Rentenbeiträge schon ab 2023 vollständig absetzbar?

Hannah Petersohn Berater

Nach einem Entwurf des Finanzministeriums sollen Aufwendungen für die erste Schicht der Altersvorsorge schon ab 2023 vollständig steuerlich absetzbar sein. Dies soll die Doppelbesteuerung von Renten verhindern. Doch an dem Plan gibt es bereits Kritik.

Will die 100-prozentige steuerliche Absetzbarkeit von Rentenbeiträgen schon 2023: Finanzminister Christian Lindner (FDP). Bild: Omer Messinger

Will die 100-prozentige steuerliche Absetzbarkeit von Rentenbeiträgen schon 2023: Finanzminister Christian Lindner (FDP). Bild: Omer Messinger

Eine gute Nachricht für Steuerzahler: Bereits ab dem kommenden Jahr sollen sie ihre Rentenbeiträge voll absetzen können. Damit würde ein „vollständiger Sonderausgabenabzug für Altersvorsorgeaufwendungen“ der ersten Schicht bereits zwei Jahre früher ermöglicht werden als bislang nach dem Stufenplan vorgesehen. Das geht aus einem aktuellen Entwurf für das Jahressteuergesetz hervor, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Der noch gültige Plan sieht ab 2023 eine Absetzbarkeit von 96 Prozent der Rentenbeiträge vor, 2024 dann 98 Prozent und erst ab 2025 die vollen 100 Prozent. Durch die Änderung würden die Renten künftig erst in der Auszahlungsphase besteuert. Steuerzahler könnten dadurch um rund 3,23 Milliarden Euro entlastet werden. Im darauffolgenden Jahr 2024 wäre es noch einmal 1,76 Milliarden Euro.

Die mögliche Doppelbesteuerung von Renten wird schon länger debattiert: Rentner monieren, dass sie auf ihre Rente zum Teil Steuern zahlen müssen, gleichwohl sie vor Renteneintritt bereits indirekt Steuern auf ihre Rentenbeiträge gezahlt haben.

Zuletzt hatte der Bundesfinanzhof 2021 in zwei Urteilen (Az. X R 33/19, Az. X R 20/19) Berechnungsgrundlagen zur Bestimmung einer doppelten Besteuerung festgelegt. Das zwingt die Politik nun zum Handeln. Das Vorhaben, das jetzt offenbar angegangen wird, hat die Ampel bereits in ihrem Koalitionsvertrag formuliert.

„Wir ziehen diesen Schritt bewusst vor – denn gerade in Zeiten hoher Inflation sind Entlastungen besonders wichtig“, sagte Finanzminister Christian Lindner (FDP) gegenüber der dpa. Die neue Regelung solle für mehr Klarheit im Steuersystem sorgen. „Dies dient dem Gebot, eine doppelte Besteuerung zu vermeiden“, erklärte Lindner.

Betreffen wird diese Umstellung die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, aber auch aus der landwirtschaftlichen Alterskasse, den berufsständischen Versorgungseinrichtungen und aus den Basisrentenverträgen (Rürup-Renten).

Nach der Veröffentlichung des Entwurfs regt sich bereits Kritik vom Sozialverband VdK: Verena Bentele, VdK-Präsidentin, glaubt nicht, dass eine Doppelbesteuerung damit vollkommen ausgeschlossen werde. Schließlich müssen Renten ab 2040 voll besteuert werden – jene, die ab 2040 Renten beziehen würden, hätten dann zumindest teilweise doppelt Steuern gezahlt. Aus diesem Grund schlägt Bentele vor, die Vollbesteuerung erst 2070 einzusetzen.