bAV: Worauf Firmen bei Bezug im Ausland achten sollten

Detlef Pohl Berater

Rund 248.000 Deutsche beziehen ihre Rente im Ausland, Tendenz steigend. Mit ihnen wächst auch die Zahl der bAV-Rentner im sonnigen Süden. Welche Aspekte dabei für Arbeitgeber und deren Berater wichtig sind.

Wer die Betriebsrente unter Palmen genießen will, muss sich auf seinen früheren Arbeitgeber oder den Versorgungsträger verlassen können, manche Kosten bleiben aber am Rentner hängen, weiß Michael Hoppstädter. Bild: Michael Watz

Wer die Betriebsrente unter Palmen genießen will, muss sich auf seinen früheren Arbeitgeber oder den Versorgungsträger verlassen können, manche Kosten bleiben aber am Rentner hängen, weiß Michael Hoppstädter. Bild: Michael Watz

Ob Griechenland, Balearen oder Südostasien – der Trend zum Auswandern im Ruhestand hält an. Bezieht ein Rentner außerhalb von Deutschland Versorgungsleistungen aus einer Direktzusage oder gegebenenfalls auch einer Unterstützungskasse, betrifft der Ausstieg auch seinen früheren Arbeitgeber, weiß Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des bAV-Dienstleisters Longial, der zur Ergo-Gruppe gehört.

Longial hat 2021 nach eigenen Angaben für seine Arbeitgeber-Kunden Renten in gut 40 Staaten rund um den Globus überwiesen, nahezu doppelt so viele wie 2010. „Nicht zuletzt aufgrund des hohen administrativen Aufwands lassen immer mehr Unternehmen die Abrechnung und Auszahlung der Betriebsrenten von spezialisierten Beratern und Dienstleistern erledigen“, so Hoppstädter, der das Unternehmen Ende September verlassen wird. Longial verwaltet 20.000 Rentner und zahlt 100 Millionen Euro Renten- und Kapitalzahlungen pro Jahr aus.

Outsourcing der Pensionsverwaltung

Die Kosten für diesen Service lassen sich nicht pauschal beziffern, da sie wesentlich von der Anzahl der Personen abhängen, darüber hinaus davon abhängen, wie die Versorgungszusage aussieht. Der Preis beschränkt sich laut Hoppstädter auch nicht auf die Auszahlung und Abrechnung. Es gibt ja auch noch andere Geschäftsvorfälle bei Betriebsrentnern, etwa Pfändungen, Vorsorgevollmachten, Scheidungen, Lebensbescheinigungen, Änderungen der Krankenkasse, Adressänderungen, geänderte Bankverbindungen. „All dies gehört zu einer Pensionsverwaltung dazu. Eine besondere Zulassung braucht man für die reine Auszahlung und Abrechnung nicht, man braucht 'nur' ein passendes Abrechnungssystem und ein Grundverständnis für die Prozesse einer Abrechnung (Zahlstellenmeldeverfahren, Lohnsteuerbescheinigungen, Abrechnungen)", so der Experte. Denkbar sei dies auch für Makler.

Kostenübernahme und administrativer Aufwand

Wer die Kosten einer Überweisung der Betriebsrente ins Ausland trägt, richtet sich in der Regel nach den Bestimmungen des Versorgungswerks. In vielen Fällen ist vorgesehen, dass Kosten in Zusammenhang mit der Zahlung einer Betriebsrente ins Ausland zu Lasten der Versorgungsberechtigten gehen. Aber auch der administrative Aufwand sei für die Unternehmen meist höher als innerhalb des Bundesgebiets, vor allem, wenn der Mitarbeiter nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt und nach seinem aktiven Berufsleben in sein Heimatland zurückkehrt.

„Sogenannte Lebensbescheinigungen sind in vielen Ländern unbekannt und offizielle Dokumente werden meist nur in der Landessprache ausgefertigt“, benennt Hoppstädter zwei Problemfelder. Oft stellt sich auch die Frage, wer die Kosten für eine professionelle Übersetzung zu tragen hat. Darüber hinaus gelten meist vollkommen andere Rechtsgrundlagen, die Fragen aufwerfen, etwa ob eine Betriebsrente im Ausland pfändbar ist oder der Arbeitgeber einen Pfändungsbeschluss im Ausland gegen sich gelten lassen muss.

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