Versicherern gehen die Fachkräfte aus

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Ob Digitalisierungsexperten oder Versicherungsmathematiker – für die Branche wird es zunehmend schwer, offene Stellen zu besetzen. Auch an Versicherungskaufleuten fehlt es zunehmend.

Personalsorgen Bild: Cimmerian

Auch die Versicherungsbranche ist zunehmend mit Personalproblemen konfrontiert. Bild: Cimmerian

Die Versicherungswirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Sie will schneller, digitaler und damit vor allem kundenfreundlicher werden – auch, weil eigentlich branchenfremde Unternehmen immer mehr ihre Fühler ins Kerngeschäft der Versicherer ausstrecken. Um den Umbau ins Digitale zu bewältigen, ist die Versicherungsbranche auf Spezialisten angewiesen: Informatiker, UX-Spezialisten, Entwickler, aber natürlich auch weiterhin Versicherungskaufleute und Aktuare.  

Bislang genossen die Versicherer trotz ausbaufähigem Image bei vielen Bewerbern ein hohes Ansehen. Vor allem das im Vergleich zu vielen anderen Branchen hohe Salär und die Aussicht auf einen sicheren Job überzeugten in der Vergangenheit viele, ihre berufliche Zukunft bei einem Versicherer zu suchen.  

Immer mehr offene Stellen

Doch auch die Versicherer haben zunehmend Schwierigkeiten, offene Stellen zu füllen. Das berichtet das „Handelsblatt“ und beruft sich auf eine Auswertung der auf Personalmarktforschung spezialisierten Index-Gruppe. Dieser zufolge hatten die deutschen Versicherer in den ersten Monaten 40.266 offene Stellen. Das ist ein Drittel mehr als noch 2021 und ebenfalls mehr als noch vor Corona-Zeiten. So lag die Zahl der offenen Stellen im Jahr 2019 in den ersten acht Monaten bei 34.387. Gesucht werden laut Auswertungen vor allem Mitarbeitende für die Bereiche Finanz- und Rechnungswesen/ Controlling sowie im Aktuariat. Die Deutsche Aktuarvereinigung beziffert den Mangel an Versicherungsmathematikern gegenüber dem „Handelsblatt" derzeit mit 2000 bis 3000.  

Ein Personalmangel, der auch bei Verbraucherschützern die Sorgenfalten auf der Stirn tiefer werden lässt. Im Gespräch mit procontra beklagte der ehemalige Vorstandsprecher des Bund der Versicherten Axel Kleinlein die Vielzahl an neuen Tarifentwicklungen im Bereich der Lebensversicherung und merkte hierzu an: "Die Heerscharen an Mathematikern, die es bräuchte, um diese Tarife zu führen, sehe ich hingegen nicht. Darum glaube ich, dass das noch zu einem riesigen Problem für die Unternehmen werden wird."    

Bemerkenswert oder vielmehr besorgniserregend ist, dass es nicht nur an IT-Spezialisten oder Experten fürs Rechnungswesen, die auch in anderen Branchen händeringend gesucht werden, fehlt. Zunehmend würden auch Versicherungskaufleute fehlen – Personal, das die Branche selbst ausbildet. Laut Arbeitgeberverband der Versicherungswirtschaft blieben im vergangenen Jahr zwölf Prozent der Ausbildungsplätze sowie 20 Prozent der dualen Studienplätze unbesetzt.