Privathaftpflicht: Auf diese Extras kommt es an

Berater Recht & Haftung Detlef Pohl

Eine Privathaftpflichtversicherung ist für alle sinnvoll und unverzichtbar. Zusätzlich gibt es interessante Extras, befindet die Stiftung Warentest. Die sollten auch Makler auf dem Schirm haben, zumal es spannende Urteile zu Gefälligkeitsschäden gibt.

Passiert bei Nachbarschaftshilfe ein Malheur, ersetzt die Privathaftpficht des Helfers den Schaden, da es laut BGH dann keine Haftungsbeschränkung auf grobe Fahrlässigkeit gibt. Bild: SolStock

Passiert bei Nachbarschaftshilfe ein Malheur, ersetzt die Privathaftpficht des Helfers den Schaden, da es laut BGH dann keine Haftungsbeschränkung auf grobe Fahrlässigkeit gibt. Bild: SolStock

Eine Privathaftpflichtversicherung (PHV) tritt bekanntlich ein, wenn Dritte von Gesetzes wegen Schadenersatz vom Versicherten beanspruchen – oder sie wehrt unberechtigte Forderungen ab. Je nach Tarif gibt es Erweiterungen, aber auch Lücken. Vorsätzlich verursachte Schäden sind grundsätzlich nicht versichert. Im Schadenfall geht es dabei oft um viel Geld, insbesondere bei Personenschäden.

Die Stiftung Warentest aktualisiert ab sofort regelmäßig ihren PHV-Test, in dem aktuell fast 400 Tarife gelistet sind. Fast 200 Angebote erhielten das Urteil „Sehr gut“ und mehr als 100 die Note „Gut“. Das deckt sich mit dem neuesten Rating von Morgen & Morgen. Dort hatte jeder zweite Tarif die Höchstnote von fünf Sternen zuerkannt bekommen.

Neue Verträge mit besseren Inhalten

Die Preisunterschiede sind riesig. Es gibt Tarife, die mehr als fünfmal so viel wie sehr gute günstige Policen kosten und trotzdem deutlich weniger Leistungen bieten. Daher hat Finanztest in der September-Ausgabe die wichtigsten Extras aufgelistet und kurz bewertet. „Ein neuer Vertrag bietet mit hoher Wahrscheinlichkeit besseren Schutz als der alte, und durch einen Wechsel lässt sich häufig sogar sparen, obwohl es in Top-Policen Extras gibt“, schreibt Finanztest. Diese Extras sind gemeint:

Deliktunfähige Kinder und Gefälligkeitsschäden

Deliktunfähige Kinder: Der Versicherer gleicht den Schaden aus, obwohl die Eltern eigentlich nicht haften, weil das Kind jünger als sieben Jahre ist, sofern sie ihre Aufsichtspflicht nicht vernachlässigt haben.

Gefälligkeitsschäden: Mitunter zahlt die PHV des Schädigers dem Opfer Schadenersatz, wenn das Opfer sonst kein Geld bekäme. Üblicherweise gehen Opfer leer aus, wenn sie jemand geschädigt hat, der ihnen gerade einen Gefallen tut, etwa bei Nachbarschaftshilfe. Da haften Helfer laut Bundesgerichtshof (BGH) nur bei grober Fahrlässigkeit (Az.: VI ZR 28/08). Inzwischen präzisierte der BGH aber: Hat der Schädiger eine PHV abgeschlossen, gibt es keine Haftungsbeschränkung (Az.: VI ZR 467/15).

Halber Rechtsschutz: Die PHV übernimmt auch die Verteidigung gegen unberechtigte Schadenersatzforderungen und wehrt diese ab. Der Versicherte muss sich darum nicht selbst kümmern. Allerdings tritt die PHV nicht ein, wenn der Versicherte selbst von jemandem Schadenersatz verlangt. Das Kostenrisiko trägt dann nur eine Rechtsschutzversicherung.

Forderungsausfall mit finanziellem Restrisiko

Forderungsausfalldeckung: Viele Top-Tarife erstatten auch Schäden, die der Versicherte als Opfer erleidet, der Schuldige aber finanziell nicht in der Lage ist, die Forderung zu erfüllen. Zuweilen gilt eine Mindestschadenhöhe von 2.500 Euro. Wird die erreicht, gibt es die volle Leistung. Voraussetzung: Man hat den Schädiger erfolgreich verklagt, aber der Gerichtsvollzieher scheitert beim Eintreiben des Geldes. Um das Prozesskostenrisiko zu beherrschen, lohnt eine eigenständige Rechtsschutzversicherung, so Finanztest.

Erweiterte Forderungsausfalldeckung: Der Versicherer zahlt auch, wenn das PHV-versicherte Opfer vorsätzlich verletzt wurde, also eine Körperverletzung erleidet. Von 169 sehr guten Policen besitzen diesen Zusatz 130, schreibt Finanztest. In der Regel sei auch hier Voraussetzung, dass man den Schädiger erfolgreich verklagt hat, aber der Gerichtsvollzieher beim Eintreiben des Geldes scheitert.

Auslandsunfälle und Schäden im eigenen Haushalt

Mallorca-Deckung: Eigentlich ist für verschuldete Kfz-Unfälle die Kfz-Haftpflichtversicherung zuständig. Bei Auslandsunfällen mit Mietwagen bleiben jedoch oft Restkosten, weil zum Beispiel die Mindestdeckungssumme des Gastlandes bei schweren Personenschäden nicht ausreicht (Türkei: nur rund 100.000 Euro pro Person). Die „Mallorca“-Deckung der PHV übernimmt dann die verbleibenden Kosten.

Mitversicherte im eigenen Haushalt: Normalerweise ist ausgeschlossen, dass Mitversicherte, die im eigenen Haushalt leben, Leistungen bekommen, wenn sie sich untereinander schädigen. Einige Versicherer zahlen zumindest für Verletzungen, nicht jedoch für Sach- und Vermögensschäden. Gesetzlich haften Ehepartner untereinander sowie Eltern gegenüber Kindern jedoch nur bei grober Fahrlässigkeit.

Schwammige Aussagen zu vernünftiger Deckungssumme

Hohe Deckungssumme: Ältere PHV-Policen begrenzen die Haftung oft noch auf 3 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden. Heute sind bis zu 100 Millionen Euro abgedeckt, ohne dass spürbare Aufpreise verlangt werden. Auch unter diesem Aspekt kann der Wechsel in einen neuen Tarif lohnen, meint Finanztest.

Bei Tarifen mit solidem Preis-Leistungs-Verhältnis genügen den Testern aber bei „sehr guten“ Angeboten offenbar zwischen 30 und 50 Millionen Euro Deckung aus, etwa bei GEV Grundeigentümer, HUK24, WGV, HUK-Coburg, SDK Neva, MVK (Medien) oder NV Versicherungen.