PKV-Wechsel: Wenn selbst ein Coaching problematisch ist

Hannah Petersohn Berater Versicherungen Top News

Wer zu einem privaten Krankenversicherer wechseln möchte, sollte besser keine Psychotherapie in Anspruch genommen haben. Fast alle Versicherer lehnen den Antrag automatisch ab. Doch auch Coaching kann zum Problem werden. Lesen Sie hier den vierten Teil unserer neuen Serie

PKV-Wechsel: Wenn selbst ein Coaching problematisch ist Bild: Fizkes

Immer mehr Menschen nehmen ein berufliches Coaching in Anspruch. Doch könnte das für einen künftigen Wechsel in die PKV zum Problem werden. Bild: Fizkes

Private Krankenversicherer sehen zurückliegende psychotherapeutische Behandlung kritisch, sehr kritisch. Die Anbieter stufen private Krankenversicherer oft als hohes Risiko ein und lehnen Neukunden mit Therapieerfahrung automatisch ab. Doch wer dachte, dass ein berufliches Coaching unverfänglich für den Eintritt in die PKV sein müsste, irrt.

Zusammen mit der PKV-Spezialistin Anja Glorius hat procontra Voranfragen für einen Musterkunden, der ein Coaching in Anspruch genommen hat, an 22 Versicherer geschickt. Ist auch ein berufliches Coaching ein Killerkriterium für den Eintritt in die PKV?

Stefan (30), angestellter pharmazeutischer Leiter, 3 Sitzungen berufliches Coaching vor 3 Jahren beim Psychotherapeuten, ausschließlich zur beruflichen Orientierung während des alten Beschäftigungsverhältnisses, ohne Beschwerden

Der Trend zum Coaching ist ungebrochen: In einer Umfrage aus dem Jahr 2021 gaben 91 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass sie selbst oder ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vergangenen fünf Jahren schon einmal an einem betrieblichen Coaching, Training oder E-Learning-Programm teilgenommen haben.

Wer allerdings schon einmal auf eigene Fast ein Coaching gemacht hat, weiß: Die Kosten für die berufliche Beratung sind hoch. Deswegen lassen sich Betroffene hin und wieder eine Diagnose vom Arzt ausstellen, damit die Krankenkasse die teils horrenden Kosten übernimmt. „Dann firmiert das Ganze aber nicht mehr unter ,berufliches Coaching' und das wird dann zum Problem“, so Glorius. Denn in dem Fall müssen sich Antragsteller die Frage gefallen lassen: Bei wem fand das Coaching statt? War es eine psychotherapeutisch ausgebildete Fachkraft, verhält es sich ähnlich wie bei einer herkömmlichen Psychotherapie – die Chancen in die PKV eintreten zu können, sinken.

Dennoch hat Stefan bessere Chancen als die anderen Musterkunden, seine Ablehnungsquote ist deutlich geringer: Von 22 Anbietern haben nur sechs sofort abgewiegelt. Darunter ist auch die Hallesche, die auf Nachfrage jedoch erklärt, die Risikoprüfung in Zukunft möglicherweise anpassen zu wollen. Auch die Axa korrigiert sich: Eine Annahme wäre entgegen der ersten Einschätzung „grundsätzlich ohne Ausschlüsse und Risikozuschläge möglich“.

Die Allianz stimmt einer Annahme zwar zu, fordert allerdings einen Risikozuschlag in Höhe von 19 Prozent. Nur Barmenia und R+V würden Stefan „ohne Erschwernis“ versichern. „Ein berufliches Coaching hat keinen Krankheitswert“, so die Barmenia.

Glorius hebt die Barmenia auch tatsächlich positiv hervor, weil dort noch Fachkräfte die Risikovoranfragen prüfen würden. Bei den meisten Anbietern sieben Computerprogramme die Anfragen durch und generieren Annahme oder Ablehnung. Das führt dann oft zu pauschalen Entscheidungen, die der individuellen Situation nicht unbedingt gerecht werden.

Fazit

Das Fazit des procontra-Tests: Selbst ein Coaching sehen manche Versicherer kritisch, wenn auch deutlich weniger als es bei Psycho- oder Verhaltenstherapie der Fall ist. Makler müssen unbedingt darauf achten, ob die berufliche Beratung bei einem ausgebildeten Psychotherapeuten stattgefunden hat, denn dann ist sie anzeigepflichtig. „Man muss als Makler sehr genau beim Kunden nachfragen. Eine Falschangabe, auch aus Versehen, führt in 90 Prozent der Fälle zu einem Rücktritt des Versicherers“, rät Glorius.

Sollten die privaten Krankenversicherer nicht gerade in Zeiten der stagnierenden Mitgliederzahlen offener mit PKV-Interessenten umgehen, zumal wenn diese „nur“ ein berufliches Coaching absolviert haben? „Der Verlust dieser Kunden ist vermutlich zahlenmäßig so gering, dass es betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll wäre, dieses Risiko einzugehen“, vermutet die Maklerin.

Der Test zeigt Vermittlern allerdings, dass es sich lohnen kann, eine Ablehnung noch einmal zu hinterfragen und auf eine individuellere Prüfung zu pochen. Möglicherweise wird so aus einer Ablehnung eine Prüfung oder am Ende sogar Annahme.