Arbeitgeber fordern Prüfung des Renteneintrittsalters

Hannah Petersohn Berater

Die Debatte um die Anhebung des Renteneintrittsalters spitzt sich immer weiter zu. Nun fordern Arbeitgebervertreter eine Prüfung der Altersgrenze.

Arbeitgeber fordern Prüfung des Renteneintrittsalters Bild: Deutsche Rentenversicherung

Der Arbeitgebervertreter im Bundesvorstand der Rentenversicherung, Alexander Gunkel, hat sich in Debatte um die Altersgrenze beim Renteneintritt eingeschaltet. Bild: Deutsche Rentenversicherung

Die Frage, ob Arbeitnehmer hierzulande später in Rente gehen sollen, ist ein Dauerbrenner. Nun melden sich erneut Arbeitsgebervertreter zu Wort: So fordert, laut Spiegel Online, der Arbeitgebervertreter im Bundesvorstand der Rentenversicherung, Alexander Gunkel, die Altersgrenze solle geprüft werden. Der Grund ist hinlänglich bekannt: Im Zuge des demografischen Wandels kommen immer weniger Beitragszahler auf immer mehr Ruheständler.

Gunkel plädiert dafür, dass die Frage des Eintrittsalters bis 2026 geklärt werden müsse – auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass eine Regierungskommission zur Zukunft der Rente ebenfalls gefordert hatte, 2026 das Thema neu zu bewerten.

Der Rentenbeginn der geburtenstarken Babyboomer hängt wie ein Damoklesschwert über dem deutschen Rentensystem. Wie es sich in Zukunft finanzieren soll, ist bislang unklar – ein Lösungsansatz besteht in der Anhebung der Altersgrenze. Auch sollen mehr Frauen in den Arbeitsmarkt integriert und die Zuwanderung von Fachkräften angetrieben werden.

Erst kürzlich schaltete sich der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Rainer Dulger, in die Debatte ein und erklärte, das Renteneintrittsalter müsse angehoben werden. „Die Kosten werden explodieren“, warnte er. Auf 100 Beitragszahler kommen demnach derzeit etwa 50 Rentner, in 15 Jahren würden 100 Beitragszahler auf 70 Rentner kommen. Dulger zufolge dürfe die steigende Lebenserwartung nicht zu einem immer noch längeren Ruhestand führen. Selbst der Gesamtmetall-Chef Dr. Stefan Wolf glaubt, dass eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre unausweichlich sei.

Renteneintritt automatisch an Lebenserwartung koppeln?

Wissenschaftlerinnen wie Tabea Bucher-Koenen, Professorin am Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung der Universität Mannheim, oder Experten wie Udo Müller, Principal bei der Unternehmensberatung Mercer Deutschland loben den niederländischen Weg: Das Renteneintrittsalter wird im Nachbarland automatisch an die Lebenserwartung angepasst. „Es gibt gar keine Diskussionen mehr, es ist einfach Fakt: Wenn die Lebenserwartung steigt, steigt das Renteneintrittsalter.“ Eine Diskussion, die auch hierzulande immer wieder geführt wird und in der leicht vergessen wird: Viele Berufe eignen sich nicht für Arbeitnehmer jenseits der 65 Jahre.

Arbeitnehmerverbände wie die IG Metall lehnen deswegen die Anhebung des Eintrittsalters auch ab. Wenn Menschen immer länger leben, sagt das noch nichts über ihre Arbeitsfähigkeit aus. Aus diesem Grund fordert ver.di die sogenannte „beschwerdefreie Lebenserwartung“ als Maßstab zu nehmen. Gerade körperlich hart arbeitende Menschen, die Gesamtmetall-Chef Wolf vertritt, seien oft gar nicht mehr in der Lage, bis 65 oder 67 weiterzuarbeiten. „Stattdessen braucht es angesichts des demografischen Wandels eine Versicherung, in die alle Erwerbstätigen einzahlen, höhere Entgelte für Beschäftigte, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie mehr Zuwanderung ins System“, so Urban gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Aktuell wird das Renteneintrittsalter für eine Rente ohne Abschläge bis 2029 Schritt für Schritt angehoben bis zum Alter von 67 Jahren.