Altersvorsorge: Weichen für mehr Geschäft stellen

Detlef Pohl Berater

Die Reform der Altersvorsorge stockt weiter. Woran das liegt und was dringend getan werden muss, hat der BVK analysiert. Gleichwohl sind Makler weiter sehr aktiv in diesem Marktsegment und offerieren Kunden moderne Produktfeatures.

Altersvorsorge: Weichen für mehr Geschäft stellen" Bild: BVK

Die 100-Prozent-Garantie verhindert den weiteren Aufschwung bei der Riester-Vorsorge, aber keine Partei hält es für nötig, dies gesetzlich zu ändern, kritisiert BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli. Bild: BVK

Der unattraktive Höchstrechnungszins bei klassischen Rentenversicherungen ist im Vertrieb der privaten Altersvorsorge ein Hindernis. Bei der betrieblichen Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) sowie bei der Riester-Rente müssen Versicherer weiterhin eine 100 Prozent Beitragsgarantie darstellen. Daher wird vielfach in der bAV schon die beitragsorientierte Leistungszusage (BoLZ) geboten, während BZML sowie die Riester-Rente aus dem Regal verschwinden.

Die Anbieter privater Altersvorsorge passen ihr Produktspektrum indes weiter an – weg von der alten Klassik hin zu Kapitalisierungsprodukten mit weniger Garantien. Allerdings stockt die Reform der privaten Altersvorsorge, beklagt der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). „Es führt kein Weg an einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge als den über die Riester-Rente vorbei, da das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rente sinkt und die Steuerzuschüsse zur GRV, die heute schon die 100 Milliarden-Euro-Grenze überschreiten, nicht ins Uferlose getrieben werden können“, sagte BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli, kürzlich beim BVK-Pressedialog in Berlin.

Keine Partei will 100-Prozent-Garantie bei Riester streichen

Es sollte nicht vergessen werden, dass bereits über 16 Millionen Menschen über die Riester-Rente vorsorgen, erinnerte er die Politik, die die Riester-Reform weiter verschleppt. Ungewohnt drastisch legte Archangeli den Finger in die Wunde. Die 100-Prozent-Garantie verhindere den weiteren Aufschwung bei der Riester-Vorsorge. Offenbar sei der Politik nicht zu vermitteln, dass die 100-Prozent-Garantie vom Leben überholt ist. „Keine Partei hält es für nötig, dies bei Riester gesetzlich zu ändern“, so Archangeli. Es fehlt die Lobby für die Weiterführung der dringend nötigen Zusatzvorsorge. Seine Vermutung: Ehrlichkeit in Fragen der Altersvorsorge würde die Wiederwahl von Politkern gefährden.

Dabei sei die Reform in vier Punkten relativ schnell umsetzbar und den Verbrauchern gut zu vermitteln:

  • Eine Lockerung der Beitragsgarantie ist erforderlich und durch Gesetzesänderung schnell machbar. Fiele die Beitragsgarantie ganz weg, könnten die Anbieter die Beiträge der Kunden noch chancenreicher anlegen, was die Rendite merklich heben und der Inflation entgegenwirken würde.
  • Das umständliche Zulagenverfahren über die Zentralstelle für Altersvorsorgevermögen muss entbürokratisiert und vereinfacht werden. Auch eine Rückforderung von ehemals gewährten Zulagen muss ausgeschlossen werden.
  • Die Riester-Rente könnte für weitere Berufsgruppen geöffnet werden, etwa für Selbstständige.
  • Die Deckelung der steuerlichen Anerkennung der Höchstfördergrenze sollte angehoben werden, ebenso wie die Deckelung des Schonvermögens von bis zu 202 Euro monatlich für Bezieher staatlicher Leistungen im Alter.

„Gerade Bezieher staatlicher Leistungen befürchten zurecht, dass ihre hart ersparte Altersvorsorge zukünftig auf mögliche Sozialleistungen angerechnet wird“, so Archangeli. Daher setze sich der BVK schon seit Jahren für ein vollumfängliches Schonvermögen ein.

Seite 1: Warum es eine Renaissance der Riester-Rente braucht   
Seite 2: Die Produktfavoriten der Makler bei der privaten Altersvorsorge