Deutliche Prämienaufschläge für Kfz- und Wohngebäudeversicherung erwartet

Martin Thaler Versicherungen

Vor allem die Inflation lässt die großen Rückversicherer nach höheren Rückversicherungsprämien rufen. Auch für Privatkunden dürfte Versicherungsschutz künftig teurer werden – in der Wohngebäudeversicherung wohl um mehr als 15 Prozent.

Monte Carlo Bild: Garsya

In Monte Carlo diskutieren bis Mittwoch noch Vertreter von Rückversicherern und Erstversicherern über Markt- und Preisentwicklungen. Bild: Garsya

Die Hannover Rück, nach der Munich Re und der Swiss Re der weltweit größte Rückversicherer, geht von steigenden Preisen in der Schaden- und Unfallversicherung aus. „Die Inflationsraten sind in vielen Regionen so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Zusammen mit dem Krieg in der Ukraine und der nach wie vor nicht besiegten Pandemie befeuert dies den langjährigen Trend zu immer höheren Belastungen für Erst- und Rückversicherer“, sagte Jean-Jacques Henchoz, der Vorstandsvorsitzende der Hannover Rück. „In der Schaden-Rückversicherung sind weitere risikoadjustierte Ratenerhöhungen deshalb unvermeidbar." Henchoz geht entsprechend von höheren Prämien für Rückversicherungsschutz aus, wenn die Verträge mit den Erstversicherern erhöht werden – dies gelte auch für die Bereiche, die zuletzt nicht von hohen Schäden betroffen waren.  

Inflation verteuert die Schäden

In ein ähnliches Horn hatte zuvor auch die Munich Re gestoßen. „Unser Prämienvolumen wird wachsen, allein schon wegen der Inflation“, wird Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek von der Nachrichtenagentur dpa zitiert. Schließlich verteuern sich durch die Inflation auch die Schäden, die durch die Versicherer beglichen werden müssen.  

Auch bei der Swiss Re, der Nummer zwei der Branche, geht man von steigenden Prämien aus. Grund dafür seien neben der Inflation auch die Auswirkungen der weiter bestehenden Covid-19-Pandemie, die steigenden Schäden aus Naturkatastrophen, geopolitische Spannungen und das steigende Rezessionsrisiko. Ebenfalls seien Energiepreisschocks, Cyber-Bedrohungen sowie Lieferkettenprobleme für die Versicherer eine Herausforderung.  

„Da wir im aktuellen dynamischen Risikoumfeld eine Zunahme der Kostentreiber sehen, müssen die Versicherungsprämien sorgfältig kalibriert werden, um damit Schritt zu halten“, so Moses Ojeisekhoba, Chief Executive Officer Reinsurance von Swiss Re.  

Die steigenden Rückversicherungsprämien werden sich letztlich auch auf die Endkunden auswirken. Laut Michael Pickel, Vorstandsmitglied der Hannover Rück, müssten die Preise in der Kfz-Versicherung 2023 um zehn Prozent steigen, nur um die Kosten für die Inflation zu decken. Für die Wohngebäudeversicherung geht Pickel sogar von einem Anstieg von gut 15 Prozent aus, wie das Handelsblatt berichtet. Grund seien die stark gestiegenen Baukosten sowie Immobilienwerte.