„Social-Media-Aktien sind durch datenschutzrechtliche Bestrebungen gefährdet“

Hannah Petersohn Investmentfonds

Social Media boomt. Die Zahl der Nutzer von Zuckerbergs Plattform Meta ist auf rund zwei Milliarden Mitglieder angeschwollen, die Unternehmensgewinne steigen. Das inspiriert die Fondsindustrie zu speziellen Produkten. Fondsmanager Thomas Gerber über die Stärken und Schwächen von Social-Media-Investments

Social-Media-Aktien sind durch datenschutzrechtliche Bestrebungen gefährdet Bild: MicroStockHub

Bei einem Investment in Social Media müssen Anleger nicht nur mit einer hohen Volatilität umgehen. Bild: MicroStockHub

procontra: Social-Media-Plattformen sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Das inspririert die Fondsindustrie zu speziellen Produkten. Sie selbst managen mit dem „Quint-Essence Strategy Social Media and Technology“ (ISIN: LU1074556041) einen Mischfonds mit Fokus auf soziale Medien. Wie steht es um die Wachstumschancen der Branche?

Thomas Gerber:
Wir sehen die zukünftigen Ertragschancen von Social-Media-Unternehmen sehr optimistisch. Die vergangenen Jahre haben eindrucksvoll gezeigt, wie Plattformen wie LinkedIn, Facebook oder Youtube sich von einfachen Netzwerk- und Kommunikationshilfen in wichtige Unterhaltungsplattformen und Recruitingtools gewandelt haben und sie zur Infrastruktur für die „digital communities“ geworden sind.

procontra: Welche Risiken gibt es beim Investment in Social-Media-Aktien?

Gerber: Abgesehen von den üblichen Risiken, die man bei Aktieninvestments generell eingehen muss, sind Social-Media-Aktien besonders durch regulatorische Risiken wie datenschutzrechtliche Bestrebungen gefährdet. Sie stellen definitiv eine Bedrohung oder potenzielle Einschränkung für die Monetarisierung der Daten dar. Allerdings sitzen große Social-Media-Plattformen aufgrund ihrer immensen Popularität und geographischen Flexibilität den Regulatoren gegenüber wohl am längeren Hebel. Deshalb erwarten wir eher social-media-freundliche Kompromisse als ernstzunehmende rechtliche Einschränkungen seitens der Behörden.



procontra:
Welche Stärken und Schwächen hat der Fonds im Speziellen?

Thomas Gerber: Seine Stärke liegt im konzentrierten Fokus auf Technologie und Digitalisierung. Damit geht ein langfristiges Ertragspotenzial einher. Diese Konzentration führt aber unweigerlich zu überdurchschnittlicher Volatilität. Sie wird zwar mithilfe des Stabilitätssegments signifikant reduziert, kann für Anleger aber trotzdem unangenehm sein. Insbesondere risikoaverse Anleger könnten das als Schwäche ansehen.

procontra: Was meinen Sie genau mit Stabilitätssegment?

Gerber: Der Fonds besteht aus zwei Segmente: einem performancetreibenden Social-Media-&-Technology-Segment, der normalerweise circa 60 Prozent des Fondsvermögens ausmacht, und einem performanceglättenden Stabilitätssegment, das Papiere außerhalb des Technologie- beziehungsweise Digitalisierungssektors enthält. Angestrebt ist eine Gesamtzahl der Einzelpositionen von 30. Tatsächlich ist das auch meistens der Fall, aktuell sind es 31.

procontra: Welche Rollen spielen US-amerikanische und chinesische Social-Media-Unternehmen im Portfolio?

Gerber: Die größten Unternehmen des Social-Media- und Digitalisierungssektors sind meist in den USA angesiedelt, weil es dort die besten wirtschaftlichen und innovationsfreundlichsten Bedingungen für Start-ups und auch die liquidesten und effizientesten Wertpapiermärkte gibt. Dementsprechend liegt der Großteil der Portfoliogewichtung im US-amerikanischen Raum. Der Fonds ist aber auch in Afrika und China engagiert, allerdings mit wesentlich geringerer Gewichtung. In China haben regulatorische Risiken, insbesondere für den Technologiesektor, in der jüngeren Vergangenheit drastisch zugenommen. Deswegen sind wir dort trotz günstiger Bewertungen momentan zurückhaltend.

procontra: Warum spielen europäische Unternehmen bei Ihnen kaum eine Rolle?

Gerber: Sie finden sich aktuell ausschließlich im Stabilitätssegment des Portfolios. Für innovative Unternehmen aus den Bereichen Social Media und Digitalisierung, insbesondere während der Gründungs- und Start-Up-Phase, ist der europäische Markt eher unattraktiv. Das liegt einerseits an der Bürokratie und regulatorischen Hürden und andererseits an der begrenzten Verfügbarkeit von Risikokapital.

procontra: Welche Ertragsquellen haben die Unternehmen?

Gerber: Die Social-Media-Plattformen sammeln Daten über ihre Nutzer in noch nie dagewesener Quantität und Qualität, das Ertragspotenzial von Social-Media-Investments besteht gegenwärtig hauptsächlich in diesen generierten Daten. Sie werden wohl auch zukünftig ein sehr wichtiger Ertragsfaktor bleiben. Allerdings kommen mit der Entstehung des Metaversums noch zusätzliche Ertragsquellen hinzu, also durch Avatare, Immobilien im Metaversum und NFTs aller Art, die letztendlich noch profitabler als die eigentlichen Daten werden könnten. procontra: Hat nicht bereits eine Sättigung eingesetzt, Stichwort: Digital Detox? Neigt sich Social-Media-Hausse dem Ende zu? Gerber: Wir glauben, dass wir erst am Anfang des Trends zu Digitalisierung stehen. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Social Media wird weiter zunehmen.