PEPP: Slowakischer Fintech-Broker startet Europarente

Hannah Petersohn Versicherungen

Die Europarente ist seit ihrer Einführung hierzulande kaum ein Thema. Ein Start-up aus der Slowakei hat nun als erstes Unternehmen die Lizenz für den PEPP-Vertrieb erhalten. Ziehen deutsche Unternehmen jetzt nach?

PEPP: Slowakisches Start-up startet Europarente Bild: Marian Vejcik

Hierzulande halten sich Versicherer und Finanzunternehmen noch zurück, in der Slowakei hat nun ein Fintech-Broker den Vorstoß gewagt und bietet ein europäisches Altersvorsorgeprodukt an. Bild: Marian Vejcik

Im März ist der Startschuss für den Pan-European Pension Plan (PEPP) gefallen. Seitdem können Versicherer, Vermögensverwalter und andere Finanzdienstleister die sogenannte Europarente unter die Leute bringen. Damit soll allen Bürgern, die innerhalb der EU leben, ein Altersvorsorgeprodukt angeboten werden, das weder an die Beschäftigung noch den Arbeitsplatz gebunden ist und das bei einem Umzug in einen anderen Mitgliedstaat mitgenommen werden kann.

Bislang ist auf Seite der deutschen Versicherer die Zurückhaltung allerdings groß. Eine Erklärung: Die Vorgaben an die Anbieter seien zu hoch. „Im aktuellen Kapitalmarktumfeld gibt es kein Produkt, dass alle Anforderungen erfüllt“, erklärte im Februrar das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (Ifa). Denn wer kein Produkt mit Garantie anbieten möchte – und das trifft vermutlich auf viele Anbieter zu –, der muss spezielle Risikominderungstechniken anbieten: Dazu gehört, dass sich ein möglicher Verlust unter der 20-Prozent-Marke bewegen muss. Darüber hinaus muss die Wertentwicklung über vier Jahrzehnte mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit über der jährlichen Inflationsrate liegen.

Zu hohe Anforderungen bei zu geringer Nachfrage?

Vor diesem Hintergrund bemängeln deutsche Versicherer, das Produkt könne kaum vor den Folgen der Inflation geschützt werden. Zudem gebe es keine Förderung für die Kunden: „Solange nicht jedes Land das PEPP in seine Förder- und Steuersysteme integriert, wird es auch kein massentaugliches Produkt geben“, bemängelte jüngst Alberto del Pozo, Geschäftsführer des Insurtechs myPension, gegenüber procontra. Darüber hinaus bezweifelt er, dass die Nachfrage überhaupt vorhanden sei, denn „wirklich viele Arbeitnehmer, die den Job innerhalb der EU wechseln werden und ein solches Produkt benötigen, sehe ich nicht“, so del Pozo.

Auch das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (Ifa) schätzt die Chancen für eine umfangreiche Verbreitung als gering ein, weil das Interesse der Versicherer an dem Produkt aufgrund der Garantieforderung marginal bleibe. Der GDV schlug in dieselbe Kerbe und prognostizierte gegenüber procontra: „Wir gehen allenfalls von einer geringen Nachfrage und einem geringen Angebot aus.“ Zur Wahrheit gehört indes auch: Das Produkt ist aufgrund der maximalen Gebühr von einem Prozent des verwalteten Vermögens pro Jahr schlichtweg nicht sonderlich attraktiv für die Versicherer, die Profitabilität sei kaum vorhanden.

Slowakisches Fintech erhält Genehmigung

Ungeachtet der lautstarken Kritik aus der deutschen Versicherungsbranche ist nun ein europäisches Fintech vorgeprescht: Der slowakische Online-Wertpapierhändler Finax hat als erstes europäisches Unternehmen eine Lizenz für PEPP erhalten. Dem Unternehmen, das auch auf dem polnischen, kroatischen, tschechischen und ungarischen Markt aktiv ist, ist es also offenbar gelungen, das Risiko und die potenzielle Wertsteigerung der Kundenersparnisse nachzuweisen – die Voraussetzungen für die Genehmigung zum PEPP-Vertrieb. Das Produkt könnte auch deswegen attraktiv für das Unternehmen sein, weil es sein Geschäft digital über eine Robo-Advisory-Plattform abwickelt.

Das Start-up verwaltet nach eigenen Angaben derzeit 350 Millionen Euro für 40.000 Kunden. „Ab heute sind die Slowaken die ersten in Europa, die ihre Rentenersparnisse durch das neue europäische Rentenprodukt aufstocken können“, erklärt Milan Krajniak, Minister für Arbeit, Soziales und Familie der Slowakischen Republik.

Auch das Berliner Altersvorsorge-Start-Up Vantik hatte angekündigt, ein PEPP-Produkt auf den Markt bringen zu wollen. Vantik-Gründer Til Klein, der zudem Mitglied im Europarente-Expertenrat ist, zeigte sich noch im Frühjahr überzeugt, dass durch flexible Anlagemöglichkeiten, die die Europarente biete, auch mehr Rendite erzielt werden könne. Im Mai allerdings musste das Fintech Insolvenz anmelden, nachdem kein neuer Investor gefunden werden konnte.

Doch möglicherweise warten schon andere Unternehmen auf ihre Chance. „Mit der Europarente kommt die Öffnung der privaten Altersvorsorge für Nicht-Versicherungen, wie z.B. Asset Manager, Robo-Advisor und Neobroker. Die stehen schon in den Startlöchern, um die Innovationslücke zu füllen, welche die Versicherungsbranche offenlässt“, prognostizierte im März Til Klein in einem procontra-Gastbeitrag.