Energiekrise: Spediteure warnen vor mangelndem Versicherungsschutz

Florian Burghardt Berater Versicherungen

Der Gasmangel könnte einige Branchen hart treffen. Die Lobby der Lkw-Fahrer und Frachtführer warnt nun vor mangelndem Versicherungsschutz für temperaturgeführte Lager.

Im Falle eines Gasengpasses könnten die Betreiber von Kühllagern Probleme bekommen – auch bei ihrem Versicherungsschutz. Davor warnt nun die Lkw-Lobby ELVIS. Bild: sorn340

Im Falle eines Gasengpasses könnten die Betreiber von Kühllagern Probleme bekommen – auch bei ihrem Versicherungsschutz. Davor warnt nun die Lkw-Lobby ELVIS. Bild: sorn340

Gas wird gerade nicht nur erheblich teurer – manche Branchen stellen sich sogar die Frage, ob sie noch genug von dem Rohstoff erhalten werden, um in den nächsten Monaten und speziell über den Winter ihren Betrieb aufrechterhalten können.

Eine Warnung in Richtung der Betreiber temperaturgeführter Lager, also zum Beispiel für tiefgekühlte Lebensmittel, hat nun der Europäische Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure (ELVIS AG) ausgesprochen. ELVIS ist die Interessenvertretung von über 200 Unternehmen, die als Lkw-Speditionen und Frachtführer in ganz Europa tätig sind. Die Lagerhalter sind also ihre Geschäftspartner. Ihnen empfiehlt die Lkw-Lobby, mit Blick auf die Energiekrise, ihren Versicherungsschutz zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

„Die Gefahr, dass es zu Lieferengpässen bei Flüssiggas kommt, steigt mit jedem weiteren Kriegstag. Da die Kühlung vieler Lager über diesen Energieträger erfolgt, drohen den Betreibern massive Probleme und Kostenrisiken“, sagt Nikolja Grabowski, Vorstand der ELVIS AG. Es sei nicht auszuschließen, dass bei einem zu großen Gasmangel der Notfallplan umgesetzt würde, der zuerst die Industrie träfe, so Grabowski. Sofern dann die Kühlung der Lager nicht aufrechterhalten werden kann, sollten deren Betreiber vorher wissen, ob ihr Versicherer die Schäden für verdorbene Ware und gegebenenfalls Lieferkettenunterbrechungen trägt.

Vor Gasmangel wurde frühzeitig gewarnt

Denn entsprechend der verschuldensunabhängigen Obhutshaftung sei in solchen Fällen grundsätzlich der Lagerhalter in der Haftung, schreibt ELVIS in einer Presseinformation. Eine Ausnahme davon sei nur möglich, wenn der Schaden auch bei Einhaltung der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns eingetreten wäre. Den Beweis dafür zu erbringen, hält die Lkw-Lobby aber für schwierig. Denn sowohl die Bundesregierung als auch die Gasversorger hätten in der Vergangenheit immer wieder über mögliche Lieferengpässe informiert. Ein so genannter „idealer“ Lagerhalter, so ließe sich argumentieren, hätte also zeitlich die Möglichkeit, sich auf die Situation einzustellen, Alternativen zu prüfen und Lösungen zur Abwehr eines drohenden Schadens vorzunehmen.

Dass Warenschäden in Ermangelung von Gas und Kühlung von der Verkehrshaftungsversicherung der Transporteure übernommen werden, darauf sollten sich alle Beteiligten, laut Grabowski, nicht allzu sehr verlassen. Daher sei es nun wichtig, sich genau über mögliche Obliegenheitsverletzungen und Ausschlüsse bei den Versicherern zu informieren.