Gesamtmetall-Chef hält Rente mit 70 für unausweichlich

Florian Burghardt Berater

In den vergangenen Wochen war erneut eine Diskussion um die Anpassung des Renteneintrittsalters aufgekeimt. Nun hat sich mit Gesamtmetall-Chef Dr. Stefan Wolf jemand dafür ausgesprochen, der viele körperlich hart arbeitende Menschen vertritt.

Bild: Amin Akhtar

Für Dr. Stefan Wolf, Präsident des Gesamtverbands der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie, ist die Rente mit 70 unausweichlich. Andernfalls sei das gesetzliche Rentensystem mittelfristig nicht mehr finanzierbar. Bild: Amin Akhtar

Dr. Stefan Wolf sieht kein Vorbeikommen an der Rente mit 70. Das sagt der Präsident des Gesamtverbands der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie, kurz Gesamtmetall, in den Montagsausgaben der Zeitungen der Funke Mediengruppe.

„Stufenweise werden wir auf das Renteneintrittsalter von 70 Jahren hochgehen müssen – auch weil das Lebensalter immer weiter steigt“, wird Wolf zitiert. Schaue man sich die demografische Entwicklung und die Belastungen der Sozial- und Rentenkassen an, dann seien die Reserven aufgebraucht. Das habe zur Folge, dass alle länger und mehr arbeiten müssten, weil das System ansonsten mittelfristig nicht mehr finanzierbar sei, so Wolf.

Das deckt sich leider nicht mit den Ruhestandsplanungen vieler Deutscher. Aktuellen Umfragen zufolge will jeder Dritte bereits aufhören zu arbeiten, bevor er das entsprechende Alter für einen abschlagsfreien Bezug erreicht hat. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre würde dies erschweren. Wer dennoch mit (hohen) Abschlägen in Rente geht, würde dem System die benötigte Unterstützung entziehen.

Anhebung des Renteneintrittsalters bleibt Thema

In den vergangenen Wochen war eine Diskussion um die mögliche Einführung der 42-Stunden-Woche aufgekeimt. In deren Fahrwasser schwammen auch eine Anhebung des Renteneintrittsalters sowie eine Kopplung des Renteneintritts an die gestiegene Lebenserwartung mit. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und seine Partei lehnen dies entschieden ab.

Die Gewerkschaft ver.di beispielsweise betont, dass man das Renteneintrittsalter nicht pauschal nach der allgemeinen Lebenserwartung ausrichten dürfe. Viel aussagekräftiger sei die „beschwerdefreie Lebenserwartung“. Denn Menschen, die ein Leben lang körperlich hart gearbeitet hätten, könnten häufig gar nicht bis 65 oder 67 weiterarbeiten. Mit Gesamtmetall-Chef Wolf hat sich nun aber jemand gegenteilig geäußert, der mit seinem Verband 3,88 Millionen Beschäftigte vertritt (Stand: Februar 2022), von denen viele in die von ver.di genannte Gruppe fallen.