Allianz registriert deutliche Zunahme bei Betrugsversuchen

Martin Thaler Versicherungen

Seit der Corona-Krise steigen beim Münchener Versicherer die Betrugsversuche. Rund 50.000 Schadenmeldungen lehnte die Allianz im vergangenen Jahr ab und rüstet gegen Betrüger weiter auf.

Versicherungsbetrug Bild: Pheelings Media

Beim Münchener Versicherer Allianz stößt man verstärkt auf dubiose Schadensmeldungen. Bild: Pheelings Media

Betrüger und unehrliche Kunden sind für die Versicherer ein kostenintensives Problem. Rund fünf Milliarden Euro Schaden entsteht den Unternehmen Jahr für Jahr durch Schadenmeldungen, die mit der Realität nur schwer in Einklang zu bringen sind, schätzt der Branchenverband GDV.  

Und offenbar mit steigender Tendenz. Das meldet zumindest die Allianz, Deutschlands größter Versicherer. Hatten die Münchener bereits für 2020 eine Steigerung von Betrugsversuchen von rund zehn Prozent festgestellt, setzte sich dieser Trend auch 2021 fort. „Unsere Betrugsabwehr hat 2021 gegenüber dem Vorjahr rund 20 Prozent mehr Betrugsversuche aufgedeckt“, erklärt Jochen Haug, Schadenvorstand der Allianz Versicherungs-AG. „Und auch im ersten Halbjahr 2022 sehen wir bereits, dass sich der Anstieg der Betrugsversuche fortsetzt.“ Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sprach Haug von einem Plus von 35 Prozent.  

Vermeintliche Einbruchdiebstähle nehmen zu

In der Kfz-Versicherung waren angebliche Unfälle im fließenden Verkehr mit über 50 Prozent die am häufigsten registrierte Betrugsmasche. 13 Prozent aller vorgetäuschten Schadensmeldungen entfielen auf Diebstähle.  

In der Sachversicherung spiegelte sich die Lockerung der Corona-Maßnahmen wider. So entfielen 35 Prozent der Betrugsversuche auf vorgetäuschte Einbruchdiebstähle. 2020 hatte die Allianz hier noch rückläufige Zahlen registriert.  

Auch vermeintliche Leitungswasserschäden standen bei Betrügern hoch im Kurs – 30 Prozent der angeblichen Schäden entfielen auf sie. In der Haftpflichtversicherung wurden am häufigsten betrügerische Schadenfälle im Zusammenhang mit Kfz (40 Prozent), gefolgt von Schäden an Immobilien (ohne Mietsachschäden) mit 17 Prozent, registriert.  

Verbesserte Betrugsabwehr

Dass die Allianz mehr betrügerische Schadenmeldungen registrierte, liegt laut Haug jedoch nicht allein daran, dass die Zahl der schwarzen Schafe unter den Kunden zunehme, sondern auch an der verbesserten Betrugsabwehr des Versicherers. „Dass diese gut funktioniert, sehen wir. Auch 2021 konnten wir unrechtmäßige Auszahlungen im dreistelligen Millionenbereich verhindern“, so Haug. Von insgesamt 2,3 Millionen Schadenmeldungen im vergangenen Jahr habe die Allianz rund 50.000 abgelehnt.    

Hierbei setzt die Allianz – wie auch andere Versicherer – verstärkt auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz. „Wir lassen bei der Allianz alle Schadensfälle mittels künstlicher Intelligenz nach Vorhersagemodellen, Bilderkennung und Expertenregeln überprüfen“, erläutert Haug. Letztlich entscheidet jedoch immer noch ein Mensch. Mittlerweile sind bei der Allianz 150 Mitarbeiter für die Betrugserkennung beziehungsweise -abwehr zuständig. Zuletzt hatte der Münchener Versicherer ein zusätzliches Team aufgebaut, das sich speziell mit der Betrugsabwehr im Kfz-Bereich beschäftigt.