Weniger Altersvorsorge: So reagieren Anleger auf die Inflation

Anne Mareile Walter Investmentfonds

Angst vor einer schleichenden Vermögensentwertung, das Geld ausgeben statt sparen, in Gold investieren. Eine aktuelle Studie beleuchtet, wie die Rekord-Inflation das Anlageverhalten der Deutschen verändert hat.

Anlegen Bild: SIphotography

Ein Großteil der Privatanleger fürchtet sich aktuell vor einer schleichenden Geldentwertung. Trotzdem investiert rund ein Drittel noch genauso wie vor der Rekord-Inflation. Bild: SIphotography

Mit 7,9 Prozent hat die Inflationsrate aktuell den höchsten Stand seit 50 Jahren erreicht. Die EZB reagierte Ende Juli mit einer Anhebung des Leitzinses und läutete damit das Ende der Negativzins-Ära ein. Doch wie reagieren die Anleger auf das veränderte Marktumfeld? Wie hat sich ihr Investmentverhalten verändert? Das wollte auch der Vermögensverwalter J.P. Morgan Asset Management wissen und hat für sein „Finanzbarometer 2022“ 2.000 Männer und Frauen befragt. Die Studie führt zu einem eindeutigen Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (56 Prozent) ist wegen der aktuellen wirtschaftlichen Situation in Sorge und fürchtet, dass das eigene Vermögen durch die Inflation schleichend entwertet wird.

Inflation ist bei Anlegern das Thema Nummer eins

Dabei reagieren 35 Prozent der Befragten überhaupt nicht auf die Geldentwertung und investieren genauso wie vorher. 23 Prozent schränken aber ihre Altersvorsorge ein und 17 Prozent erhöhen trotz Inflation ihr Investment. Das Geld lieber ausgeben statt zu sparen – dafür entscheiden sich elf Prozent. Sieben Prozent schrauben ihren Konsum zurück, um die Anlagequote aufrechtzuerhalten.  

„Die Inflation ist ganz klar das Thema Nummer eins, das die Menschen derzeit bewegt. Diese Ängste gilt es ernst zu nehmen und zu adressieren – sei es im direkten Beratungsgespräch oder auch bei Produkt- und Marktinformationen“, erklärt Matthias Schulz, Managing Director bei J.P. Morgan Asset Management.

Marktschwankungen hingegen treiben die Befragten derzeit weniger um. Noch im ersten Pandemiejahr 2020 bereitete die Volatilität 23 Prozent der Befragten Kopfzerbrechen, aktuell trifft das nur auf 15 Prozent der Befragten zu. Allerdings sorgen sich 29 Prozent, dass sich ihr Erspartes wegen der Niedrigzinsen nicht weiter vermehrt. Im Vorjahr war das bei 37 Prozent der Fall.    

Welche Investmentstrategien verfolgen die Anleger, um die hohe Inflation auszugleichen? Auch danach fragte der Vermögensverwalter in seiner Analyse. Aktien, Aktienfonds oder ETFs liegen mit 51 Prozent vorn. 25 Prozent der Befragten setzen auf Aktien, 22 Prozent nehmen Aktienfonds oder ETFs ins Visier. Doch auch Gold ist nach wie vor ein beliebtes Krisen-Investment. So nutzen 37 Prozent das Edelmetall als Lösung gegen die Inflation – ein Fünftel setzt auf Kryptowährungen. Und: 17 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sich die aktuelle Rekord-Inflation nicht ausgleichen lässt.

Niedrige Einstiegskurse bei Aktien und ETFs nutzen

„Gerade in Zeiten mit komplexeren Entwicklungen an den Kapitalmärkten, wie es aktuell der Fall ist, bietet es sich an, auf eine breite Mischung verschiedener Anlageklassen zu setzen, etwa in Form von ertragsorientierten Mischfonds“, empfiehlt Managing Director Matthias Schulz. Risikofreudigen Anlegern rät er: Die niedrigeren Einstiegskurse bei Aktien, Aktienfonds oder ETFs nutzen, um von den steigenden Preisen zu profitieren.