BVK: Provisionsrichtwert ist Unsinn

Detlef Pohl Berater Top News

Um Vergütungskürzungen für LV-Policen abzuwenden, setzt der BVK im politischen Berlin einzig auf die FDP. Einen Provisionsrichtwert, den die BaFin ins Spiel bringt, lehnt der Verband strikt ab. Stattdessen will er die Maklerschaft stärken.

Um die Ausreißer zu sanktionieren, braucht es keine neuen Regeln und Richtwerte, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz. Bild: Pohl

Um die Ausreißer zu sanktionieren, braucht es keine neuen Regeln und Richtwerte, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz. Bild: Pohl

Offenbar hält die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) an der Einführung sogenannter Provisionsrichtwerte bei Lebensversicherungen fest. „Das ist ordnungspolitisch fragwürdig und angesichts der üblichen Provisionshöhen völlig unangemessen“, sagte Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), am Mittwoch während eines Pressegesprächs in Berlin.

Mehrfach zeigte sich der Verband schon in der Vergangenheit erstaunt, dass die BaFin wie ein Gesetzgeber einen Provisionsrichtwert in der Lebensversicherung ins Spiel bringt. Eingriffe in die Vergütungen der Versicherungsvermittler sieht der Verband generell kritisch.

Keine weit verbreiteten Fehlanreize bekannt

Dem BVK lägen keine Anhaltspunkte für weit verbreitete Fehlanreize und gesetzeswidrige Interessenkonflikte beim Vertrieb von Lebensversicherungen vor. Der Verband hält generell Eingriffe in die Vergütungen der Vermittler kritisch. „Zurecht hatte der Gesetzgeber schon in der letzten Legislaturperiode keinen Provisionsdeckel eingeführt“, erinnerte Heinz. Umso mehr sei der BVK über die Pläne der BaFin erstaunt und irritiert.

Zwar wolle die BaFin nur diejenigen maßregeln, die überhöhte Vergütungsstrukturen haben – „davon werden die BVK-Mitglieder als ehrbare Versicherungskaufleute nicht betroffen sein“, ist Heinz sicher. Doch die Stoßrichtung sei Unsinn. „Es gibt zwar Ausreißer bei den Provisionen, aber deren Namen sind den Entscheidern bekannt“, so Heinz weiter, ohne Namen zu nennen. „In diesem Kontext problematisch sehen wir die Usancen von Strukturvertrieben“, kritisiert der BVK-Präsident.

BaFin könnte Ärger mit Zusatzvergütungen sofort unterbinden

Der Verband setze sich gegenüber den Versicherern schon länger dafür ein, qualitative Beratungs- und Vermittlungsleistungen stärker zu berücksichtigen. Schließlich sollten Vergütungsmodelle nicht nur kurzfristigen Erfolg honorieren, sondern eine qualitativ hohe Beratung und Betreuung von Kunden. Auch sollten Zusatzvergütungen nicht allein an quantitative Ziele geknüpft werden. „Es geht um einheitliche Spielregeln und nachhaltige Qualität“, so Heinz.

„Um die Ausreißer zu sanktionieren, braucht es keine neuen Regeln und Richtwerte“, sagte Heinz auf Nachfrage von procontra. Ordnungspolitisch reiche es, wenn die BaFin nach Paragraf 48a VAG die Vertriebsvergütungen der Versicherer bewertet und darauf hinwirkt, dass deren Vertriebe im bestmöglichen Interesse des Kunden handeln. Ohne auch hier Namen zu nennen, ist allgemein bekannt, dass beispielsweise die Generali durch Auflage von eigenen Spezialfonds es ermöglicht hat, der DVAG als Exklusivvertrieb Kickbacks bei Fondspolicen zu zahlen. Dies beobachtet die BaFin mit Missfallen.

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