Rentenfonds: „Wir bleiben weiterhin vorsichtig“

Stefan Terliesner Investmentfonds

Immer mehr Anlageprofis tendieren wieder zu Rentenfonds im Portfolio. procontra sprach mit Kunal Kehta, Head of Fixed Income Product Specialism beim Vermögensverwalter Vanguard über steigende Rezessionsrisiken, Leitzinserhöhungen und ungewisse Prognosen.

Kunal Mehta Bild: Vanguard

Kunal Mehta, Head of Fixed Income Product Specialism bei Vanguard Bild: Vanguard

procontra: Die Rezessionsrisiken nehmen zu. Was bedeutet das für Rentenfonds?

Kunal Mehta: Bei festverzinslichen Krediten deutet das steigende Rezessionsrisiko auf höhere Renditen und breitere Spreads hin. Und während jeweils die Leitzinsen der G7-Zentralbanken weiter steigen und die Bilanzen der Zentralbanken in den kommenden Monaten zu schrumpfen beginnen, wird es einen Punkt geben, an dem Kernanleihen anfangen, risikoreiche festverzinsliche Wertpapiere zu unterstützen. Denn sobald sich eine Rezession abzeichnet, werden die Märkte und schließlich auch die Zentralbanken darangehen, die Zinssätze zu senken. Dann steigen die Kurse von umlaufenden Anleihen.

procontra: Das spricht für einen Anleihekauf, kurz bevor der Zinstrend kippt. Andererseits dürften in einer Rezession die Ausfallraten steigen. Wie gehen Sie mit diesem Risiko um?

Mehta: Das Credit-Research-Team von Vanguard deckt über 80 Prozent des globalen Kreditmarktes ab. Durch die Analyse und das Engagement bei den Emittenten können wir das Ausfallrisiko bei Fonds steuern. Unternehmensanleihen unterhalb der Investment-Grade-Kategorie sind ein sehr vielfältiger Marktbereich, in dem eine Wertanalyse aktiven Anlegern helfen kann, die besten Chancen zu erkennen und die gefährlichsten Fallstricke zu vermeiden.

procontra: Die EZB hat weitere Leitzinserhöhungen in Aussicht gestellt. Wie lange wird der Zinserhöhungszyklus andauern?

Mehta: Der Markt geht derzeit von einem Leitzins von 2,5 Prozent aus, der etwa im Sommer 2023 erreicht werden soll. Dem schließen wir uns an.

procontra: Eingangs haben Sie erwähnt, dass die Notenbanken demnächst damit beginnen, ihre aufgeblähten Bilanzen zu verkürzen. Wann erwarten Sie den Beginn dieser Maßnahme?

Mehta: Wahrscheinlich ab Anfang 2023. Der Markt sieht sich also sowohl mit einem Anstieg der Geldkosten als auch mit einer Schrumpfung der Geldmenge konfrontiert.

procontra: Als der Leitzins noch negativ war, mussten Anleger zunehmend zu langfristigen Anleihen mit geringerer Qualität greifen, um überhaupt noch eine positive Rendite zu erwirtschaften. Bekommen Fondsmanager jetzt eine angemessenere Entschädigung für das Risiko?

Mehta: Wegen der ungewissen Prognosen bleiben wir vorsichtig. Angesichts der hohen Volatilität könnte die Auswahl von Wertpapieren zunehmen, die nicht mit unverhältnismäßig hohen Verlustrisiken behaftet sind, sobald die Kurse weiter auseinanderdriften. Beispiel Investment Grade-Unternehmensanleihen: Hier könnten die Risikoaufschläge zwar noch weiter steigen, doch sind die Renditen bereits jetzt attraktiv; Pharmawerte, Versorger, Real Estate Investment Trusts sowie Finanzwerte sind aus unserer Sicht besonders günstig.