Steigende Bauzinsen: So bleibt die Finanzierung sicher

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Mit dem Ende des Immobilienbooms geht auch die Zahl der Neukredite zurück. Sollten sich Eigenheimbesitzer bereits jetzt Anschlussfinanzierungen von 3 bis 4 Prozent sichern? procontra hat mit Experten gesprochen.

Bauzinsen Bild: Nuthawut Somsuk

Die steigenden Zinsen machen das Geschäft mit der Baufinanzierung immer schwieriger. Was sollen Berater jetzt empfehlen? Bild: Nuthawut Somsuk

Steigende Zinsen und eine Rekord-Inflation – das Geschäft mit der Baufinanzierung wird immer schwieriger. Kreditinstitute und die Beratungsgesellschaft PwC schlagen nun nach einem Bericht des Handelsblatts Alarm: Die Neuvergabe von Krediten an Immobilienbesitzer sei in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen. Wie PwC-Partner Tomas Rederer sagte, sei es sogar vorstellbar, dass „das Neugeschäft für eine kurze Zeit fast zum Stillstand kommt“. Im März habe das Neugeschäft mit gut 32 Milliarden Euro noch einen neuen Rekord erreicht. Seitdem sei es aber fast jeden Monat gesunken. Im Juli und August lag es unter Vorjahresniveau.  

"Wette gegen Zinsentwicklung" lohnt sich

Doch wie beeinflussen die steigenden Zinsen auslaufende Baufinanzierungen? Wie können Eigenheimbesitzer ihre Anschlussfinanzierung auf ein sicheres Fundament stellen? Sind Forward-Darlehen zu empfehlen, weil sie das Risiko eines weiteren Zinsanstiegs abfedern? procontra hat dazu mit Baufinanzierungs-Experten gesprochen. Roland Lenz, Spezialist für Baufinanzierung bei der Finanzberatung Dr. Klein in Stuttgart, erklärte auf Nachfrage: „Ist die gesetzliche Kündigungsfrist von zehn Jahren für das aktuelle Darlehen noch nicht erreicht, können derzeit Forward-Darlehen interessant sein.“ Denn sicherheitsorientierte Eigentümer würden in dem Fall „von der langfristigen Planungssicherheit“ profitieren. Laut Lenz werden die Zinsen in Zukunft weiter steigen. Die „Wette gegen die Zinsentwicklung“ in Form eines Forward-Darlehens könne sich daher lohnen.

Das Prinzip eines solchen Darlehens: Eigenheimbesitzer sichern sich damit den Zins von heute für mehrere Jahre im Voraus und erhalten somit Planungssicherheit für die monatliche Rate. Bei der Anschlussfinanzierung wird dafür ein Aufschlag beim dann zu zahlenden Zins fällig. Um ein Forward-Darlehen sinnvoll einzusetzen, ist es daher wichtig, den Markt vorab einzuschätzen. Wie Immobilienexperte Lenz hinzufügt, könnten sich Eigentümer aktuell gegen einen Aufschlag von zirka 0,15 Prozent pro Jahr das jetzige Zinsniveau für die zukünftige Anschlussfinanzierung sichern.

Auch Thomas Hein, Leiter des Partnervertriebs bei der ING, hält den Abschluss eines Forward-Darlehens jetzt für sinnvoll, schränkt bei seiner Empfehlung gegenüber procontra aber ein: „Allerdings darf man dabei nicht übersehen, dass wir zuletzt zwar stark steigende Zinsen gesehen haben, das Zinsniveau im Vergleich zu den vergangenen 20 bis 30 Jahren jedoch immer noch niedrig ist.“ Die Prognosen der Beratungsgesellschaft PwC von einem möglichen Stillstand im Neugeschäft teilt er nicht. Bei der ING läge das Neugeschäft in diesem Jahr trotz zuletzt schwächerer Wachstumsraten „deutlich über dem Volumen der Tilgungen bestehender Darlehen“. Damit nehme das Baufinanzierungsvolumen unterm Strich weiter zu. 

Auch Bafin informiert über Forward-Darlehen

Der auf Baufinanzierung spezialisierte Makler Kai Senfleben hält den Abschluss eines Forward-Darlehens für „eine großartige Sache“, der Kunde habe so Planungssicherheit. „Wie sich das Zinsniveau die kommenden Jahre bewegen wird, können wir alle nur spekulieren“, sagte er gegenüber procontra. Doch mit dem Abschluss eines Forward-Darlehens sei diese Entwicklung nicht mehr relevant – und der Kunde wisse schon heute, wie es mit dem Darlehen nach Ablauf der Zinsbindung weiter geht. „Genau den richtigen Zeitpunkt wird man, genau wie am Aktienmarkt, selten abpassen können. Aber darum geht es auch nicht. Vielmehr geht es um die Sicherheit, die man sich einkauft“, fügte er hinzu.

Auch die Bafin informiert aktuell wegen des Zinsanstiegs auf ihrer Webseite über das Thema Anschlussfinanzierungen bei Immobilienkrediten. So habe sich hier die Lage 2022 wegen des erheblichen Zinsanstiegs schlagartig geändert, schreibt sie und weist ebenfalls auf die Möglichkeit eines Forward-Darlehens hin – weil sich hierdurch die aktuellen Zinsen sichern ließen.