Strafzins-Ära geht zu Ende: 49 Banken streichen Verwahrentgelte

Anne Mareile Walter Berater

Durch die Zinswende zeichnet sich eine Trendumkehr ab: Nachdem im vergangenen Jahr ein Kreditinstitut nach dem anderen die Freibeträge gesenkt hat, nehmen nun immer mehr Geldhäuser wieder Abstand davon. Gleichzeitig gehen die Ersparnisse der Privathaushalte zurück.

Verivox Bild: stevedangers

Die Negativzins-Ära scheint zu Ende zu gehen: Immerhin 49 Banken haben mittlerweile auf die Zinswende reagiert und ihre Verwahrentgelte ganz oder teilweise abgeschafft. Bild: stevedangers

Die Negativzins-Ära neigt sich offenbar dem Ende entgegen: Nach einer aktuellen Auswertung des Vergleichsportals Verivox unter 1.300 Banken und Sparkassen haben 49 Kreditinstitute ihre Verwahrentgelte ganz oder teilweise abgeschafft – noch bevor die angekündigten Zinsschritte der Europäischen Zentralbank (EZB) umgesetzt wurden.

34 Banken strichen die Negativzinsen komplett

Nach der Erhebung strichen seit Ende April 34 Banken ihre Negativzinsen komplett. Bei weiteren 15 Instituten wurden die Freibeträge deutlich hochgeschraubt, sodass ein Großteil der Kunden keine Minuszinsen mehr bezahlen muss. Zu den Banken, die bereits aus den Verwahrentgelten ausgestiegen sind, zählen neben Online-Banken wie der ING, N26 oder 1822direkt vor allem viele regionale Institute – darunter mehrere Sparda- und PSD-Banken, aber auch Volksbanken und Sparkassen.

„Wenn die Zinsen künftig steigen, wird das Geschäft mit Spargeldern für die Banken wieder attraktiv“, sagt Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier und ergänzt: „Die ersten Institute bringen sich dafür jetzt schon in Stellung.“ Hinweise auf ein baldiges Ende der Negativzins-Ära hatte es bereits im April gegeben, als die ersten Banken ihre Freibeträge anhoben. Damals gab die Direktbank ING den Startschuss: Sie kündigte an, zum 1. Juli die Freibeträge für Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten von 50.000 Euro auf 500.000 Euro anzuheben – und damit faktisch die Verwahrentgelte zu streichen.

Aktuell verlangen nach den Recherchen des Vergleichsportals immer noch 426 Banken von ihren Privatkunden Negativzinsen. Zum Höchststand Mitte Mai waren es 455. „Die große Mehrheit der Kreditinstitute hält sich mit der Abschaffung ihrer Verwahrentgelte noch zurück“, erklärt Verivox-Chef Maier und prognostiziert: Sobald die Notenbank den Strafzins auf Bankeinlagen streiche, würden die Negativzinsen für Sparer auf breiter Front wegfallen.  

Die Zahl der Sparer geht zurück

Parallel dazu geht die Zahl der Sparer hierzulande allerdings zurück. Nach einer aktuellen Mitteilung der Bundesbank sank das Geldvermögen der Privathaushalte aus Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen im ersten Quartal 2022 um 36 Milliarden Euro auf rund 7.588 Milliarden Euro. Erstmals seit zwei Jahren seien die Ersparnisse damit zurückgegangen, sie hatten zuletzt pandemiebedingt eine Rekordmarke nach der anderen überschritten.

Im vierten Quartal 2021 hatten die Deutschen noch 7.618 Milliarden Euro auf der hohen Kante. Den aktuellen Rückgang führt die Bundesbank auf Bewertungsverluste in Höhe von 121 Milliarden Euro durch „Kursstürze am Kapitalmarkt“ zurück, die insbesondere Aktien und andere Anteilsrechte betroffen hätten. Mit gut 3.014 Milliarden Euro machten Ende März Bargeld und Bankeinlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten weiterhin den größten Posten aus. Dabei stiegen die Bestände von Versicherungen und anderen Altersvorsorgeprodukten um rund 24 Milliarden Euro auf über 2.599 Milliarden Euro.