Strengere Vorschriften für Kundenbewertungsportale

Detlef Pohl Berater Top News

Strengere Regeln zur Prüfung von Bewertungen

Für Onlineportale, die Kundenbewertungen veröffentlichen, gelten seit kurzem strengere Vorschriften. Das hat auch Folgen für Finanz- und Versicherungsvermittler. Um Verbraucher vor Fake-Bewertungen zu schützen, hat die EU-Kommission eine Richtlinie verabschiedet, die gefälschten, gekauften oder in anderer Weise manipulierten Kundenbewertungen entgegenwirken soll. Das Regelwerk trat am 28. Mai 2022 in Kraft und wurde von Deutschland mit dem „Gesetz zur Stärkung des Verbraucherschutzes im Wettbewerbs- und Gewerberecht“ umgesetzt.

Die neuen Regelungen finden sich im Wesentlichen in Paragraf 5b des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). „Der geänderte Paragraf verpflichtet Unternehmen, die von Kunden erstellte Online-Reviews veröffentlichen, nicht dazu, die Echtheit der Bewertungen zu überprüfen“, sagt Björn Thorben Jöhnke, geschäftsführender Gesellschafter und Partner der Hamburger Kanzlei Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte.

Entweder Echtheit prüfen oder Hinweis auf fehlende Prüfung

„Verzichten Unternehmen auf eine solche Prüfung, müssen sie darauf aber hinweisen“, so Jöhnke. Prüfen Unternehmen, ob Kundenbewertungen authentisch sind, müssen sie nun auch offenlegen, wie sie dies tun. Sie müssen für Nutzer des Portals gut einsehbar und klar verständlich erläutern, nach welchen Verfahren und Kriterien der Check abläuft.

Who Finance sieht sich von den neuen Regelungen kaum betroffen, da Kundenbewertungen immer auf ihre Echtheit überprüft würden. Auf der Website findet sich nun zusätzlich der Hinweis, dass Who Finance diesen Check vornimmt, und erläutert den Prüfprozess knapp. Zu den Details hält sich das Portal jedoch bedeckt. Tatsächlich geht es wohl um einen Mix aus Algorithmen, Checks durch Menschen und strenge Kriterien. Top-Berater benötigen bei Who Finance mindestens 20 geprüfte Kundenbewertungen in einem definierten Zeitraum. Zudem gingen die Bewertungen erst mit gewisser Zeitverzögerung online.

Wie Berater richtig mit Bewertungen für sich werben

Für Berater, die mit Kundenbewertungen für sich werben wollen, ist der Anhang zu Paragraf 3 Absatz 3 UWG wichtig, insbesondere Nummer 23b. Danach sei die Werbung nur dann zulässig, wenn diese grundsätzlich mittels „angemessener und verhältnismäßiger Maßnahmen“ überprüft wird. „Der Vermittler müsste eigentlich selbst validieren, ob ein Portal die Kundenrezensionen zu seiner Person tatsächlich auf Echtheit geprüft hat“, interpretiert Rechtsanwalt Jöhnke.

Diese Pflicht hat der Gesetzgeber aber eingeschränkt. „Wenn ein Berater lediglich auf die Seite, auf der Bewertungen über ihn zu lesen sind, verlinkt, muss er nicht gegenchecken, ob der Host die Kunden-Reviews überprüft hat“, so Jöhnke. Anders könnte es womöglich aussehen, wenn ein Vermittler nicht bloß verlinkt , sondern die Bewertungen über Widgets in seine eigene Webseite einbindet. „Der Gesetzgeber hat sich dazu ausgeschwiegen und gerichtliche Entscheidungen gibt es noch nicht“, sagt Jöhnke auf Nachfrage von procontra. Deswegen geht er davon aus, dass „die Informationspflicht auch im Falle von Widgets besteht“.

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