Fördermittel für Bauherren: „Bedingungen und Fallstricke erschweren die Beantragung“

Sachwerte von Imke Reiher

Fördermittel helfen Bauwilligen bei der Realisierung ihrer Vorhaben. Doch die Förderlandschaft ist komplex und ständig Veränderungen unterworfen. Wie Finanzberater das Thema platzieren können, erläutert Marcus Schad, Geschäftsführer des Sozialwissenschaftlichen Instituts Schad, im procontra-Interview.

Marcus Schad Bild: Privat

Die Aufgabe des Beraters ist es, das beste Gesamtpaket zu schnüren, sagt Marcus Schad, Geschäftsführer des Sozialwissenschaftlichen Instituts Schad Bild: Privat

procontra: Was sind die zentralen Ergebnisse der SWI Finance-Studie? 

Marcus Schad: Insgesamt drei. Erstens, gehen zwei Drittel der Befragten davon aus, sich keine Immobilie leisten zu können. Selbst in der Einkommensgruppe ab 6.000 Euro Netto-Haushaltseinkommen ist es fast ein Viertel. Zweitens haben Immobilien-Interessenten in den letzten Jahren hauptsächlich das Eigenkapital erhöht, um die monatliche Rate im Rahmen zu halten, wobei Schenkungen und Erbschaften eine zunehmende Rolle spielen. Doch bei gleichzeitig hohen Preisen und hohen Zinsen funktioniert das oft nicht mehr. Das führt drittens zu einer sinkenden Nachfrage nach Immobilien, die von steigenden Preisen für Baumaterial, dessen Knappheit und einem Fachkräftemangel noch befeuert wird.  

procontra: Welche Fördergelder und Zuschüsse sind für Bauwillige noch möglich?

Schad: Es gibt eine unübersichtliche Landschaft von Förderungen und es muss individuell geschaut werden, was passt. Besonders wichtig sind die Kredite und Förderungen der staatlichen KfW. Sie sind oft abhängig davon, wie energiesparend der Bau oder die Sanierung der Immobilie ist. Wenn regenerative Energie ins Spiel kommt, kommt zusätzlich die BAFA-Förderung hinzu. Zudem gibt es auf regionaler Ebene Förderungen und auch die Altersvorsorge kann ein Baustein sein, in Form von Wohn-Riester. Die staatliche Förderung ist für selbstgenutztes Wohneigentum möglich.  

procontra: Wie können Finanzberater das Thema ‚Fördermittel für Bauwillige‘ anbringen?

Schad: Die Aufgabe der Berater ist es, für den Kunden das beste Gesamtpaket zu schnüren und dabei Zuschüsse und Förderungen miteinzubeziehen. Dies sollte dem Kunden aktiv als Mehrwert in den Gesprächen kommuniziert werden. Die Zusammenarbeit mit einem Energieberater kann in der Finanzierungsberatung eine weitere Möglichkeit sein, sich zu profilieren. Unsere Studie hat gezeigt, dass eine persönliche Beratung den Interessenten weiter wichtig bleibt, zumal die Baufinanzierung ein komplexes Produkt ist.  

procontra: Woran hakt es und was sollte sich Ihrer Meinung nach ändern?

Schad: Das Feld an Zuschüssen und Förderungen ist sehr weit. Umfangreiche Bedingungen und Fallstricke führen dazu, dass es oft nur mit Fachleuten möglich ist, die Beantragung vorzunehmen. Im Fall von Energieberatern etwa, kann der nächste Termin jedoch weit in der Zukunft liegen. Hier ist eine Vereinfachung der Auswahl und der Beantragungs-Prozesse anzustreben.  

procontra: Welchen Rat würden Sie der Regierung geben, die mehr Neubauwohnungen anstrebt?

Schad: Bei Investoren und Wohnungsbaugesellschaften haben sich die ausgesetzten Förderungen negativ ausgewirkt. Hier ist Verunsicherung geschaffen worden. Die gestoppten Projekte lassen sich angesichts gestiegener Kosten und geänderter Vorgaben auch nicht einfach wiederaufnehmen. Sollen die Neubauziele nicht abgeschrieben werden, ist eine verlässliche Förderung notwendig. Bei den privaten Bauherren liegen die Herausforderungen ähnlich. Den Punkt Grunderwerbsteuer hat die Regierung seit Anfang 2022 ja schon mal auf der Agenda.