Was taugt die neue Schüler-BU der Nürnberger?

Gastkommentar Versicherungen Top News von Tobias Bierl

Die Nürnberger hat mit der „Schüler BU4Future“ eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler herausgebracht. Hat sich die lange Wartezeit gelohnt oder ist der neue Tarif überflüssig? Versicherungsmakler Tobias Bierl hat sich den Tarif einmal genauer angeschaut.

Versicherungsmakler Tobias Bierl. Bild: Privat

Hat sich die neue Schüler-BU der Nürnberger einmal genauer angeschaut: Versicherungsmakler Tobias Bierl. Bild: Privat

Die Nürnberger bringt als drittgrößter Anbieter am Markt im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung endlich eine eigenständige und echte Schüler-Berufsunfähigkeitsversicherung auf den Markt mit dem Namen „Schüler BU4Future“. Bishergab es nur die unechte Form in Gestaltung einer Schulunfähigkeitsversicherung.

Das junge Entwicklerteam im Bereich Leben von der Nürnberger hatte nun den Vorteil, einen gefestigten Markt zu beobachten und viele Positive Aspekte in die eigene Entwicklungeinzubauen.

Was gut gelungen ist und wo noch Verbesserungspotential herrscht:

Gut Gelungen in meinen Augen:

1.) Definition „Schüler“ im Leistungsfall wurde sauber beschrieben. Es wird der Schulalltag mit seiner konkreten Ausgestaltung berücksichtigt. Da Leistungsfälle bei Schülern grundsätzlich aber sehr selten vorkommen, bekommt die technische Ausgestaltung einen sehr hohen Stellenwert während der Laufzeit.

2.) Nachversicherungsgarantien erfolgen ohne erneute Risikoprüfung und nicht nur ohne Gesundheitsprüfung. Einer der wichtigsten Punkte für uns auf dem Papier. Um dauerhaft eine bedarfsgerechte Absicherung zu bekommen, ist das Ziehen einer späteren Nachversicherungsoption sehr wichtig. Dies erfolgt bei der Nürnberger ohne erneute Risikoprüfung. Dies bedeutet, es erfolgt keine erneute Nachfrage nach:

  • Aktueller beruflicher Tätigkeit
  • Neue Hobbys / Freizeitaktivitäten
  • Geplante Auslandsaufenthalte
  • Rauchverhalten
  • Körpergröße & Körpergewicht

Einmal „eingeloggt“ im Beruf und die versicherte Person kann niemals mehr schlechterfallen. Das stellt zwar für den Versicherer ein gewisses Risiko dar, aber der Markttrend der Mitbewerber ist hier mittlerweile eindeutig – der versierte Versicherungsvermittler fordert dies auch ein.Ebenso gibt es natürlich bei Berufseinstieg auch keine Nachmeldepflicht des aktuellen Berufes mit einer Neueinstufung, so wie es noch andere Marktteilnehmer wie die Continentale oder die Ergo pflegen.

3.) Nachversicherungsgarantien bis zu 3.000 Euro und sogar 6.000 Euro durch die Karrieregarantie. Gefühlt jahrzehntelang gab es den Deckel mit 2.500 Euro. Die Nürnberger hat diesen im vergangenen Jahr beim großen Update der BU4Future auf 3.000 Euro erhöht und zudem die sogenannte Karrieregarantie eingeführt. Dies bedeutet, dass unbefristet Angestellte ihre BU-Rente sogar bis 6.000 Euro erhöhen können bei steigendem Gehalt. Wie man schon herauslesen kann, gilt dies aber leider nicht für Selbstständige sowie Angestellte in Befristung. Trotzdem ein sehr positiver Wert, welcher insbesondere für angehende „Karrieren“ in Festanstellung interessant sein dürfte. Bei Berufseintritt kann die Rente um 100 Prozent erhöht werden.

4.) Ein Schüler kann sofort 1.500 Euro absichern. Ab der Hauptschule kann sich ein Schüler respektive die Eltern mit maximal 1.500 Euro absichern, was gleich einen Höchstwert am Markt darstellt. Grundschüler können sich noch nicht absichern. Hier muss der Wechsel auf mind. die Hauptschule abgewartet werden oder alternativ eine Schulunfähigkeitsversicherung als Zwischenlösung abgeschlossen werden.

5.) Eine saubere Verlängerungsgarantie bei Erhöhung der Regelaltersgrenze ist vorhanden. Es wird niemanden überraschen, wenn das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren langfristig nicht haltbar sein wird. So ist es wichtig, dass man bei der Nürnberger auch seinen BU-Schutz erhöhen kann auf das neue Endalter. Die Verlängerung ist ebenso möglich, wenn ein berufsständisches Versorgungswerk die Regelaltersgrenze erhöht.

