Schadenfall der Woche: Die eingebildeten Kranken

Hannah Petersohn Panorama

In einem spektakulären Fall von Sozialbetrug ergaunerte eine Familie aus England umgerechnet über 730.000 Euro. Nun drohen den Betrügern langjährige Haftstrafen.

Schadenfall der Woche: Die eingebildeten Kranken Bild: procontra

Ein betrügerisches Trio ergaunerte über einen ausgeklügelten Plan umgerechnet 730.000 Euro. Bild: procontra

Laura, ihre Mutter und Lauras Mann Philipp planten den vermeintlich perfekten Betrug. Am Ende erbeuteten sie sogar umgerechnet 730.000 Euro – und müssen nun für mehrere Jahre hinter Gittern. Doch von Anfang an: Hertford ist eine durchaus pittoreske Stadt in England, 20 Kilometer nördlich von London. Zu den etwa 24.000 Einwohnern gehören auch Laura, Philipp und Frances, Lauras Mutter.

2017 hatte Laura einen großen TV-Auftritt im Frühstücksfernsehen. Darin behauptete sie, eine der jüngsten an Demenz erkrankten Personen zu sein, die es jemals gegeben habe. Ihr Mann startete daraufhin sogar eine Spenden-Kampagne für eine „letzte Reise“ des Paars „bevor Lauras Gedächtnis nachlässt“, wie unter anderem das britische Nachrichtenportal Daily Mail berichtet.

Zu diesem Zeitpunkt bezog das Paar bereits Geld vom Sozialamt. Der Grund: Lauras Mutter Frances sei bettlägerig, könne sich nicht mehr selbst ernähren, leide unter schwerer Demenz und müsse in Vollzeit gepflegt werden. Zwischen 2005 und 2018 kassierte das Paar, laut Nachrichtensender BBC, mehr als 730.000 Euro Pflegegeld. Irgendwann wurde die 66-jährige Frances allerdings dabei beobachtet, wie sie Amazon-Pakete annahm, selbst auspackte und im Haus umherlief. Der dreiste Schwindel flog auf.

„Ausgeklügelt, hinterhältig, schamlos“

Das Urteil des Bezirksrats der Grafschaft Herfordshire fällt entsprechend deutlich aus: „Frau Noble, ihre Tochter und ihr Schwiegersohn unternahmen einen ausgeklügelten und hinterhältigen Betrug. Schamlos täuschten sie Fachkräfte des Gesundheits- und Sozialwesens über einen längeren Zeitraum hinweg. Die Taten des Trios wurden in der Absicht geplant, kalkuliert und durchgeführt, ein Versorgungssystem zu missbrauchen, das in erster Linie auf die Bedürfnisse von Unterstützungsbedürftigen ausgerichtet ist.“

Zudem gebe es Hinweise auf einen durchaus extravaganten Lebensstil. Zwischen 2011 und 2017 habe das Paar Urlaub in Boston, San Francisco und Kanada gemacht. Von „vergeben und vergessen“ kann das Trio Infernal jetzt nur noch träumen. Am Dienstag verurteilte ein Richter Laura zu drei Jahren und neun Monaten und Philipp zu vier Jahren und drei Monaten. Frances muss ganze vier Jahre und neun Monate hinter Gittern.