Die Rückkehr der Inflation erfordert konsequentes Handeln

Gastkommentar Versicherungen

Das Schreckgespenst der Inflation ist zurück und beeinflusst auch Versicherer, Berater und Kunden. Nun gilt es, maßvoll zu agieren – insbesondere bei anstehenden Tarifabschlüssen –, mahnt DAV-Vorsitzender Dr. Herbert Schneidemann im procontra-Kommentar.

Herbert Schneidemann Bild: DAV

Dr. Herbert Schneidemann istVorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Bild: DAV

Das Schreckgespenst der Inflation ist zurückgekehrt und wird sich auch im Bereich der Versicherungen kurz- bis mittelfristig in nahezu allen Sparten niederschlagen. Beispielsweise ist der in der Wohngebäudeversicherung wichtige Baupreisindex im vergangenen Jahr um über 14 Prozent gestiegen, das ist der stärkste Anstieg seit 51 Jahren. Stark steigende Preise sehen wir auch bei Kfz-Ersatzteilen und Reparaturkosten, wodurch der sogenannte „Reparaturkostenindex für Kraftfahrzeuge“ stetig steigt.

Sach- und Kraftfahrtversicherungen sind von hohen Inflationsraten stärker und unmittelbarer betroffen als beispielsweise Unfallversicherungen, die sich der Auswirkung der Inflation aber auch nicht auf Dauer entziehen werden können. In der privaten Krankenversicherung (PKV) war bisher die medizinische Inflation, also technischer Fortschritt und neue Medikamente, die entsprechend höhere Preise erzielen, entscheidend für Kostenanstiege und Prämienanpassungen. Nun kommen jedoch zu den seit Jahren steigenden Gesundheitskosten steigende Herstellungskosten hinzu. In welchem Umfang auch die Löhne beispielsweise in der Pflege in den nächsten Jahren steigen werden, bleibt abzuwarten.

Aufgrund des komplexen Prämienanpassungsverfahrens in der PKV werden sich die inflationsbedingten Kostensteigerungen nach DAV-Prognosen flächendeckend frühestens in den PKV-Beitragsanpassungen für 2024 niederschlagen.

Garantieanforderungen lockern

Bei geförderten Produkten im Bereich der Lebensversicherung (z.B. Riester) wäre es aufgrund des negativen Realzinses im festverzinslichen Bereich umso wichtiger, das starre Korsett der Garantieanforderung zu lockern, um die Breite des Kapitalmarktes ausnutzen und, eine auch für den Kunden attraktive Wertentwicklung erwirtschaften zu können. In der (betrieblichen) Altersversorgung werden durch die hohe Inflation erdiente nominale Ansprüche real entwertet. Die jetzt durch Kaufkraftverlust, Einsparung bei der Altersversorgung und Entwertung der Ansprüche entstehende Versorgungslücke gerade bei den jüngeren Generationen wird erst in 20 bis 30 Jahren in vollem Umfang sichtbar werden.

Damit die Inflation nicht gekommen ist, um auf Dauer zu bleiben, sind maßvolle Tarifabschlüsse in allen Bereichen erforderlich. Damit kann der Teufelskreis einer Lohn-Preisspirale vermieden werden, wohlwissend, dass das für die Verbraucherinnen und Verbraucher eine (hoffentlich kurze) Zeit sinkender Reallöhne bedeutet.