssprünge – auch wenn sie gesetzlich bedingt sind – gelten unter Verbrauchern als großes Hemmnis für den Eintritt in die private Krankenversicherung. Gegen dieses Teuer-Image wehrt sich der PKV-Verband nach Kräften und hat nun erneut darauf verwiesen, dass die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) langfristig stärker steigen als in der privaten. Wie das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) nun ausgewertet hat, sind die Beiträge in der privaten Krankenversicherung im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2023 um jährlich 2,8 Prozent gestiegen, in der gesetzlichen Krankenversicherung dagegen um 3,4 Prozent pro Jahr. „Die PKV ist also gar nicht so schlimm wie ihr Ruf und auf lange Sicht weniger teuer als die gesetzlichen Kassen“, könnte ein Argument lauten, dass PKV-Befürworter in der Praxis so oder so ähnlich auch immer wieder gerne benutzen. Dabei ist aber Vorsicht geboten.

Wer zahlt wirklich mehr in der GKV?

Denn: An 28 Prozent höheren Beiträgen in der PKV dürfte niemand zweifeln. Aber 34 Prozent höhere Beiträge in der GKV seit 2013 dürften den einen oder anderen Verbraucher ins Grübeln bringen. Schließlich liegt ihr Beitragssatz seit 2015 konstant bei 14,6 Prozent, wurde zuvor sogar noch von 15,5 Prozent abgesenkt und auch der durchschnittliche Zusatzbeitrag hat sich seitdem nur sehr moderat entwickelt. Wie lässt sich also eine GKV-Verteuerung erklären, die langfristig über der der PKV liegt?

Die aktuelle WIP-Analyse gibt Antwort. Sie zieht ganz überwiegend die Entwicklung zweier Kennzahlen heran, um auf eine durchschnittliche jährliche Erhöhung von 3,4 Prozent seit 2013 zu kommen: Die Summe der Beitragseinnahmen und den GKV-Höchstbeitrag. Erstere seien aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung kräftig gestiegen, um 34,7 Prozent von 2013 bis 2021. Letzterer sei aufgrund der Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) von 2013 bis 2023 um 40,5 Prozent gestiegen. In Kombination würde das im Durchschnitt pro gesetzlich Versichertem einen jährlichen Anstieg von 3,4 Prozent im Jahr bedeuten.

Vorsicht beim pauschalen Vergleich

Bei den rund 57 Millionen Kassenmitgliedern, die letztendlich die GKV-Beiträge bezahlen, dürfte das Empfinden aber ein anderes sein. Für die meisten von ihnen ist die BBG (4.987,50 Euro ab 01.01.2023) und damit der GKV-Höchstbeitrag in weiter Ferne, so dass die jährlichen Anhebungen der BBG für sie ohne Bedeutung bleiben. Sie bezahlen also keinen höheren Beitrag, wenn die BBG angehoben wird. Und wenn sie eine Gehaltserhöhung erhalten, dürfte es der Freude darüber kaum einen Abbruch tun, dass der gleichbleibende GKV-Beitragssatz bei gestiegenem Gehalt auch einen gestiegenen Abzug in Euro bedeutet. Über einen höheren Steuersatz habe ich in diesem Zusammenhang schon Menschen schimpfen gehört, über den Beitrag zur Krankenversicherung aber noch nie jemanden.

Letzten Endes dienen steigende Beitragseinnahmen sowohl in der PKV als auch in der GKV dazu, den gestiegenen Gesundheitskosten Herr zu werden. Wenn Vermittler bei der Beratung aber die konkret ersichtlichen Beitragserhöhungen in der PKV pauschal mit den schwer zu erklärenden, indirekten Anhebungen in der GKV vergleichen, könnte dies bei den Kunden mehr Fragen aufwerfen als es beantwortet.