Berufsunfähig wegen Depression: Von der Ausnahme zur Regel

Florian Burghardt Berater Versicherungen

Überraschend viele Menschen hierzulande sind oder waren schon einmal an einer Depression erkrankt, besagt eine Umfrage der Swiss Life Deutschland. Im Job ist das Thema aber weiterhin ein Tabu. Viele der Befragten wissen zudem nicht, dass sie ihre Arbeitskraft absichern können.

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Im Job ist das Thema Depression weiterhin ein Tabu. Viele Menschen wissen außerdem gar nicht, dass sie ihre Arbeitskraft gegen psychische Erkrankungen versichern können. Bild: urbazon

Mehr als ein Drittel der Deutschen (37 Prozent) sind aktuell von einer Depression betroffen oder waren es in der Vergangenheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine bevölkerungsrepräsentative Online-Umfrage von Swiss Life Deutschland. Zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen Yougov hat der Versicherer dafür im Juni 2.865 Personen ab 18 Jahren befragt. Gegliedert nach Altersgruppen zeigt sich, dass Depressionen bei älteren Menschen (55 Jahre und älter: 34 Prozent) eine fast gleich große Rolle spielen wie bei jüngeren Generationen (18-24-Jährige: 40 Prozent). Alle anderen Altersgruppen liegen ebenfalls in diesem Bereich.

Über die eigene Depression spricht nur knapp jeder zweite Betroffene mit seinem Partner. Andere soziale Kontakte werden noch seltener ins Boot geholt. Gerade einmal zwei Prozent der an Depression erkrankten Befragten haben darüber mit ihrer Führungskraft oder ihren Kollegen gesprochen. Eigentlich wäre es gut, die weite Verbreitung dieser Krankheit stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, um Verständnis dafür zu schaffen. Schließlich glauben immer noch neun Prozent der Befragten, dass es sich bei einer Depression um eine Charakterschwäche handelt.

Doch in der Realität herrschen offenbar noch stärkere Stigmata vor, die direkten Einfluss auf die Betroffenen nehmen. So gaben drei von vier an Depression erkrankten Menschen an, in Alltag und Beruf mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. 68 Prozent der Betroffenen gaben konkret an, dass sie ihre Depression als hinderlich für ihre Karriere empfinden. Die Angst davor, beruflich aufs Abstellgleis zu geraten beziehungsweise sozial ausgegrenzt zu werden erklärt, warum das Thema so selten im Job zur Sprache kommt. Von den Betroffenen haben sogar 35 Prozent nach der Erkrankung ihren Job gewechselt.

BU? Nie gehört!

Mehreren Analysen zufolge sind psychische Erkrankungen schon seit Jahren die Hauptursache für Berufsunfähigkeit und sorgen für jeden dritten Leistungsfall. Laut GDV-Zahlen war es vor zehn Jahren noch jeder fünfte Fall. Das kann auch Swiss Life Deutschland bestätigen, die als Ergänzung zur aktuellen Umfrage auch ihre BU-Leistungsfälle Stand Ende 2019 ausgewertet haben. Hier gaben knapp zwei Drittel der berufsunfähigen Kunden des Versicherers an, dass ihre BU-Rente ihnen die finanzielle Freiheit schafft, sich beruflich neu zu orientieren, gesund zu werden und wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Allerdings offenbart die Umfrage auch, dass es sowohl beim Verständnis für Depression – zwei von drei Befragten wissen, dass eine Psychotherapie helfen kann und jeder Zweite kennt Antidepressiva als wirksames Medikament – als auch beim Wissen um die Absicherungsmöglichkeiten noch Aufklärungsbedarf gibt. So dürfte für Vermittler interessant sein, dass 33 Prozent der Befragten bislang überhaupt nicht wussten, dass sie ihre Arbeitskraft mit Versicherungsprodukten absichern können.