Makler kritisiert blau-direkt-Werbeaktion: „Nachhaltigkeit als Treppenwitz“

Hannah Petersohn Panorama

Werbemittel sind immer wieder ein beliebtes Instrument, wenn es um den Kampf um Neukunden geht. Eine Werbeaktion des Maklerpools blau direkt wird nun aber vehement von einem bekannten Makler kritisiert.

Makler kritisiert blau-direkt-Werbeaktion: „Nachhaltigkeit als Treppenwitz Bild: Screenshot, Facebook

Versicherungsmakler Klaus Hermann übt deutliche Kritik an einer Werbeaktion des Maklerpools blau direkt. Bild: Screenshot, Facebook

Werbemittel sollen potenzielle Kunden oder Geschäftspartner umgarnen, ihnen – nicht ganz uneigennützig – das Gefühl geben: Du liegst uns am Herzen! Manche Werbeaktionen sind gut gemacht und womöglich Grund zur Freude, andere rufen eher Gleichgültigkeit hervor. Und wieder andere können den Adressaten sogar verärgern.

Genau das ist nun vor dem Hintergrund einer Werbeaktion des Maklerpools blau direkt passiert: Klaus Hermann, Versicherungsmakler, Autor und Kabarettist, erhält, wie er in einem Video auf Facebook erzählt, von blau direkt einen Briefumschlag. „Hab´ dabei an dich gedacht“, umschmeichelt das Unternehmen den Makler auf einem angeklebten Post-It. In dem Umschlag selbst steckt eine Art „Einwegbildschirm“, so Hermann, ähnlich wie ein eher günstig produziertes Tablet. Über besagten Bildschirm wird eine Videobotschaft des Maklerpools abgespielt, ein junger Mann spricht in die Kamera: „Ich habe entdeckt, dass euer Unternehmen besonders von einer Zusammenarbeit mit blau direkt profitieren würde.“ Es geht also darum, neue Kunden zu gewinnen.

Das wäre an sich nicht verwerflich, hätte der Maklerpool dafür nicht einen solchen Bildschirm als Überträger gewählt und diesen ausgerechnet an Hermann geschickt. Der Makler ist bekannt für seinen Fokus auf Nachhaltigkeit, zuletzt durchquerte er den Dschungel Lateinamerikas, um Spendengelder für zwei Projekte zu sammeln: den Bau eines Brunnens in Malawi, der die Menschen in dem ostafrikanischen Land mit frischem Trinkwasser versorgen soll, und ein Wiederaufforstungsprojekt in Panama.

„Bedenkenlose Ressourcenverschwendung“

Entsprechend groß ist seine Echauffage angesichts des blau-direkt-Werbemittels: „Er (der blau-direkt-Mitarbeiter im Video, Anm. d. Red.) schickt mir dieses Video auf einem Einweg-billig-Bildschirm (…). Inhalt des Videos: Wir (…) haben genug Kohle verdient, um komplett auf die Umwelt und Nachhaltigkeit zu scheißen“, kritisiert Hermann.

Er prangert eine aus seiner Sicht „bedenkenlose Ressourcenverschwendung“ an und mutmaßt, dass hunderte oder tausende dieser Einweg-Bildschirme verschickt worden sein könnten, die spätestens nach dem Ansehen des Videos entsorgt werden würden. „Diese Sendung ist die Perversion einer entfesselten Wegwerfgesellschaft und ein Beweis dafür, dass viele Unternehmen meiner Branche (…) Greenwashing als Marketinginstrument verstehen.“

Das allerdings sieht blau direkt naturgemäß etwas anders: „Zunächst einmal handelt es sich nicht um Einweg-Bildschirme, sondern um reduzierte Tablet-PCs“, erklärt blau direkt Geschäftsführer Oliver Pradetto gegenüber procontra. „Alle Geräte enthalten einen USBC-Anschluss. Damit lassen sich Batteriespeicher immer wieder aufladen und die Inhalte neu aufspielen.“

Ein Hinweis, den sich Hermann auf der Sendung selbst gewünscht hätte, wie er gegenüber procontra mitteilt. „Niemand hat diese Tabletts bestellt. Diese Art von Überkonsum vermüllt unseren Planeten und raubt wichtige Ressourcen.“

Ist schlechte PR gut fürs Unternehmen?

Pradetto indessen sieht die Werbeaktion als gelungen an und erklärt, die Öffnungsquote der Bildschirm-Botschaft liege bei 100 Prozent. „Wir haben jeden einzelnen Empfänger erreicht (…). Wenn Klaus das kritisiert, komme ich nicht umhin, festzustellen, dass er offensichtlich nicht nur das Video angesehen hat, sondern sogar unsere sehr umfangreichen Webseites anschließend genau studiert hat. Mehr Wirkung geht nicht“, so Pradetto. Werbemittel nach dem Prinzip: „Bad News are Good News“?

In Bezug auf die Herstellung selbst erklärt Pradetto, das Werbemittel sei umweltfreundlicher als vergleichbare Geräte, weil Hardpappe aus recyceltem Papier benutzt worden sei. Die Produktionskosten liegen demnach bei 100 Euro pro Stück. Insgesamt 110 Exemplare seien versandt worden.

Auch in Bezug auf die mit der Produktion des Tablets verbundenen CO2-Emissionen widerspricht Pradetto: Demnach liege der CO2-Verbrauch des Bildschirms bei 80 Kilogramm, das sei weniger im Vergleich zu einem iPad mini, für das bis zu 120 Kilogramm CO2 emittiert würden. Ein Blick auf die CO2-Bilanz des Technologieriesen Apple zeigt allerdings: Für ein Apple iPad mini der sechsten Generation werden 68 Kilogramm CO2 für die gesamte Produktion ausgestoßen. Der Fußabdruck setzt sich zusammen aus der Herstellung des Geräts, dem Transport zum Endkunden und der zukünftigen Entsorgung des iPads.

„Nachhaltigkeit als Treppenwitz“, ist Hermanns vernichtendes Resümee über die blau-direkt-Werbeaktion. Das Unternehmen erkläre, so der Makler, auf seiner Website, Nachhaltigkeit fange bei der Mülltrennung an. „Falsch. Nachhaltigkeit fängt bei der Müllvermeidung an“, sagt Hermann. „Weil Ihr Mülltrennung so wichtig findet, schicke ich euch diesen Müll postwendend zurück.“

Damit wäre Hermann, nach Aussagen von blau direkt, nur einer von 11 Adressaten. „Wie viele tatsächlich im Müll landen können wir nur abschätzen, aber es dürften weniger als 10 Prozent sein. Etwa 15 Prozent der Geräte bekommen wir zur Weiternutzung rückgesendet. Etwa ebenso viele fragen nach, ob sie es behalten dürfen“, so der Geschäftsführer des Maklerpools.

Inwiefern das die Facebook-Nutzer auch tun würden, die das Video von Klaus Hermann kommentiert haben, ist fraglich. Ein User, der mit seiner Meinung nicht allein ist, schreibt: „So einen schon skandalös verschwenderischen Vorgang habe ich lange nicht gesehen.“