Altersvorsorge: Warum sie zu teuer ist und wie das zu ändern wäre

Detlef Pohl Berater Top News

Die Kosten lassen sich grob in drei große Blöcke aufteilen: Abschluss- und Vertriebskosten, Verwaltungskosten des Vertrages und Kapitalanlagekosten. Die Abschlussvergütung berechnet sich auf Basis der Summe der über die Vertragslaufzeit geleisteten Beiträge. Der Betrag von rund 4,0 Prozent wird über die ersten 60 Monate gleichmäßig verteilt (Zillmerung). Hinzu kommen 1,0 bis 2,0 Prozent laufende Bestandsprovisionen über die gesamte Laufzeit des Vertrages. „Bezogen auf die Effektivkosten liegen die Kosten für Abschluss- und Vertrieb üblicherweise bei 0,4 bis 0,8 Prozent pro Jahr“, so del Pozo.

Höhe der Provision über gesamte Laufzeit verteilen

Bei fachkundiger Beratung sei an der Höhe der Vergütung nur die ungleiche zeitliche Verteilung der Kosten zu bemängeln. „Die zugrunde liegen Fonds müssten eine Rendite von knapp elf Prozent pro Jahr in den ersten 60 Monaten hinlegen, um die anfallenden Kosten wieder einzuspielen, bei einer konstanten Wertentwicklung des Vertrages von 6,0 Prozent würde es in etwa ein Drittel der Vertragslaufzeit benötigen, bis der Vertragswert die eingezahlten Beiträge übersteigt“, legt del Pozo den Finger in die Wunde. So viel Geduld haben informierte Anleger oftmals nicht. Entsprechend hoch sei die anfängliche Stornoquote.

Die Kosten für die Verwaltung des Vertrages bezogen auf die Effektivkosten liegen bei günstigen Anbietern zwischen 0,5 und 0,7 Prozent pro Jahr, bei teureren Anbietern bei 1,0 Prozent und darüber. „Da die Digitalisierung bei Lebensversicherern im Gegensatz zur Fondsbranche noch wünschen übriglässt, müssen viele Aktionen noch manuell ausgeführt werden“, kritisiert der Fintech-Chef.

Größte Spannbreite bei Kapitalanlagekosten

Bleiben die Kapitalanlagekosten, die stark von der Art der Kapitalanlage bestimmt werden und entsprechend die größte Spannbreite der Gesamtkostenquote aufweisen, gerade bei ETF im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds. ETF sind mittlerweile ab 0,15 Prozent pro Jahr zu haben, aktiv gemanagte Fonds (Dachfondskonstruktion) können bis zu 2,5 Prozent pro Jahr des Vertragsguthabens kosten.

Versicherer erhalten von Fondsgesellschaften bei aktiven Fonds üblicherweise eine Vergütung für den Einsatz in Fondspolicen. Diese Vergütung fließt an den Kunden zurück und reduziert dadurch die teils hohen Kosten aktiver Fonds. Laut BaFin werden im gewichteten Mittel 52 Prozent der Kickbacks an die Kunden ausgeschüttet, bei rund einem Viertel der Policen sogar 100 Prozent. Oftmals werden von Versicherern aber auch sogenannte institutionelle Anteilsklassen verwendet, die oftmals nur halb so teuer sind, da diese ohne Vergütung für den Versicherer auskommen.

„Da die Kapitalanlagekosten den höchsten Streueffekt in den Effektivkosten haben, ist es wahrscheinlich, dass ETF ihren Siegeszug auch im Gewand einer Rentenversicherung weiterführen werden“, ist del Pozo überzeugt. Die Fondspaletten in den Tarifen der Versicherer sehen zwar zunehmend ETF vor, aber tatsächlich angekommen sei dieser Trend in der gesamten Branche noch nicht. Noch ausführlicher geht del Ponzo in seinem Blog-Beitrag auf das Thema ein.

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