Leben im Alter: Deutsche wollen ambulante Pflege statt Heim

Hannah Petersohn Berater

Viele Deutsche wollen auf eine umfassende medizinische Versorgung im Alter nicht verzichten. Und ziehen eine häusliche Pflege dem Pflegeheim vor. Doch beides ist im Zweifel mit erheblichen Kosten verbunden.

Leben im Alter: Deutsche wollen ambulante Pflege statt Heim Bild: sturti

Deutschen wollen im Alter am wenigsten auf eine umfassende medizinische Versorgung verzichten und ziehen die ambulante Pflege einem Heim vor. Bild: sturti

Leben wir in einer überalterten Gesellschaft? Das zumindest zeigt ein Blick auf die Zahlen: Der Anteil der Personen, die 67 Jahre und älter sind, ist seit 1970 von elf auf 20 Prozent gestiegen. Gleichzeitig nimmt auch die Lebenserwartung kontinuierlich zu. Grund genug also, den Blick auf das Thema zu richten und zu fragen: Wie schätzen die Deutschen ihr Leben und ihre finanzielle Situation im Alter ein? Die Ergebnisse einer Ergo-Umfrage, die der Psychologe Gerd Gigerenzer analysiert hat, geben Aufschluss.

Demnach beschäftigt der Gedanke um das liebe Geld viele Befragte, zumal die Sorgen ums Finanzielle mit dem Alter zunehmen: Während sich 34 Prozent der 18- bis 30-Jährigen keine finanziellen Sorgen machen, sind es bei den über 50-Jährigen nur noch 28 Prozent. Immerhin schränken sich auch doppelt so viele (34 Prozent) von ihnen im Alter ein, als es junge Menschen vorhaben (17 Prozent). Und die Sorgen um die zukünftige Rente sind nicht unberechtigt: Aktuell kommen auf einen Rentner noch drei einzahlende Erwerbstätige. Berechnungen des Statistischen Bundesamts zufolge sind es im Jahr 2040 nur noch zwei Erwerbstätige, die eine Rente finanzieren.

Weit verbreitet: Angst vor Altersarmut

Die Angst vor Altersarmut ist entsprechend hoch und rangiert nach der Sorge um Krankheit (64 Prozent) auf dem zweiten Platz mit 41 Prozent Zustimmung. Während nur gut ein Drittel der Männer (36 Prozent) das Thema plagt, sind es bei den Frauen 46 Prozent.

Bei jenen, die sich finanziell bereits heute einschränken müssen, sind es sogar 64 Prozent. Mit steigendem Haushaltseinkommen, sinkt hingegen die Angst. Daneben prägt auch das Bildungsniveau die Sicht auf die finanzielle Zukunft. Je höher der Bildungsgrad, desto größer die Zuversicht.

Neben dem Geschlecht, Bildungsniveau und Einkommen ist auch die Region entscheidend darüber, wie sehr Altersarmut als künftiges Problem angesehen wird: In Mecklenburg-Vorpommern (51 Prozent), Berlin und Bremen (beide 49 Prozent) fürchten die meisten die Verarmung im Alter, während die altersbezogenen Armutsängste in Bayern am niedrigsten sind (33 Prozent).

Deutschen überschätzen Rentenhöhe

Trotz der weitverbreiteten Sorge um den späteren Lebensstandard, legt nur die Hälfte der Befragten monatlich etwas auf die hohe Kante: im Durchschnitt stellen die Deutschen 271 Euro für die private Altersvorsorge zurück. Das sind 15 Prozent mehr als noch vor vier Jahren (2018: 230 Euro).

Zudem ist der Anteil jener, die keine finanziellen Rücklage bilden können, um vier Prozentpunkte zurückgegangen (2022: 15 Prozent, 2019: 19 Prozent). Allerdings würde gerne ein Drittel der Befragten (32 Prozent) mehr sparen, kann sich dies aber nicht leisten. Doch der Vorsatz, mehr fürs Alter an die Seite zu legen, ist durchaus vorhanden: 18 Prozent möchten künftig mehr für ihre Altersvorsorge tun als bisher.

Befragt danach, wie hoch die Rente tatsächlich ausfallen wird, zeigen sich große Unsicherheiten: Männer schätzen ihre Rentenhöhe auf 1.581 Euro, während sie tatsächlich bei 1.210 Euro liegt. Frauen schätzen, dass sie 1.171 Euro nach Renteneintritt erhalten, allerdings liegen auch sie damit nicht ganz richtig. „Besonders problematisch ist die Situation für Frauen in den alten Bundesländern mit 730 Euro (neue Bundesländer: 1.075 Euro)“, so die Studienautoren. Indessen glaubt die große Mehrheit der Deutschen (61 Prozent), dass das Rentenniveau in den nächsten zehn Jahren weiter sinken wird. Was aber vielen nicht klar sein mag: 2018 haben das sogar 72 Prozent der Befragten geglaubt.

Beratungsaufhänger für Finanzberater und Versicherungsvermittler

Gleichwohl gerade viele Frauen fürchten, im Alter finanziell abzurutschen, investiert lediglich ein Viertel von ihnen ihr Geld in Aktien oder Fonds. Bei den Männern sind es immerhin 43 Prozent. Dabei sollten gerade Frauen ihr Geld rentabel anlegen und vermehren, schließlich haben doppelt so viele Frauen wie Männer ein niedriges Einkommen und eine entsprechend geringere Rente. Hier liegt erhebliches Beratungspotenzial, das Finanzanlageberater unbedingt in den Blick nehmen sollten.

Doch auch Versicherungsvermittler sind bei dem Thema gefragt, denn am wenigsten wollen die Deutschen auf eine umfassende medizinische Versorgung verzichten. Doch werden diverse Behandlungen nicht von den Krankenkassen übernommen. Hier kommen Zusatzversicherungen ins Spiel.

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die meisten Deutschen, sollten sie sich im Alter nicht mehr selbstständig versorgen können, einen häuslichen Pflegedienst (32 Prozent) dem Pflegeheim (7 Prozent) vorziehen würden, kann eine Zusatzpolice sinnvoll und ein Aufhänger fürs Beratungsgespräch sein. Denn auch, wenn der Großteil der ambulanten Pflegeleistungen durch die Pflege-und Krankenkasse übernommen wird, bleibt im Zweifel ein Eigenanteil, den Betroffene selbst stemmen müssen.