Vertrieb: Wann haftet der Makler für Fehler des Versicherers?

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Top News

Bei der Vermittlung von Versicherungen sind häufig mehrere Akteure am Werk. So kann der Makler bei der Vertragsanbahnung auch auf die Fachabteilung des Versicherers zurückgreifen. Doch wer haftet, wenn da Fehler passieren?

Vertrieb: Wann haftet der Makler für Fehler des Versicherers? Bild: PeopleImages

Falls der Makler als Sachwalter des Kunden bei der Vertragsanbahnung verbindliche Zuarbeiten des Versicherers einfordert, sollte er das dokumentieren. Bild: PeopleImages

Ein Versicherungsmakler muss für Schäden durch Fehler bei seiner Beratung und Vermittlung des Versicherungsnehmers aufkommen (nach Paragraf 63 VVG). Schwieriger ist die Beurteilung, wenn sich der Makler der Kooperation und intensiven Unterstützung des Versicherers bedient. „Im Kern bleibt wohl der Makler auch bei der Einschaltung von Dritten zur Beratung verpflichtet und haftet damit am Ende auch, wenn der Versicherungsschutz fehlerhaft oder ungenügend ist“, sagt Stephan Michaelis, Fachanwalt für Versicherungsrecht und Partner in der Kanzlei Michaelis Rechtsanwälte.

„Anders als die gesetzlichen Regelungen für die Versicherer gibt es keine Spezialvorschrift, welche regelt, dass Versicherungsmakler von einer Beratung befreit sind“, schreibt der Rechtsanwalt in einem Gastbeitrag für „versicherungstip“. Umstritten ist aber die Frage, wer bei Fehlern in der Beratung haftet, wenn der Makler den Versicherer, den Maklerbetreuer oder andere Experten des Versicherers, die besonderes Know-how in der jeweiligen Sparte haben, um Hilfe bittet oder sie in den Vermittlungsprozess einschaltet.

Wenn Experten des Versicherers die Beratung leiten…

Die Kanzlei nennt auf Nachfrage von procontra ein aktuelles Beispiel: Im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung war ein Versicherungsprodukt vermittelt worden, das mit einer hohen Einmalzahlung verbunden war. Dieses Produkt passte aber überhaupt nicht zu den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden. Der Beratungsprozess wurde primär durch zwei Experten des Versicherers geführt; der Makler saß die meiste Zeit still daneben. „Wer nun wie haftet, ist Teil eines Gerichtsprozesses“, heißt es aus der Kanzlei Michaelis.

Fachanwalt Michaelis verweist auch auf ein älteres Urteil des OLG Saarbrücken vom 4. Mai 2011 (Az.: 5 U 502/10-76). Zu den Pflichten eines Maklers gehört demnach, dem Kunden die finanziellen Nachteile vor Augen zu führen, wenn er seine steuerbegünstigte Kapitallebensversicherung kündigt. Ist jedoch im Versicherungsantrag nicht deutlich genug hervorgehoben, dass im Todesfall nur Hinterbliebene im engeren Sinne Leistungen erhalten und gibt der Kunde seine Lebensgefährtin als Bezugsberechtigte an, so haftet der Versicherer wegen Verletzung eigener Beratungspflichten trotz Einschaltung eines Maklers auf Schadensersatz.

… ist von Haftungsübergang auszugehen

Auf welcher Rechtsgrundlage diese Haftungsübergang beruht, wollte procontra von Michaelis wissen. Antwort aus Hamburg: Der Versicherer hat eine Aufklärungspflicht (nach Paragraf 242 BGB), wenn er erkennt, dass sich der Kunde trotz Beratung durch einen Makler im Irrtum über den Vertragsinhalt befindet. „In einem solchen Fall ist der Versicherer nach Treu und Glauben zu einer Richtigstellung gegenüber dem Versicherungsnehmer verpflichtet“, betont Michaelis.

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