Direktzusagen: Warum die Zinswende Pensionsverpflichtungen senkt

Detlef Pohl Berater

Wie steigende Zinsen bereits auf Direktzusagen wirken

„Die Rechnungszinsen sind auf Zehnjahreszeitraum nie so dynamisch angestiegen wie in den vergangenen sechs Monaten“, sagte Wolfgang Murmann von Insight Investment der FAZ bei Vorstellung der Studie. Dies seien sehr gute Nachrichten, denn der Barwert der Pensionsverpflichtungen sinkt und entlastet die Unternehmensbilanzen. „Je nach Duration sind die Verpflichtungen um 20 bis 40 Prozent gesunken“, so Murmann weiter. Und fügt etwas technisch formuliert hinzu: „Die starke Verpflichtungsperformance dürfte die schwache Assetperformance kompensieren.“

Für künftige Betriebsrentner ist dies nicht unbedingt eine positive Nachricht. Denn neben der anziehenden Inflation, die bei Fortschreibung über 40 Jahre eine Betriebsrente fast auf ein Drittel der Kaufkraft abschmelzen würde, sind die gängigen Beitragsgarantien ein Risiko. „Eine Beitragsgarantie wird als etwas Positives dargestellt“, sagt Olaf Stotz, Finanzprofessor der Frankfurt School. Vordergründig höre sie sich für zukünftige Rentner positiv an, ist aber mit Kosten verbunden. Die im Mittelstand verbreitete Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) sei gegenüber aktuellen Kapitalmarktrisiken empfindlicher als die in Konzernen verbreiteten direkten Leistungszusagen der Arbeitgeber.

Politische Hausaufgaben

Die bAV-Regulatorik insgesamt braucht dringend Veränderung. Alte bAV-Zusagen seien meist sehr gut, doch die bAV-Chancen für neue Mitarbeiter stünden schlecht, weil Arbeitgeber kaum noch genug Gesamtbudget für die bAV hätten, meint Susanna Adelhardt, Head of Benefits beim Spezialchemiehersteller Evonik Industries.

„Da weder die zugesagte Leistung nachträglich gekürzt noch der vereinbarte Beitrag im Laufe der Zeit erhöht werden dürfen, muss der Beitrag mit erheblichen Sicherheiten kalkuliert werden, was ihn in die Höhe treibt“, ergänzt Friedemann Lucius, Vorstandsvorsitzender des bAV-Beraters Heubeck.

Echte Kapitalmarktpartizipation durch BZML behindert

„Zusätzlich verlangt das Aufsichtsrecht, dass Versorgungsverpflichtungen zu jeder Sekunde während des gesamten, oft jahrzehntelangen Versorgungsverhältnisses mit Vermögen bedeckt sein müssen“, erinnert Lucius. Folge: Beiträge müssen schwankungs- und damit renditearm in meist festverzinsliche Anlagen investiert werden, wodurch eine echte Kapitalmarkt-Partizipation verhindert wird. Fast ein Jahr nach Unterzeichnung des Koalitionsvertrages hat die Bundesregierung noch kein Gesamtkonzept vorgelegt, um die Altersvorsorge zukunftsfest zu machen.

Zur Erinnerung: Der Höchstrechnungszins bei klassischen Rentenversicherungen ist seit 1. Januar dieses Jahres im Neugeschäft von 0,9 auf 0,25 Prozent abgesenkt worden. Das garantierte Kapital am Ende der Laufzeit fällt damit bei anhaltendem Niedrigzins wesentlich geringer aus. Bei der BZML muss der Versicherer trotz abgesenktem Garantiezins weiterhin 100 Prozent Beitragsgarantie darstellen. Daher wird vielfach in der bAV schon die beitragsorientierte Leistungszusage (BoLZ) geboten.

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