Finanzminister Lindner: „Die Vertriebskosten müssen reduziert werden“

Hannah Petersohn Versicherungen

Die Inflation lässt die Versicherungsprämien in die Höhe schnellen. Ein Thema, das die Versicherungswirtschaft, Verbraucherschützer und Politik gleichermaßen auf der Agenda haben. Eine konkrete Lösung bleiben sie indes schuldig

Finanzminister Lindner: „Die Vertriebskosten müssen reduziert werden Bild: Omer Messinger / Freier Fotograf

Finanzminister Christian Lindner, FDP, nimmt die Vertriebskosten ins Visier: Diese müssten reduziert werden, forderte Lindner auf dem Versicherungstag. Bild: Omer Messinger / Freier Fotograf

Angesichts der Inflation werden die Versicherungsprämien steigen, zum Teil um 15 Prozent. Ein Thema, das die Versicherungswirtschaft beschäftigt. „Eine solche Steigerung gab es noch nie“, sagte BVK-Verbandsvize Andreas Vollmer am Vorabend des GDV-Versicherungstages während eines Pressgesprächs.

Das befeuert auf Seite der Kunden, Verbraucherschützer und Aufsichtsbehörde BaFin die Frage, wie es um die Kosten-Nutzen-Rechnung bestellt ist. Vertreter müssten ihren Kunden nun die steigenden Beiträge erklären, erklärt der BVK-Mann. Doch das genügt der BaFin nicht. Die Finanzaufsichtsbehörde brachte unlängst einen Provisionsrichtwert ins Spiel. Den allerdings lehnen Branchenvertreter wie der BVK naturgemäß ab, sie monieren vielmehr den Eifer der BaFin.

„Wer glaubt, es wird weniger mit Regulationen, den muss ich enttäuschen“, beharrte indessen BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund auf dem Versicherungstag am Donnerstag. „Die erhöhten Kosten müssen dem Mehrwert entsprechen“, forderte er. Ob das tatsächlich der Fall sei, müsse noch geprüft werden. Neben der zunehmenden Regulierung der Versicherungsbranche werde auch das Thema Verbraucherschutz noch stärker in den Fokus rücken und damit eben auch die Frage nach den Versicherungsbeiträgen, so Grund. Angesichts der höheren Schadensummen durch Naturkatastrophen und Cyberangriffe hoffe er, dass die Branche zu „risikogerechten Prämien“ versichern werde.

Vertriebskosten im Visier

Auch der neu gewählte GDV-Präsident Norbert Rollinger sprach in seiner Antrittsrede von „risikogerechten Prämien“. Finanzminister Christian Lindner, FDP, warnte zwar, dass bei der Regulatorik „Vernunft und Augenmaß“ erforderlich seien. Allerdings nimmt auch er die Vertriebskosten ins Visier: Diese müssen demnach reduziert werden, so Lindner auf dem Versicherungstag. Damit redet sowohl die Versicherungswirtschaft wie auch die Politik unisono dem Verbraucherschutz zu Mund. Ramona Pop, seit zehn Wochen im Amt als Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, erklärte auf der gleichen Veranstaltung: „Wenn die Vertriebswege günstiger werden, sollten auch die Produkte für die Verbraucher günstiger werden.“ Produkte, die die Verbraucherschützer „guten Herzens empfehlen können“, seien notwendig.

Wie allerdings dieses offenbar gemeinsame Ziel umgesetzt wird, darüber herrscht eher Zurückhaltung. Der oberste BaFin-Versicherungsaufseher Frank Grund erklärte, die Behörde werde die Politik bei der Aufstellung neuer Regeln beratend begleiten. Zumal die BaFin die Vertriebskosten in der Lebensversicherung einer Untersuchung unterzogen habe. Dazu sei „eine Veröffentlichung, keine Regulierung“ geplant, so Grund.