BU-Versicherung: Anträge ignorieren Corona-Erkrankung

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Die Pandemie hat noch keine flächendeckenden Änderungen der Bedingungen von Personenversicherungen gebracht. So wird in den Anträgen auf Versicherungsschutz zur BU-Versicherung meist nicht einmal nach einer Corona-Infektion gefragt. Das verwundert.

Die verschiedenen Virus-Varianten erschweren den Coronaschutz trotz Impfung. Bei Lungenschäden und Long Covid könnten BU-Versicherer gefordert sein. Bild: CROCOTHERY

Die verschiedenen Virus-Varianten erschweren den Coronaschutz trotz Impfung. Bei Lungenschäden und Long Covid könnten BU-Versicherer gefordert sein. Bild: CROCOTHERY

„Anders als mancherorts behauptet, ist eine Coronaerkrankung per se kein Ablehnungsgrund für eine PKV- oder BU-Versicherung. Sie muss aber wie alle Vorerkrankungen im Antragsprozess angegeben werden und kann gegebenenfalls zu Prämienaufschlägen oder Leistungsausschlüssen führen“, sagt Herbert Schneidemann, Vorstandschef der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Schneidemann, im Hauptberuf Vorstandschef der Bayerischen, beruft sich dabei auf seine Marktbeobachtung.

Bestätigt wird der Vorstandschef von einer Umfrage unter den rund 20 größten Anbietern der BU- Versicherung – bezogen auf die Bestandsstückzahl laut Morgen & Morgen. Das Ergebnis, publiziert im VersicherungsJournal Extrablatt 3/22: Die Mehrheit hat weder eine spezielle Antragsfrage nach einer Sars-CoV-2-Infektion formuliert, noch ihre Beispiellisten erweitert – und plant das auch nicht.

Bei Gesundheitsfragen wird kaum nach Covid-19 gefragt

Lediglich vier Gesellschaften haben Covid-19 in die Beispielliste möglicher Erkrankungen der letzten drei beziehungsweise fünf Jahre aufgenommen, nach denen im Antrag gefragt wird: Allianz, Bayern-Versicherung, Gothaer und Württembergische.

Gleichwohl erwarten fast alle Gesellschaften, dass der Kunde oder sein Vermittler eine Covid-19-Erkrankung bei den bestehenden Fragen zu Infektionskrankheiten und/oder der Inanspruchnahme medizinischer Dienste angeben. Eine Covid-Erkrankung müsste im Rahmen der üblichen Antragsfragen angegeben werden, antwortete beispielsweise die HUK-Coburg in der Umfrage.

Positiver Test nicht anzeigepflichtig?

Für die Debeka ist dagegen laut Umfrage das „reine Vorliegen eines positiven Testergebnisses nicht unmittelbar anzeigepflichtig, da sich auch noch keine Risikorelevanz ergibt“. Anzeigepflichtig wäre für sie eine ärztliche Konsultation im Zusammenhang mit der Infektion oder die Durchführung des Tests durch einen Arzt oder „anderen“ Therapeuten. Der HDI wiederum betont, dass eine Corona-Infektion per se kein Grund für Risikoaufschläge sei. Ohnehin gebe es keine allgemeinen Ausschlüsse von Viruserkrankungen im Rahmen der BU-Versicherung.

Nach einer Post- oder Long-Covid-Erkrankung wird von den meisten Versicherern nur indirekt gefragt. Wer eine Infektion bejaht, muss im Weiteren Diagnosen, Behandlungen und, wenn möglich, den „Stand der folgenlosen Ausheilung“ angeben. Einige Versicherer haben dafür Zusatzfragebögen. Zu den Folgen für den Antrag wird in der Umfrage meist auf die „individuelle Risikoprüfung“ verwiesen. „Die Erkrankung muss ausgeheilt sein, bevor Versicherungsschutz angeboten werden kann“, heißt es bei der Generali.

Antrag auf BU-Versicherung bei Long Covid zurückgestellt

Üblich scheint bei schweren Verläufen oder bei bestehenden Folgen die Rückstellung des Antrags auf Versicherungsschutz um sechs Monate zu sein, heißt es im Extrablatt, das auch Beispiele nennt. Die Nürnberger stellt nicht-milde Verläufe „meist drei bis zwölf Monate“ zurück. Auch Versicherungskammer Bayern und Alte Leipziger nennen für derartige Krankheitsverläufe Fristen von bis zu zwölf Monaten. Ablehnungen sind danach bei allen Anbietern möglich, ebenso wie Risikozuschläge.

„Welche Effekte die Corona-Pandemie auf die Berufsunfähigkeit hat, wird sich erst langfristig zeigen“, sagt Jürgen Bierbaum, Chef der Alten Leipziger. Er rechnet durchaus mit Effekten, sei es durch Long Covid, aufgeschobene Krebs-Behandlungen oder Veränderungen der Arbeitswelt. Bis Mitte Februar 2022 führte die Alte Leipziger 20 der rund 3.500 seit Beginn der Pandemie aufgetretenen neuen BU-Fälle auf Covid-19 zurück. In acht Fällen sei die Infektion eine Teilursache, in zwölf Fällen alleiniger Grund für die BU.

Worauf Makler im Antragsprozess achten sollten

Makler sind gut beraten, Kunden bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen verantwortungsbewusst zu unterstützen. Dazu gehört auch unbedingt, beim Ausfüllen des Antrags auf BU-Versicherung in den Gesundheitsangaben eine Corona-Infektion nicht zu verschweigen. Am besten sei es, den Gesundheitsstatus des potenziellen Kunden schon vor Antragstellung zu analysieren, rät Oliver Mest, Geschäftsführer der Optimal absichern GmbH. Auch beim Antrag auf BU-Leistung ist Maklers Hilfe sinnvoll, „nicht nur bei Schädigung der Lunge durch Covid-19“, sagt Makler Frank Dietrich aus Potsdam.

Bei der Auswahl des passenden BU-Versicherers sollten Makler auch die Leistungsquoten der Anbieter im Blick haben. Die höchsten Leistungsquoten in der BU-Versicherung, verbunden mit hoher Professionalität und ausgezeichnetem Rating-Ergebnis bei Morgen & Morgen, haben laut Extrablatt:

  • Allianz: 84,76 Prozent der Anträge auf BU-Leistung werden positiv beschieden,
  • Württembergische: 84,62 Prozent,
  • HDI: 84,52 Prozent,
  • Debeka: 82,90 Prozent,
  • Axa und DBV: 82,85 Prozent,
  • LV 1871: 82,75 Prozent,
  • HUK-Coburg und HUK24: 82,55 Prozent,
  • Volkswohl Bund: 81,85 Prozent,
  • Münchener Verein: 81,06 Prozent.