Schadenfall der Woche: Kein Geld auf dem Konto = Versicherungsbetrug?

Martin Thaler Panorama

Ein Känguru auf der Straße kann schon mal für einen Schrecken sorgen, der zu einem Unfall führt. Ein australischer Versicherer meldete jedoch Zweifel an - untermauert mit fragwürdigen Beweisen.

Schadenfall Bild: procontra

Eine Beinahkollision mit einem Känguru ließ einen australischen Versicherer hellhörig werden – alles zu Unrecht. Bild: procontra

Wie viele Kängurus es insgesamt in Australien gibt, kann keiner so wirklich sagen. Schätzungen gehen von bis zu 50 Millionen Beuteltieren aus – das wären doppelt so viele Kängurus wie Menschen in Australien. Auch wenn es mittlerweile ein paar weniger sein sollten – dass man mit seinem Auto mit einem der possierlichen Hüpfer kollidiert, ist keine Behauptung, die vollkommen aus der Luft gegriffen wirkt.  

Und dennoch verweigerte der australische Versicherer Suncorp einer Kundin die Begleichung eines Schadens, der – ihr zufolge – durch den Beinahezusammenstoß mit einem Känguru entstanden war. Das berichtet das Fachportal "insurancenews.com.au". Die Frau war im September vergangenen Jahres mit ihrem Ford Kuga gegen einen Leitungsmast gefahren, nachdem sie einem auf der Straße stehenden Känguru ausweichen wollte.  

Ein Gutachter des Vericherers meldete jedoch Zweifel am Unfallhergang an. So sah dieser keine Beweise dafür, dass die Frau ins Schleudern geraten war. Stattdessen sei sie in gerader Linie gegen den Mast gefahren. Auch seien keine Bremsspuren zu finden gewesen. Zudem sei es „im höchsten Maß implausibel“, dass die Frau bei der von ihrer behaupteten Geschwindigkeit überhaupt habe ausweichen können.  

Geldnot als "Beweis"

Der Versicherer verweigerte daraufhin die Begleichung des Schadens und warf der Frau versuchten Versicherungsbetrug vor. Als „Beweis“ brachte Suncorp die düstere finanzielle Situation der Frau vor. Diese sei bankrott und bräuchte dringend Geld, um notwendige Reparaturen an ihrem Auto durchführen zu können. Die Frau habe somit ein finanzielles Motiv gehabt, mit dem Leitungsmast zu kollidieren.  

Die Australian Financial Complaints Authority (AFCA) musste sich schließlich mit dem Streitfall auseinandersetzen. Diese kam zu dem Schluss, dass die Frau zwar die Möglichkeit gehabt habe, einen Autounfall rein aus finanziellen Motiven vorzutäuschen. Dass sie das allerdings getan habe, dafür gebe es nicht ausreichend beweise. Die Tatsache, dass die Frau knapp bei Kasse sei, reiche für den Vorwurf des Versicherungsbetrugs nicht aus. Für die Frau sprach zudem, dass sie bei der Untersuchung des Unfalls mit dem Versicherer kooperiert hatte. Zudem hatte sie keine strafrechtliche Vorgeschichte.  

Die ACFA verurteilte Suncorp folglich, den entstandenen Schaden der Frau zu begleichen.