Arbeitskraftabsicherung: Innovationsdrang mit Problemen

Uwe Schmidt-Kasparek Berater Top News

Die Grundfähigkeitsversicherung etabliert sich als Alternative zur BU. Anbieter fluten den Markt mit immer mehr Leistungsbausteinen, die Beratung und Vergleich erschweren – ein steiniger Weg für Makler zum passgenauen Schutz.

Arbeitskraft Bild: Vesnaandjic

Auf dem Markt der Grundfähigkeitspolicen gibt es immer mehr neue Leistungsbausteine: Handwerker benötigen beispielsweise die Wahlleistung Grundschutz und Krankschreibung. Bild: Vesnaandjic

Viel Begeisterung löste Viktoria Pardey bei den Versicherungsmaklern aus, die ihrem Vortrag „Wenn die Grundfähigkeitsversicherung die bessere Lösung ist“ auf der diesjährigen Vermittlermesse DKM folgten. So zeigte die Leiterin des Berliner Maklervertriebes der Allianz Lebensversicherung, wie umfangreich und modular die Köperschutz-Police heute ist. „Es gibt eine Passgenauigkeit für jeden Ihrer Kunden“, behauptete Pardey und zeigte auf, wie der Grundschutz – der 2021 nochmals um acht neue Grundfähigkeiten und neuen verbesserten Grundfähigkeiten erweitert wurde – mit Wahlleistungen bestückt werden kann.

Als „wählbare“ weitere Leistungsauslöser gibt es beispielsweise den Verlust des Lkw- oder Busführerscheins sowie das Nicht-Bestehen einer von drei arbeitsmedizinischen Prüfungen, die – wie das Tragen von Atemschutzgeräten – sehr speziell sein können. Zudem gibt es die Wahlleistung „schwere Depression und schwere psychische Erkrankung“, den Baustein „schwere Krankheiten“ und „Pflegezusatzrente inklusive Pflegeanschlussoption“.

Mit diesem Füllhorn an Mehrleistungen könne man über das Angebot Zielgruppen bedarfsgerecht ansprechen. So benötigen beispielsweise Handwerker oder Friseure nach Meinung von Pardey lediglich Grundschutz und Krankschreibung, während für Kraftfahrer und Feuerwehrleute zusätzlich die Leistungsauslöser „spezielle Berufe“ und „psychische Erkrankungen“ sinnvoll seien. Die Allianz-Empfehlungen gibt es dann auch mundgerecht auf dem Maklerprogramm.

Problematische Vielfalt

Doch der immer umfassendere Bausteinschutz bei der Grundfähigkeitsversicherung (GFV) stellt Versicherungsmakler zunehmend vor Probleme. Zum einem müssen die Wünsche der Kunden berücksichtigt werden und nicht jeder Handwerker ist gleich. Noch schwieriger wird es, wenn man die Grundfähigkeitstarife und ihre Kombinationen am Markt vergleichen will. Denn die Allianz ist mit der Explosion der Möglichkeiten bei der GFV nicht allein.

Insgesamt 3.475 Produktkombinationen hat das Ratinghaus Franke & Bornberg am Markt gezählt. Spitzenreiter ist die Alte Leipziger, die es bei drei GFV-Produkten auf 1.834 Varianten bringt, bei der Nürnberger sind es mit vier Tarifen noch 450 Alternativen, bei der Swiss Life, die ebenfalls mit vier GFV-Tarifen unterwegs ist, gibt es noch 240 Konfigurationen. Da sind HDI (1 Tarif / 128 Kombis), Stuttgarter (1 / 64), Baloise (5 / 80) und Allianz (1 / 48) schon fast übersichtlich.

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