Geldanlage: Mehr (Infra)Struktur im Depot

Stefan Terliesner Investmentfonds Top News

Investments in Infrastruktur trotzen der Krise und bringen Eigenschaften mit, die der anhaltenden Inflation stabil entgegenstehen. Entsprechend wachsen auch die Möglichkeiten für Privatanleger.

Infrastruktur Bild: Thierry Monasse / Kontributor

Trotz Krise performten Infrastrukturfonds zuletzt weiter souverän. Bild: Thierry Monasse / Kontributor

Es gibt eine Aktiengattung, die allen aktuellen Krisen zum Trotz gut performt: Börsennotierte Infrastrukturwerte. „Sie hatten ein sehr starkes Jahr 2021 und auch im bisherigen Jahresverlauf schnitten sie deutlich besser ab als die breiteren globalen Aktienmärkte“, sagt Bertrand Cliquet, Analyst im Fondsmanagement-Team des Lazard Global Listed Infrastructur Equity Fund, der für die letzten zwölf Monate eine Rendite von rund 10 Prozent aufweist.

Besser als die Indizes

Selbst in diesem Jahr, in dem große Aktienindizes wie der US-amerikanische Dow Jones und der deutsche DAX mit 10 Prozent beziehungsweise 16 Prozent im Minus liegen, schafft der Lazard-Fonds ein Plus von gut 3 Prozent. Andere Infrastrukturfonds zeigen eine noch beeindruckendere Wertenwicklung. So legte der DWS Invest Global Infrastructure seit Januar um mehr als 14 Prozent zu. Ein Grund: In unsicheren Zeiten würden sich die Anleger defensiven Anlagen zuwenden, „insbesondere solchen, die einen gewissen Inflationsschutz bieten können“, erklärt Cliquet die Entwicklung.

Beide Vorzüge – defensive Anlage und Inflationsschutz – müssen erklärt werden. Zunächst einmal gelten Infrastruktur-Investment als defensiv, weil es sich um Produkte handelt, die stets gebraucht werden. Unter die Kategorie fallen die Bereiche Energie, Wasser, Gesundheit, Verkehr, Kommunikation und Bildung. Entsprechend vielfältig sind die konkreten Anlageziele: Stromnetze, Gasleitungen, Wasserversorger, Abwasserentsorger, Krankenhäuser, Kliniken, Mautstraßen, Flughäfen, Schienenwege, Mobilfunkmasten, Glasfasernetze sowie Schulen und Universitäten. „Es handelt sich also um Dienste, die essenziell für die Gesellschaft sind“, betont auch Vinay Sharma, Portfoliomanager von Union Investment.

Schutz vor Inflation

„Gleichzeitig sind Infrastrukturanlagen in einem von Inflation geprägten Marktumfeld besonders gefragt“, ergänzt Jana Rietow, Produktspezialistin beim Fondsanbieter DWS. Ihre Begründung: „Die Erträge dieser Unternehmen sind oftmals an die Inflation gekoppelt. Staatliche Konzessionen oder Leasingverträge erlauben es den Besitzern und Betreibern, die zusätzlichen Kosten, die durch die Inflation entstanden sind, in Form von Preiserhöhungen weiterzugeben, um somit ihre Erträge sicherzustellen.“ Allerdings schützt nicht jede Infrastrukturanlage automatisch vor Inflation. Hierauf weist Cliquet hin. „Von den rund 400 börsennotierten Aktien, die es auf den Infrastrukturmärkten weltweit gibt, bieten weniger als 25 Prozent einen Inflationsschutz.“ Die Auswahl sei daher von entscheidender Bedeutung.

Die Attraktivität von Investments in Infrastruktur hat in den vergangenen Jahren mehrere Fondsanbieter dazu bewogen, neue Produkte aufzulegen. Union Investment zum Beispiel hat am 1. Juni einen Infrastrukturfonds für Privatanleger auf dem Markt gebracht, den UniNachhaltig Aktien Infrastruktur. Bisher hatte das genossenschaftliche Fondshaus nur entsprechende Anlagevehikel für institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen. Eigenen Angaben zufolge schätzen diese Profi-Anleger die stabilen Erträge und hohen Ausschüttungen von Infrastrukturunternehmen, denn oft sind sie in einem geschützten Markt tätig oder sind ein regionaler Monopolist. Bespiele dafür seien Versorger.

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