„Ein Maklerhaus benötigt definitiv eine gewisse Größe“

Martin Thaler Berater Top News Meistgeklickt

procontra: Der Zukauf von Maklerhäusern erfordert viel Kapital. Wie finanziert Policen Direkt die Zukäufe?

Nörtersheuser: Wir sind stolz darauf, zu 100 Prozent in privater Hand zu sein und keine institutionellen Investoren wie Private Equity Fonds an Bord zu haben. Dies ermöglicht uns, gemäß unserem Motto, wirklich unabhängig zu sein, nämlich auch von den häufig kurzfristigen Interessen solcher Private Equity Investoren. Wir hegen eine langfristige Strategie, zu der der typische „fünf-Jahres-Kaufen-dann-Verkaufen-Zyklus“ eines Private Equity Fonds einfach nicht passt. Somit sind unsere Übernahmen auch ausschließlich durch Kapital der Policen Direkt-Gruppe und private Investoren finanziert.  

Knein: Wir haben uns bewusst gegen die Option einer Private-Equity-Finanzierung entschieden und sind stolz darauf, zu Beginn des Jahres einen Privatinvestor mit einem langfristigen Investmenthorizont aufgenommen zu haben, der unseren Wachstumskurs auch nachhaltig unterstützt.  

procontra: Die Konsolidierungswelle ist in vollem Gange. Welche Rolle spielt zukünftig die Größe des Unternehmens, um als Makler Erfolg zu haben?    

Knein: Die Größe eines Maklers spielt natürlich eine wichtige Rolle. Zum einen bei vertrieblichen Themen, wie der Verhandlung von Courtagesätzen, der Entwicklung von Spezialdeckungskonzepten, und dem Vorhalten von spezifischem Sparten- und Branchen-Know-How. Zum anderen spielen aber auch die Themen Digitalisierung und Mitarbeitergewinnung in die Karten größerer Maklerhäuser bzw. -gruppen, da diese deutlich bessere Möglichkeiten und finanzielle Mittel haben als ein einzelnes, mittelständisches Maklerhaus. Aktuell ist die Tendenz klar zu erkennen, dass es für kleinere Versicherungsmakler immer schwieriger wird, mit den Entwicklungen der IT mitzuhalten, als auch die benötigten Talente für sich zu gewinnen.  

Nörtersheuser: Um langfristig in dieser Marktsituation bestehen zu bleiben, benötigt ein Maklerhaus definitiv eine „gewisse Größe“. Diese Größe gilt es zügig zu erreichen, um weiterhin am Markt partizipieren zu können. Um genau diese Größe zu erreichen und nachhaltig zu expandieren, sollten sich viele Makler schnellstmöglich nach einem strategischen Partner umsehen. 

procontra: Sie sprachen zuletzt von 15 Standorten, die Sie mit ihrer Maklergruppe besetzen wollen. Hat dieses Ziel weiterhin Bestand oder müssen Sie es angesichts der verstärkten Konkurrenz anpassen?  

Knein: Ja, dieses Ziel hat weiterhin Konstanz. Wir sind dieses Jahr mit sechs Zukäufen bereits kräftig gewachsen und haben unsere Anzahl an Standorten mehr als verdoppelt. Mit unseren aktuell neun Standorten deutschlandweit befinden wir uns auf einem guten Weg zu unserem mittelfristigen Ziel von 15 Standorten. Jedoch möchten wir uns durch diese Zahl nicht „einschränken“ lassen – wir haben auch durchaus Interesse 20 Standorte oder mehr zu führen – wichtig ist hierbei aber immer eine gewisse Größe je Standort. Und natürlich auch die Qualität der Maklerhäuser, denn wir möchten unsere Maklergruppe mit den besten Maklern in Deutschland aufbauen.  

Nörtersheuser: Wir glauben weiterhin fest daran, dass wir das Ziel von 15 Standorten auch mittelfristig erreichen werden. Und zwar trotz der verstärkten Konkurrenz durch andere Maklergruppen oder Pools, denn wir gehen davon aus, dass sich unsere kooperative Unternehmenskultur, unser Qualitätsanspruch und unser Finanzierungsmodell langfristig durchsetzen werden.

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