GKV: Immer mehr Versicherte denken über Krankenkassenwechsel nach

Martin Thaler Versicherungen

Zum nächsten Jahr sollen nach Plänen der Bundesregierung die GKV-Zusatzbeiträge deutlich steigen. Knapp 60 Prozent der Versicherten denken darum über einen Wechsel ihrer Krankenkasse nach. Auch die private Krankenversicherung könnte von der steigenden Wechselbereitschaft profitieren.

Krankenkassenwechsel Bild: RichVintage

Die angekündigte Erhöhung der Zusatzbeiträge könnte bei den GKV-Versicherten zu einer wahren Wechselwelle führen – das legt zumindest eine aktuelle Studie nahe. Bild: RichVintage

Um das Milliardendefizit in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auszugleichen, plant die Bundesregierung unter anderem, den Zusatzbeitrag in der GKV von 1,3 auf 1,6 Prozent zu erhöhen. Durch diese Maßnahme sollen laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) fünf Milliarden Euro in die Kassen der Krankenkassen gespült werden.  

Angesichts der drohenden Beitragserhöhungen denken immer mehr Menschen über einen Wechsel ihrer Krankenversicherung nach – schließlich können die einzelnen Kassen den zu entrichtenden Zusatzbeitrag selbst bestimmen. Laut der am Montag vorgelegten Studie „Beitragserhöhung und Wechselbereitschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung 2022“ der Managementberatung Horvath denken derzeit knapp 60 Prozent der gesetzlich Versicherten über einen Wechsel ihrer Krankenkasse nach.  

Wechselbereitschaft insbesondere bei Familien

Vor allem bei Familien scheint die Wechselbereitschaft stark ausgeprägt. In Haushalten mit Kindern liegt die Wechselbereitschaft gar über 70 Prozent, während Single-Haushalte sich deutlich zurückhaltender (knapp unter 50 Prozent) äußerten. „In früheren Erhebungen waren es vor allem Singles, die ihre Krankenkasse regelmäßig in puncto Preis-Leistung unter die Lupe genommen haben. Jetzt sind es mit großer Mehrheit Familien, die aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten über einen Wechsel nachdenken“, kommentierte Studienleiter Simon Arne Manner das Ergebnis.  

Von der wachsenden Wechselbereitschaft könnten nicht nur die gesetzlichen Kassen mit geringem Zusatzbeitrag profitieren, sondern auch die private Krankenversicherung. Zwar erklärten 45 Prozent der rund 1.000 Befragten, innerhalb der GKV wechseln zu wollen. 14 Prozent gaben jedoch auch an, über einen Wechsel in die private Krankenversicherung nachzudenken. Auch die Ratingagentur Assekurata hatte jüngst in einem Blogbeitrag die Vermutung geäußert, dass die private Krankenversicherung durch die drohenden Beitragssteigerungen insbesondere für junge Menschen wieder attraktiver werden könnte.  

Dass die Wechselbereitschaft der gesetzlich Versicherten angesichts der durch Energiekrise und Inflation geprägten unsicheren finanziellen Situation steigt, dürfte kaum überraschen. Allerdings sollte das hiermit verbundene Einsparpotenzial nicht überschätzt werden, mahnen die Studienautoren. Verglichen mit Sparmaßnahmen bei Energie- oder Mobilitätskosten hat ein Wechsel zu einer Krankenkasse mit geringfügig niedrigerem Beitrag auch in einer mehrköpfigen Familie keinen sehr großen Effekt. Die Beiträge unterscheiden sich bei genauem Blick auf die Leistungen und Zusatzangebote nur minimal. Und wie die Studie zeigt, wollen die Versicherten bei den Versorgungsleistungen keine Abstriche machen“, so Manner.

Nicht nur Preis ist entscheidend

Nichtsdestotrotz dürften die steigenden Lebenserhaltungskosten die Menschen zu einem Wechsel ihrer Krankenversicherung animieren, schätzen die Studienautoren. Schließlich gilt seit Anfang 2021 ein vereinfachtes Sonderkündigungsrecht.  

Bei einem möglichen Wechsel schauen die Wechselwilligen jedoch nicht ausschließlich auf die Höhe der zu zahlenden Beiträge. Auch der Leistungskatalog der Krankenkassen wird von den Versicherten ins Auge genommen. So gaben 62 Prozent der Befragten an, dass „niedrige Kosten“ für sie eine hohe Relevanz besitzen. 58 Prozent erklärten, bei einem Wechsel auf „bessere Versorgungsangebote“ zu achten. Demgegenüber nehmen ein schneller Kundenservice, digitale Angebote und Nachhaltigkeit nur eine untergeordnete Rolle ein.    

Mittel- beziehungsweise langfristig lohnt es sich für Versicherungsnehmer jedoch auch, auf Gesundheitsservices zu achten. Laut Assekurata könnten präventive Services, die die Gesundheit der Versicherten fördern, „ein zentraler Hebel für die Beitragsstabilität“ sein.