Beitragsersparnis: Viele Kfz-Versicherer passen die Fahrleistung rückwirkend an

Florian Burghardt Versicherungen

Wer weniger Kilometer fährt als in der Police vereinbart, kann anscheinend bei sehr vielen Kfz-Versicherern für das gesamte laufende Jahr einen Teil der Beiträge zurückerhalten. Die meisten von Finanztip befragten Anbieter bestätigten diese Möglichkeit.

Bild: Eva-Katalin

Fast alle von Finanztip befragten Kfz-Versicherer nehmen auch jetzt noch eine geringere Fahrleistung rückwirkend für das gesamte laufende Versicherungsjahr 2022 an. Bild: Eva-Katalin

Wenn in wenigen Wochen die Kfz-Wechselsaison auf Hochtouren läuft, wird sich wieder alles um die Versicherungsprämie für das neue Jahr drehen. Aufgrund der hohen Inflation rechnen Experten für 2023 mit deutlich steigenden Beiträgen. Das wiederum dürfte die Vergleichsaktivitäten der Verbraucher anheizen, da viele von ihnen bereits das „Weniger“ im Geldbeutel spüren. Doch noch vor den Wechselgedanken fürs neue Jahr lohnt es sich, einmal auf das Einsparpotenzial für 2022 zu blicken – speziell in puncto Fahrleistung.

Laut dem Verbraucherportal Finanztip bieten fast alle Kfz-Versicherer derzeit die Möglichkeit, bei Meldung einer geringeren Fahrleistung den Beitrag für das laufende Versicherungsjahr rückwirkend zu reduzieren und bereits zu viel gezahlte Beiträge zu erstatten. Das geht aus einer Befragung hervor, für die Finanztip 33 Autoversicherer (die 13 größten sowie 20 besonders günstige Anbieter) angeschrieben hat. Nicht geantwortet haben Bessergrün, Janitos, FreeYou und Rheinland.

Von den 29 Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, verschließt sich lediglich die Axa gegen eine rückwirkende Berechnung und Erstattung für das laufende Versicherungsjahr. Immerhin ermöglichen die Kölner die Erfassung der geringeren Fahrleistung taggenau ab Eingang der Meldung. „Einige Versicherer passen den Beitrag normalerweise erst ab dem Zeitpunkt an, zu dem der Versicherte weniger Kilometer meldet. Doch auch Versicherungsunternehmen wissen, dass sich durch die Corona-Pandemie sowie den Anstieg der Kraftstoffpreise das Fahrverhalten ihrer Kunden oft stark verändert hat. Viele bieten daher aktuell eine rückwirkende Anpassung der Kilometerleistung an“, kommentiert Kathrin Gotthold von Finanztip die Ergebnisse.

Im Schnitt 15 Prozent weniger

Im Durchschnitt wurde für einen 5.000-Kilometer-Schritt eine Beitragsersparnis von 15 Prozent auf das ganze Jahr gesehen ermittelt, zum Beispiel wenn man die Fahrleistung von 20.000 auf 15.000 Kilometer reduziert. Von 15.000 auf 10.000 Kilometer sind es neun Prozent. Den ganz großen Cashback können Verbraucher hier also nicht erwarten. Jedoch dürfte die Erstattung in vielen Fällen, sofern eine reduzierte Fahrleistung gegenüber der im Vertrag vereinbarten zutrifft, zwischen 50 und 100 Euro liegen. In Kombination mit den anderen Einsparpotenzialen, die viele Haushalte gerade abklopfen, ist das sicherlich nicht unbedeutend. Gleichzeitig können Vermittler mit der Ansprache solcher Möglichkeiten beim Kunden ihren Serviceaspekt herausstellen.

Wichtig sei es dabei, so Finanztip, die verminderte Kilometerleistung richtig mitzuteilen. „Versicherte sollten explizit schreiben, dass die gesenkte Kilometerleistung rückwirkend gelten soll“, betont Gotthold. Dies solle am besten schriftlich, also per Mail oder Brief, geschehen. Auch eine Nachfrage, ob eine Neuberechnung mit geringerer Fahrleistung auch weiter als zu Beginn des aktuellen Versicherungsjahres zurückreichen könne, könne nicht schaden. In Einzelfällen könnte es dann auch für 2021 noch Geld zurückgeben.