Waldbrände: Versicherungsschutz auf dem Prüfstand

Martin Thaler Versicherungen

Waldbrände werden aufgrund der zunehmenden Dürre für die rund zwei Millionen deutschen Waldbesitzer zu einem immer größeren Risiko. Versicherungsschutz wird damit wichtiger, könnte in Zukunft aber an neue Bedingungen geknüpft werden.

Waldbrand Bild: Gabriel Kuchta/ Freier Fotograf

In der Sächsischen Schweiz wütet seit Wochen bereits ein Waldbrand. Bild: Gabriel Kuchta/ Freier Fotograf

Seit Ende Juli brennt in der Sächsischen Schweiz der Wald. Auch im Berliner Grunewald vernichteten Flammen zahlreiche Hektar Wald, im sauerländischen Attendorn brannte es am Mittwochabend lichterloh.   Waldbrände sind auch in Deutschland keine Seltenheit. Laut Waldbrandstatistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gibt es seit 1991 durchschnittlich 1.120 Waldbrände pro Jahr.

In diesem Jahr könnten es aufgrund der anhaltenden Trockenheit deutlich mehr werden. „Starke Trockenjahre führen auch häufiger zu Waldbränden – so zum Beispiel 2018 und im Folgejahr. Auch 2022 zeigt dies wieder“, sagt Jan Droll, Produktmanager Waldversicherung bei der Gothaer. Dennoch ist das laufende Jahr anders. „2022 zeigt jedoch starke Ausreißer, was die Flächengröße der Waldbrände betrifft. Waldbrände von mehreren hundert Hektar sind für Deutschland untypisch“, erklärt Droll. Warum die sonst in Deutschland so effiziente Brandbekämpfung hier nicht funktioniert habe, gelte es noch zu klären.  

Waldbesitzer stehen vor Herausforderung

Glaubt man Klimaforschern, dürften besonders niederschlagsarme Jahre wie dieses in Zukunft von der Ausnahme zur Regel werden. Folglich sei auch von einem erhöhten Waldbrandrisiko auszugehen. „Es gibt verschiedene Faktoren, die einen Waldbrand beeinflussen. Zum einen spielen anhaltende Dürren eine wichtige Rolle, aber auch die Kombination aus Bodenbewuchs, Totholzanteilen und Baumarten erhöhen die Gefahr. Pflanzen wie Kiefern kommen mit Trockenheit zwar gut klar, sind aber auch brandempfindlicher als andere Kulturen“, erklärt Golz. Das liegt am hohen Harzgehalt der Bäume.  

Die erhöhte Waldbrandgefahr wird vor allem für die Waldbesitzer in Deutschland zum Problem – und das sind immerhin zwei Millionen. Die Schadensummen können laut Droll dabei schnell in die Höhe schießen. „Wenn wir annehmen, dass die betroffenen Waldbestände im Durchschnitt einen Wert von rund 10.000 bis 15.000 Euro je Hektar haben, sind wir bei den jüngst gemeldeten 850 Hektar in Sachsen und Brandenburg bei einem Schaden von mehr als 10 Millionen Euro – und das nur am Baumbestand.“  

Entsprechend steigt die Bedeutung des passenden Versicherungsschutzes. Hier hatte die Gothaer in den vergangenen Jahren eine spürbar wachsende Nachfrage registriert. Dies könnte in Zukunft aufgrund der sich verändernden Risikolage deutlich schwieriger werden.  

Neue Obliegenheiten

Noch gibt es von Seiten der Gothaer allerdings keinen Grund, den Umfang des Versicherungsschutzes anzupassen. „Wir müssen diese Gefahren aber im Blick behalten und Risiken neu bewerten“, so Droll.   Denkbar sind in diesem Zusammenhang neue Verpflichtungen, die auf Waldbesitzer zukommen können. „So könnte künftig in stark gefährdeten Gebieten der Nachweis von geeigneten Löschmöglichkeiten und Frühwarnsystemen verpflichtend werden“, erklärt Droll.  

Auch der Baumbestand könnte zukünftig eine Rolle spielen – zumindest in besonders gefährdeten Regionen. So gelten reine Kieferwälder als besonders brandgefährdet. „Bisher konnten diese Risiken durch die gleichzeitige Versicherung von weniger brandgefährdeten Wäldern ausgeglichen werden“, berichtet Droll. Dieses Konzept funktioniere grundlegend auch zukünftig. „Lediglich in besonders stark gefährdeten Regionen muss die Entwicklung der Brandgefahren gut im Blick behalten werden.“