Altersvorsorge: Warum sie zu teuer ist und wie das zu ändern wäre

Detlef Pohl Berater Top News

Die anhaltend niedrigen Zinsen der Lebensversicherer haben das Augenmerk auf die Kosten der Altersvorsorge gelegt. Die sind aus Kundensicht meist zu hoch, kritisiert Alberto del Pozo, Geschäftsführer von Mypension.

Ein Großteil der Versicherungslösungen ist zu teuer und schmälert somit die Rendite für die finanzielle Absicherung im Alter unter Umständen massiv, sagt Alberto del Pozo. Bild: Mypension

Ein Großteil der Versicherungslösungen ist zu teuer und schmälert somit die Rendite für die finanzielle Absicherung im Alter unter Umständen massiv, sagt Alberto del Pozo. Bild: Mypension

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat sich einen branchenweiten Überblick verschafft, wie die Kostenbelastung bei klassischen und fondsgebundenen Rentenversicherungen aussieht und die Ergebnisse veröffentlicht. Gefragt wurde nach Effektivkosten (TER) von Policen mit Laufzeiten zwischen 12 und 40 Jahren. In die Kennziffer fließen unter anderem Verwaltungskosten für die Fonds (Kapitalanlagekosten) und den Versicherungsmantel (Vertrags- und Risikokosten samt Abschlusskosten) ein.

Ergebnis: „Ein Großteil der untersuchten Versicherungslösungen ist zu teuer und schmälert somit die Rendite für die finanzielle Absicherung im Alter unter Umständen massiv“, urteilt Alberto del Pozo, Geschäftsführer von Mypension, einem Insurtech für die digitale Altersvorsorge, gegenüber procontra. Speziell bei Fondspolicen, die im aktuellen Marktumfeld die einzig sinnvolle Anlage darstellen, um Vermögen aufzubauen, stehe das Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem Prüfstand.

Die Effektivkosten von Fondspolicen

Fondspolicen waren im ersten Halbjahr 2021 durchweg teurer als die Klassikpolicen. Im gewichteten Mittel betrugen die Effektivkosten (TER) für eine Fondspolice mit 100 Euro Monatsbeitrag bei vier Eintrittsaltern zwischen 1,75 Prozent (40 Jahre Laufzeit) und 2,66 Prozent (12 Jahre Laufzeit). Die BaFin leitet daraus „Verbesserungsbedarf“ ab, unter anderem wegen potenzieller Interessenkonflikte im Vertrieb. Auch auf europäischer Ebene stehe das Preis-Leistungs-Verhältnis von Fondspolicen derzeit im Fokus der Aufsicht, „wie ein EIOPA-Bericht zeigt, dessen Ergebnisse sich größtenteils mit denen der BaFin decken“, so del Pozo.

Bei 30 Jahren Laufzeit betragen laut BaFin-Umfrage die Effektivkosten im gewichteten Mittel 1,9 Prozent. Das findet der Mypension-Chef viel zu hoch. „Das bedeutet, dass von einer unterstellten jährlichen Rendite von 6,0 Prozent vor Kosten für den Anleger letztlich nur 4,1 Prozent Rendite nach Kosten übrigbleiben und etwa ein Drittel der Rendite durch Kosten aufgezehrt wird“, erklärt der Experte.

Zum Vergleich: Bei Mypension liegen die Effektivkosten für die ausschließlich gebotenen ETF-Policen lediglich bei 0,86 Prozent pro Jahr. Was für den Anleger zu 5,14 Prozent jährlicher Rendite führt. Über 30 Jahre Laufzeit summiere sich dieser Vorteil bei 100 Euro Monatsbeitrag auf rund 20 Prozent Mehrrendite (+ 14.000 Euro) (siehe Grafik).

Wie ein Insurtech die Kosten in allen Bereichen drückt

Hintergrund: Das Insurtech geht in allen drei Bereichen, in denen Kosten anfallen können, den für Kunden bestmöglichen Weg: Man verzichtet auf Abschluss- und Vertriebskosten, hat niedrige Verwaltungskosten, da viele Prozesse digitalisiert ablaufen, und bietet ein sehr kostengünstiges, ETF-basiertes „Weltportfolio“ an. Damit deutet del Pozo die wichtigsten Auswege aus der Kostenspirale an, wohl wissend, dass Abschluss- und Vertriebskosten für viele wegen der nötigen Beratung nicht verschwinden werden.

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