Pflege: Sozialämter müssen immer häufiger helfen

Martin Thaler Versicherungen

Der Staat muss immer höhere Sozialhilfeleistungen für die Pflege zahlen, die Ausgaben stiegen im vergangenen Jahr um zehn Prozent. In Zukunft dürfte es noch einmal deutlich teurer werden.

Pflege Bild: Zinkevych

Immer häufiger müssen die Sozialämter Pflegebedürftige finanziell unterstützen. Bild: Zinkevych

Die Kosten für die Pflege steigen immer weiter. Laut neuen Zahlen des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) zahlen Pflegebedürftige in der stationären Pflege im Bundesdurchschnitt 2.248 Euro und damit 69 Euro mehr als noch zu Beginn des Jahres. Die zu Beginn dieses Jahres gestartete jüngste Pflegereform, die unter anderem zeitlich gestaffelte Zuschüsse vorsieht, bietet insbesondere im ersten Jahr für die Pflegebedürftigen wenig Entlastung.  

Immer häufiger muss folglich der Staat in die Bresche springen. Dies unterstreichen neue Zahlen, die das Statistische Bundesamt vorgelegt hat. So mussten die Sozialhilfeträger im vergangenen Jahr insgesamt 15,3 Milliarden Euro für Sozialhilfeleistungen nach dem Zwölften Sozialhilfegesetzbuch ausgeben – das waren 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr.  

Der größte Anteil davon entfällt mit 8,1 Milliarden Euro (+7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr) nach wie vor auf die Grundsicherung im Alter sowie bei Erwerbsminderung. Der größte prozentuale Anstieg ist allerdings erneut bei Hilfen zur Pflege feststellbar. Pflegebedürftige, die die Kosten für Heim und Pflege nicht mehr aus eigener Tasche stemmen konnten, wurden im vergangenen Jahr mit 4,7 Milliarden Euro unterstützt – das waren zehn Prozent mehr als noch 2020.  

Tariftreuegesetz wird Kosten weiter steigen lassen

Diese Zahlen dürften in der Zukunft weiter steigen. Grund dafür ist nicht nur die Inflation, die die Kosten der Heime für Energie und Verpflegung weiter in die Höhe treibt. Ab erstem September dieses Jahres greift zudem das sogenannte Tariftreuegesetz (Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung). Um die Pflegebranche für Arbeitnehmer attraktiver zu gestalten, müssen Pfleger ab 1. September nach Tarif oder zumindest tarifähnlich bezahlt werden. Die hierdurch entstehenden Kosten werden die Pflegebedürftigen zu zahlen haben.  

Wie stark sich die erhöhten Personalkosten auf die Eigenanteile auswirken werden, verdeutlicht ein Beispiel aus Schleswig-Holstein. So werden sich die Personalkosten bei der Pflegeheime Riedel GmbH um 21 Prozent erhöhen, erklärte deren Geschäftsführer Daniel Schöneberg gegenüber dem NDR.

Pflegebedürftige mit Pflegegrad drei müssen derzeit 2.100 Euro im Monat aus eigener Tasche zahlen. Ab dem 1. September werden es mehr als 2.600 Euro sein. So ist es kaum verwunderlich, dass die Rufe nach einer umfassenderen Reform der Pflegeversicherung in Zukunft lauter ausfallen werden.