Tierversicherungen: Zukunftsmusik und Stolperfallen

Berater Top News von Imke Reiher

Der Markt für Haustiere boomt und ist zu einem Milliardengeschäft avanciert. Die Vierbeiner sind ein emotionaler Türöffner beim Kunden und im Ernstfall oft unterversichert.

Tierversicherungen Bild: inside-studio

Bei OP-Versicherungen für Hund und Katze liegt der Teufel wie so oft im Detail. Bild: inside-studio

Deutschland ist ein El Dorado für Hunde und Katzen. Laut Statista leben rund 28 Millionen der flauschigen Vierbeiner in deutschen Haushalten – Tendenz steigend. Über die Jahre sind sie zu einem lukrativeren Wirtschaftsfaktor avanciert, was die Umsätze der Heimtierbranche widerspiegeln. Das lockt neue Anbieter auf den Markt und sorgt für Produkt-Nachschub. Auch für Berater kann es sich lohnen, die vierbeinige Klientel im Fokus zu haben, denn Tiere sind ein guter Ansatzpunkt, um ins Gespräch zu kommen – und ins Geschäft. Ohne die richtige Versicherung kann es für Besitzer im Ernstfall nämlich teuer werden.

Das größte Risiko birgt eine fehlende Haftpflicht, da auch Tiere Schäden in Millionenhöhe verursachen können. Während Katzen und Kleintiere über die Besitzer-Haftpflicht abgesichert sind, brauchen Hunde eine eigene. In sechs Bundesländern ist sie für alle Pflicht, in anderen nur für Listenhunde. Eine Krankenversicherung für Hund und Katze ist hingegen immer freiwillig und hat als Produkt noch viel Luft nach oben: Schätzungen zufolge sind in Deutschland nur zehn bis 25 Prozent der Vierbeiner krankenversichert.

Hohe Tierarztkosten abfedern

Dies kann sich rächen, wenn das Tier verunfallt oder erkrankt. Tierärzte rechnen ihre Leistungen nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ab und können im Notfall den Faktor 4 ansetzen – da laufen schnell hohe Kosten auf. Mit einer Versicherung lassen sich diese abfedern, wobei es zwei Möglichkeiten gibt: „Eine OP-Versicherung sichert Operationen unter Narkose inklusive deren Nachbehandlung ambulant und stationär ab. Der Vollschutz leistet zusätzlich bei Behandlungen, die ohne Operation durchgeführt werden“, so Melanie Berggold von der Allianz. Dabei stehen verschiedene Tarife zur Auswahl, die mit steigender Prämie mehr Leistungen und Erstattungen bieten.

Das Problem: die Angebote der Anbieter unterscheiden sich gewaltig. Hier kann der Berater punkten, indem er den Bedarf richtig ermittelt und Stolperfallen erklärt. Davon gibt es einige, wie das Beispiel Petprotect zeigt. In Werbespots wird die Krankenversicherung für Hunde und Katzen – hinter der die Deutsche Familienversicherung (DFV) und die Pro Sieben Sat1 Services GmbH stehen – damit beworben, dass bis zu 100 Prozent der Tierarztkosten übernommen werden, keine Wartezeiten bestehen und die Police täglich kündbar ist. Das klingt gut, trifft aber nur begrenzt zu.

Denn in den ersten zwei Jahren sind die Leistungen klar eingeschränkt. So werden für einen Hund in diesem Zeitraum maximal 900, 1.200 oder 1.500 Euro erstattet – je nach gewähltem Tarif. Für eine Katze sind es 350, 475 oder 600 Euro. Im ersten Jahr wird zudem nur maximal die Hälfte der Summe ausbezahlt. Damit liegt die Erstattungssumme der ersten zwei Jahre in etwa auf Höhe der eingezahlten Beiträge – zumal oft auch eine Selbstbeteiligung anfällt. „Das kommt einer Wartezeit gleich und muss versicherungstechnisch auch sein, ansonsten versichern sie brennende Häuser“, so Oliver Janes, Geschäftsführer des Tier-Spezialmaklers Puntobiz.

Hinzu kommen etliche Leistungsausschlüsse und Auflagen für Policen-Nehmer. Zudem räumen sich die Köpfe hinter Petprotect umfassende Rechte beim Auskunfts- und Mitspracherecht bei Behandlungen ein, sowie bei Beitragsanpassungen. Alle diese Informationen finden sich auf der Webseite und den dort verfügbaren Formularen wieder – nur nicht prominent platziert.

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