6.) Es gibt vereinfachte Gesundheitsfragen mit verkürzten Abfragezeiträumen. Die Gesundheitsfragen sind oftmals das größte Hindernis zum ersehnten BU-Schutz. Die Nürnberger bietet bis zu 1.500 Euro & einem Eintrittsalter von 30 Jahren vereinfachte Gesundheitsfragen an, wovon logischerweise auch Schüler profitieren. Viele Abfragezeiträume sind erfreulicherweise auf drei statt wie üblich fünf Jahre beschränkt. Das ist positiv. Es kann zudem natürlich auch eine anonyme Risikovoranfrage bei der Nürnberger gemacht werden. Nicht so erfreut bin ich bei der exakten Fragestellung ohne Arztbesuche, die leider sehr oft gestellt wurde mit „Beschwerden, Krankheiten oder Funktionsstörungen”.

Kleinere Nettigkeiten:

Eine Teilzeitklausel ist auch fester Bestandteil in den Bedingungen, ebenso kann eine Arbeitsunfähigkeitsklausel sowie der Pflegeschutz bis zu fünf Jahre nach Vertragsabschluss eingebaut werden. Bei einer schweren Krebserkrankung gibt es für maximal 15 Monate Leistung mit vereinfachter Leistungsprüfung. Betterdoc ist automatisch Bestandteil des Vertrages.

Das gefällt mir nicht so gut:

1.) Die Beitragsdynamik endet mit 1.500 Euro und muss danach wieder aktiviert werden. Bei Schülern endet die Beitragsdynamik mit dem erstmaligen Überschreiten von über 1.500 Euro. Es genügt ein formloser Zweizeiler, dass man sich nun im Studium / in der beruflichen Ausbildung befindet. Trotzdem ist dies ein Mehraufwand für den Kunden sowie den Versicherungsvermittler. Nicht wenige dürften dies auch aus den Augen verlieren.

2.) Die Günstigerkeitsprüfung des Berufes kann von einer erneuten Risikoprüfung abhängig gemacht werden. Zuerst ist es positiv, dass es eine Prüfmöglichkeit des aktuellen Berufes gibt. Insbesondere für junge Schüler ist dies sehr wichtig, da die Haupt- oder Realschule i.d.R. nicht das Ende der schulischen wie beruflichen Laufbahn bedeutet. So ist es wichtig, dass eine sogenannte Günstigerkeitsprüfung stattfinden kann. Leider kann die Nürnberger unter Umständen aber eine erneute Risikoprüfung vornehmen. Derzeit findet dies in der Praxis zwar nicht statt, aber in den Vertragsbedingungen ist dies leider nicht verankert.

3.) Schade = es gibt keine Wechselmöglichkeit in den Tarif mit der Dienstunfähigkeitsklausel. Zuerst sei positiv erwähnt, dass die Nürnberger als einer der wenigen Anbieter eine (aber unechte) Dienstunfähigkeitsklausel anbietet. Diese ist nicht automatisch Bestandteil des Vertrages, sondern ein eigenständiger Tarif. Mit 11 Jahren weiß man selten, wo der berufliche Lebensweg hinführt. So ist es etwas ärgerlich, dass zum Beispiel bei einer Verbeamtung kein Wechselrecht vorhanden wäre ohne erneute Risikoprüfung. Es muss ein neuer Vertrag abgeschlossen werden.

Die verbesserungswürdigen Punkte sollten aber das an sich sehr gute Gesamtpaket der Nürnberger BU4Future nicht schmälern. Die Franken haben für uns über die komplette Laufzeit hinweg eines der stärksten und flexibelsten Vertragswerke am Markt.

Wie sind die Beiträge der BU4Future im Marktvergleich?

Erfreulicherweise muss ich attestieren, dass sich die Nürnberger keinem Preiskampf ausliefert, sondern auf die Nachhaltigkeit und Stabilität der Beiträge achtet (insbesondere bei Nicht-Gymnasiasten). Ein Aspekt, welcher langfristig immer wichtiger sein wird. Der 12-jährige Realschüler zahlt für 1.000 Euro bis 67 Jahre mtl. 49,04 Euro Netto (67,50 Euro Brutto). Die nennenswerten Mitbewerber liegen bei 42,28 Euro (LV 1871) bis 70,21 Euro (Condor).

Ein Schüler auf der gymnasialen Oberstufe mit 16 Jahren entrichtet für 1.500 Euro bis 67 Jahre bei der Nürnberger 54,11 Euro, was aktuell sogar den günstigsten Beitrag darstellt bei den engen Mitbewerbern. Der teuerste Anbieter wäre hier gerade die Alte Leipziger mit 62,25 Euro.

Fazit zur neuen Schüler BU4Future der Nürnberger

Wie nicht anders zu erwarten, kommt aus Nürnberg ein starkes Tarifwerk mit flexiblen Bedingungen. Man spielt bei der Absicherung für Schüler sofort im Kreis der sehr guten Gesellschaften mit. Die Nürnberger kann somit bei der Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung sicherlich jetzt hinzugezogen werden.

Hinweis: Auf seiner Website geht Makler Tobias Bierl vertiefend und praxisorientiert auf die Berufsunfähigkeitsversicherung ein. Auf seinem Blog zur Berufsunfähigkeitsversicherung berichtet Bierl aus dem Alltag zur Arbeitskraftabsicherung.