Schadenfall der Woche: Axa blamiert sich mit fingiertem Tesla-Crashtest

Florian Burghardt Panorama

Ein Crashtest der Axa Schweiz sollte zeigen, welche Brandgefahr in Elektroautos steckt. So wie der explodierte Tesla schossen aber auch das fingierte Szenario und die Kommunikation dazu übers Ziel hinaus.

Bild: procontra

Überschlag, Explosion, Feuer – ein spektakulärer Crashtest der Axa schürte kürzlich Angst vor Elektroautos. Jedoch war der Unfall künstlich herbeigeführt worden und, wie dargeboten, eher unrealistisch. Bild: procontra

Wer hat’s erfunden? Die Schweizer. Diesen eigentlich für Kräuterbonbons entworfenen Werbeslogan dürften Mitarbeiter der Axa Deutschland dieser Tage als Standard-Antwort parat haben. Denn eine Veranstaltung mit Auto-Crashtests der Schweizer Kollegen, durchgeführt in der vergangenen Woche, schlägt mittlerweile auch hierzulande hohe Wellen.

Seit etlichen Jahren veranstaltet die Axa Schweiz einmal jährlich Crashtests mit verschiedenen Fahrzeugen vor Publikum, um die Öffentlichkeit im Rahmen der Erkenntnisse ihrer Unfallforschung und Präventionsarbeit für bestimmte Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren. So auch am 25. August. Im Fokus der diesjährigen Tests standen die speziellen Gefahren von Elektroautos. Um diese zu veranschaulichen, fuhr ein Tesla Model S über eine Rampe, überschlug sich dabei und ging nach dem Aufprall auf dem Boden mitsamt Explosionsknall in Flammen auf. Spektakulär. Man mag sich Elon Musks Gesicht bei der Betrachtung dieser Demonstration vorstellen. Auch Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich ein solches Auto zu kaufen, dürften am vergangenen Donnerstag genau hingeschaut haben.

Dieses Event habe aufzeigen wollen, dass bei einer Beschädigung des Unterbodens unter Umständen auch die Batterie beschädigt werden und ein Brand die Folge sein könnte, heißt es dazu erklärend von der Axa Schweiz. Dabei handle es sich um ein seltenes, aber durchaus realistisches Szenario. Allerdings wäre ein echter Batteriebrand aufgrund der anwesenden Gäste zu gefährlich gewesen, weshalb die Batteriezellen der Elektroautos vor dem Test ausgebaut und die Explosion mit anschließendem Brand durch Pyrotechnik künstlich ausgelöst wurde – das Auto wurde deshalb durch ein vorausfahrendes Zugfahrzeug beschleunigt. Damit rückten die Eidgenossen aber erst an diesem Dienstag und nur auf Nachfrage von Journalisten heraus. Obwohl die Details des fingierten Crashs für das Publikum vor Ort ausführlich vorgetragen worden seien, hatten es diese Informationen zunächst nicht in die verschickten Presseinformationen geschafft.

Sorry

Am heutigen Donnerstag hat die Axa Schweiz eine Entschuldigung veröffentlicht und erklärt, dass das dargebotene Szenario am Unterboden des Autos keine derartigen Schäden verursacht habe, dass ein Batteriebrand wahrscheinlich gewesen wäre, wie es die Bilder suggerierten. „Wir bedauern, wenn wir mit der diesjährigen Ausgabe der Crashtests einen falschen Eindruck vermittelt oder Missverständnisse über Elektromobilität verursacht haben. Wir sind überzeugt, dass der Elektrifizierung eine zentrale Rolle in der Zukunft des Automobilverkehrs zukommt. Deshalb erachten wir es für wichtig, sich vertieft mit Elektromobilität und ihrer Sicherheit zu beschäftigen“, heißt es darin.

Mit dem letzten Satz des Statements hat sich die weltweit agierende Versicherungsgruppe direkt eine neue Aufgabe gestellt: Die stringente Kommunikation allgemeingültiger, verlässlicher Daten. Denn wer sich vertieft mit der Sicherheit von E-Autos beschäftigt, dem fällt auf, dass diese in Deutschland offenbar deutlich größer ist als in der Schweiz. Dort würden die Fahrer von Elektroautos laut Unfallstatistik 50 Prozent mehr Kollisionen mit Schäden am eigenen Fahrzeug verursachen als jene von herkömmlichen Verbrennern. Ein bemerkenswerter Trend, den auch die Axa Deutschland am 25. August als Presseinfo verbreitet hat. Bezogen auf den Verkehr in Deutschland sei allerdings, so heißt es ebenfalls von Seiten der Axa, keine erhöhte Schadenfrequenz durch E-Autos gegenüber Verbrennern erkennbar.