Immobilienfinanzierung: Diese Fördertöpfe gibt es (noch)

Sachwerte Berater Top News Meistgeklickt von Imke Reiher

Wer baut, kann diverse Fördergelder und Zuschüsse beantragen. Doch das Angebot ist unübersichtlich und ändert sich laufend. Eine gute Finanzberatung hilft Bauherren, das Optimum für sich herauszuholen.

Fördertöpfe Bild: cmannphoto

Bauherren können auf zahlreiche Fördertöpfe zugreifen – doch es ist schwierig, den Überblick zu behalten. Bild: cmannphoto

400.000 neue Wohnungen pro Jahr: So lautet das Ziel der Bundesregierung. Davon ist sie im Moment noch weit entfernt. Auch private Bau-Interessenten müssen sich zusehends von ihren Immobilienplänen verabschieden, nachdem sich die Bauzinsen auf Jahressicht mehr als verdreifacht haben. Dazu kommt die hohe Inflation, steigende Kosten für Baumaterial und Energie, Lieferengpässe sowie ein Mangel an Handwerkern.

Das macht Fördermittel umso wichtiger, die Bund, Länder und Kommunen zur Verfügung stellen. Das Problem: Das Angebot an Krediten, Zuschüssen und Zulagen ist unübersichtlich und ändert sich mitunter kurzfristig. So hat die Regierung im Juli die Fördermittel für energieeffiziente Neubauten massiv gekürzt und die Förderung weitgehend auf zinsverbilligte Kredite umgestellt, während Zuschuss-Varianten ins Hintertreffen geraten.

Zudem wurden die Anforderungen bei der Neubau-Förderung erhöht. Künftig ist diese an den Standard ‚Energiehaus 40‘ geknüpft – den ambitioniertesten von allen – sowie an ein Zertifikat, das diesen bestätigt. „Statt die Neubauwirtschaft mit öffentlichen Mitteln anzukurbeln, wurde sie noch mehr eingedampft“, sagt Carsten Zimmermann, Vorstandsvorsitzender beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V. (GdW).

Berater: Mögliche Zuschüsse ausloten

Da es keine Übersicht über sämtliche Förderprogramme für Bauwillige gibt, ist eine gute Beratung essenziell, um sich im Fördermittel-Dschungel zurechtzufinden. Zudem kann ein Berater die richtige Kombination von Bank- und Förderdarlehen sowie auch Stolperfallen aufzeigen.

Ein Beispiel: „Es besteht die Gefahr, dass Fördergelder beantragt, aber nicht ausbezahlt werden und Bauherren eine Nachfinanzierung zu deutlich schlechteren Konditionen stemmen müssen“, weiß Frank Klein, Baufinanzierungsexperte bei Dr. Klein in Siegen. Auch deswegen ist es ratsam, die Baufinanzierung auf mehrere Säulen zu stellen und unterschiedliche Kreditlaufzeiten zu wählen, um flexibler zu bleiben. Wichtig zu wissen: ein Rechtsanspruch auf Fördermittel besteht nicht.

Staatliche Zuschüsse von KfW, Bafa und Co.

Auf Bundesebene sind die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die zwei wichtigsten Adressen für Fördermittel beim Hausbau. Während die KfW zinsgünstige Kredite für ‚größere‘ Aktionen vergibt, unterstützt das BAFA energieeffiziente Einzelmaßnahmen. Allerdings kommen für Bauwillige seit der jüngsten Rotstift-Aktion nur noch wenige Förderprogramme für Neubau infrage. Dazu zählen das Wohneigentumsprogramm der KfW (124) und einige Förderungen des BAFA. Allerdings sollte man letztere besser nicht in die direkte Finanzierung einbinden, weil es mitunter länger dauert, bis die Gelder ausbezahlt werden, rät Bauexperte Klein: „Besser ist es, die Förderung abzurufen und als Sondertilgung miteinfließen zu lassen.“  

Weitere staatliche Unterstützungsmöglichkeiten sind zudem über Bausparverträge (Wohnungsbauprämie, VL-Leistungen, Arbeitnehmersparzulage), Wohn-Riester und das Baukindergeld möglich. Sämtliche Zulagen sind an bestimmte Voraussetzungen gekoppelt, wie etwa Einkommensgrenzen. Die Baukindergeld-Förderung läuft zudem zum 31. Dezember 2023 aus.

Regionale Förderprogramme im Blick

Neben den staatlichen Programmen sollten Berater auch die regionale Bauförderung im Blick haben, um Finanzierungslücken zu verkleinern. „Die regionale Förderung wird wichtiger, aber ist noch nicht so bekannt“, sagt Klein. Hier lässt sich ein potenzieller Mehrwert gegenüber der Konkurrenz schaffen, weil man dem Kunden mehr Möglichkeiten zeigt, finanzielle Zuschüsse für den Hausbau zu bekommen.

So gibt es beispielsweise das sogenannte Einheimischen-Modell, bei dem eine Kommune vergünstigte Grundstücke vergibt. Die Fördervoraussetzungen variieren bei den einzelnen Städten und Gemeinden. Meist müssen die Antragsteller aber schon fünf Jahre vor Ort leben. Eine Übersicht über zahlreiche Fördermittel von Städten und Gemeinden für den Erwerb von Wohneigentum bietet das Online-Portal ‚Aktion Pro Eigenheim‘, auf dem sich auch Berater kundig machen können.

Förderanträge frühzeitig stellen

In jedem Fall sollten Berater ihre Kunden darauf hinweisen, dass sie viele Fördermittel VOR Beginn einer Maßnahme beantragen müssen und die Bestätigung abwarten sollten. Wenn bereits ein Liefer-, Leistungs- oder Kaufvertrag besteht, ist die Förderung passé. Um Planungsfehler zu vermeiden und Fristen einzuhalten, sind Berater für Energieeffizienz eine gute Adresse, deren Einbinden mitunter sogar Voraussetzung für eine Förderung ist – und ebenfalls bezuschusst wird. Für 2023 hat die Regierung eine Reform bei der Neubauförderung angekündigt. Das Thema bleibt also im Fluss.