Betrüger kopieren Netfonds-Homepage

Martin Thaler Berater Panorama Highlights 2022

Täuschend nah am Original – Betrüger kopierten jüngst die Website der Hamburger Netfonds AG. Das Ziel der Cyber-Kriminellen: Kunden zu Aktienkäufen animieren. Wie der Betrug ans Licht kam.

Identitätsdiebstahl Bild: SIphotography

Betrüger gaben sich als Netfonds aus, um unwissende Kunden um ihr Geld zu bringen. Bild: SIphotography

Identitätsdiebstahl ist bei Cyber-Kriminellen eine beliebte Masche. Eine Version geht so: Die Betrüger suchen sich ein bekanntes Unternehmen und bieten unter einer leicht abgewandelten Internetadresse ähnliche Dienstleistungen wie das Original-Unternehmen an.  

Über einen entsprechenden Fall informierte in der vergangenen Woche die Finanzaufsicht BaFin. Opfer der Identitätsräuber war in diesem Fall die Hamburger Netfonds AG, zu der auch der laut aktueller Rangliste des Magazins „Cash“ der drittgrößte deutsche Maklerpool gehört (gemessen nach Provisionserlösen).  

Unternehmensseite nachgebaut

So informierte die BaFin über die mittlerweile nicht mehr zu findende Webseite www.nfsnetfonds.de, die bis auf einen fehlenden Bindestrich sehr nah an der Original-Seite www.nfs-netfonds.de gehalten ist. Auf der falschen Seite boten deren Betreiber ebenfalls Bankgeschäfte sowie weitere Finanzdienstleistungen an. Eine entsprechende Erlaubnis hierfür hatten sie nicht – auch wenn sie auf ihrer Seite entsprechende Behauptungen aufstellten.  

Aufgefallen war der Betrug durch einen irritierten Kunden, erklärte einen Unternehmenssprecherin auf procontra-Nachfrage. Der Hamburger Finanzdienstleister stellte daraufhin fest, dass die eigene Webseite Eins-zu-Eins nachgebaut worden war. „Sämtliche Daten und Angaben waren von der echten Website der NFS übernommen worden.“ Daraufhin stellte Netfonds Anzeige gegen die weiterhin unbekannten Betreiber und meldete den Identitätsdiebstahl der BaFin.

Zugleich wurde die niederländische Bank informiert, auf deren Konten die Anlegergelder gezahlt werden sollten. „Wir hoffen, dass wir damit Anlegergelder noch "einfrieren" konnten und die Anleger, die letztendlich Opfer dieses Betrugs geworden sind, ihre Gelder von der Bank zurückerhalten“, so die Unternehmenssprecherin.  

Wie genau die Betrüger vorgingen, ist noch nicht abschließend geklärt. Denkbar wäre aber der folgende Modus Operandi: Menschen, die in öffentlichen Finanz-Foren unterwegs waren beziehungsweise sich für nur vermeintlich seriöse Newsletter eingetragen hatten, wurden von angeblichen Netfonds-Mitarbeitern angerufen und über bestimmte Aktien informiert, deren Kauf empfohlen wurde.

Kunden um Geld betrogen

Über die nachgebaute Website ließen sich entsprechende Order platzieren. Allerdings ist davon auszugehen, dass von dem Geld keine Depots für die Kunden angelegt, sondern diese schlicht und einfach um ihr Geld betrogen wurden. Seit 1. September ist die Fake-Netfonds-Seite nun offline. Wie viele Menschen auf den Betrug hereinfielen, ist nicht bekannt.  

Immer wieder versuchen Betrüger, gutgläubige Kunden mit vermeintlich renditeträchtigen Finanz-Deals oder günstigen Versicherungen übers Ohr zu hauen. In einem ebenfalls erst vor Kurzem bekannt gewordenen Fall, agierten die Betrüger besonders dreist. Als Adresse hatte die „Financial Express Bank“ das Rote Rathaus in Berlin angegeben. Dort sitzt zwar Berlins regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), Versicherungen werden hier aber nicht verkauft.