Der Run-off-Zug nimmt wieder Fahrt auf

Gastkommentar Versicherungen

Nachdem in den vergangenen Jahren kaum externe Run-offs zu verzeichnen gewesen waren, kommt nun wieder Bewegung in den Markt. Warum die Veräußerung von Altbeständen für die Versicherer wieder interessanter wird, erklärt Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will in seinem Gastkommentar.

Dr. Reiner Will Bild: Assekurata

Dr. Reiner Will ist geschäftsführender Gesellschafter und Mitbegründer der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur Bild: Assekurata

Nachdem die Generali Lebensversicherung am 30. April 2019 ihre deutsche Lebensversicherungssparte an die Viridium Gruppe verkauft hatte, kühlte das Thema Run-off etwas ab.  Knapp drei Jahre später aber nimmt der Run-off-Zug wieder Fahrt auf: Ende Juni gab die Zurich Gruppe Deutschland bekannt, dass sie ihren Bestand an traditionellen Lebensversicherungs-Policen an die Abwicklungsplattform Viridium Group GmbH & Co. KG verkauft. Die Transaktion umfasst rund 720.000 traditionelle Verträge mit einer Deckungsrückstellung von rund 20 Milliarden Euro.

Nur unmittelbar danach setzte die Axa einen drauf. Sie will rund 900.000 klassische Lebens- und Rentenpolicen an die Run-off-Plattform Athora veräußern. Dies entspricht rund 20 Prozent des Gesamtbestandes. Der Zeitpunkt ist aus Sicht der bestandsabgebenden Unternehmen recht günstig gewählt. Zwar ist mit den jüngst gestiegenen Zinsen der Ertragsdruck auf die Lebensversicherer gesunken, andererseits gewinnen die Altbestände dadurch wieder an Wert, was einen externen Run-off attraktiver machen kann. Beide Effekte werden aber erst mittelfristig spürbar.

Zukunft statt Vergangenheitsbewältigung

Sich mit der Veräußerung von Beständen zu beschäftigen, hat unmittelbar vor allem Kostengründe. Die komplexe Verwaltung der weitgehend geschlossenen Garantiebestände, häufig verbunden mit notwendigen Investitionen in die IT-Systeme, spricht dafür. Abwicklungsplattformen setzen hier auf Standardsoftware, Selfservices und Massengeschäft, was Effektivität und Effizienz steigert und zu höheren Kostengewinnen führt.

Zugleich sinkt bei den abgebenden Versicherern der Kapitalbedarf und die Ausrichtung auf kapitaleffizientere und im Neugeschäft attraktivere Produkte wird gestärkt. Kapitaleffizienz hat vor allem für Lebensversicherer aus börsennotierten Gruppen eine zentrale Bedeutung. Es sind gerade solche Gruppen, die bisher den Weg des externen Run-offs gegangen sind. Für einen Run-off spricht zu guter Letzt auch, dass das abgebende Unternehmen hierdurch Managementkapazitäten freisetzt, die es dann für strategische Zukunftsfelder statt für eine lang andauernde Vergangenheitsbewältigung einsetzen kann.