Tarifvergleich: Assekuranz-Azubis besser bezahlt als viele andere Berufsanfänger

Anne Mareile Walter Versicherungen

Was die Entlohnung der Berufsanfänger angeht, zählt nach einer aktuellen Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung die Versicherungsbranche zu den sieben bestbezahlten Tarifbranchen.

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Azubis in der Versicherungsbranche gehören im bundesweiten Vergleich zu den gut bezahlten Berufsanfängern. Bild: francescoch

Das Problem Nachwuchsmangel treibt auch die Versicherer um. Dabei haben die Versicherer ein finanzstarkes Argument auf ihrer Seite: Azubis sind hier finanziell bessergestellt als in vielen anderen Ausbildungsberufen. Das zeigt die aktuelle Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Demnach erhalten Auszubildende im Versicherungsgewerbe im ersten Ausbildungsjahr 1.070 Euro. Zum Vergleich: In der chemischen Industrie liegt das Azubi-Gehalt bei 1.056 Euro (Bezirk Nordrhein), im Bankgewerbe sind es bundeseinheitlich 1.036 Euro.

Für die Analyse der Ausbildungsvergütungen nahm das WSI 20 unterschiedliche Tarifbranchen unter die Lupe. Die bundesweit höchste Ausbildungsvergütung im ersten Jahr erhalten Azubis für Pflegeberufe im Öffentlichen Dienst (Bund und Gemeinden) mit 1.191 Euro beziehungsweise 1.161 Euro (Länder), da hier in den Tarifverträgen für die Pflegeberufe gesonderte Regelungen gelten.

Mindestvergütung liegt bei 585 Euro

„Die aktuellen tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen werden im Rahmen der allgemeinen Tarifverhandlungen festgelegt“, erklärt Prof. Dr. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs. „Damit hängen sie auch mit der Verhandlungsposition der jeweiligen Gewerkschaft zusammen, die von Branche zu Branche sehr unterschiedlich ist.“ In Branchen ohne Tarifverträge hätten Auszubildende lediglich Anspruch auf die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung von 585 Euro im ersten Ausbildungsjahr.

„In einigen Branchen ist das Niveau der Ausbildungsvergütung nach wie vor sehr niedrig“, erläutert Schulten. „Vor dem Hintergrund der hohen Preissteigerungsraten haben es derzeit viele Auszubildende besonders schwer, mit ihrem Einkommen über die Runden zu kommen, vor allem wenn sie aus einkommensschwachen Familien stammen.“

Auf der untersten Skala der Ausbildungsvergütung befinden sich mit 800 Euro die Tarifbranchen Landwirtschaft, Backhandwerk, Floristik und Friseurhandwerk. Schlusslicht ist mit 585 Euro die ostdeutsche Floristik. In lediglich sieben der vom WSI untersuchten Tarifbranchen existieren bundesweit einheitliche Ausbildungsvergütungen, dazu zählt unter anderem auch die Versicherungsbranche.